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Noch kein Interessent für Arztsitz

  • vonGeorgia Lori
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Nidderau (geo). Zuletzt sei es immer wieder passiert, dass Patienten bei Nidderauer Arztpraxen abgewiesen werden, teilt die CDU mit. Begründung: Die Kapazität der Praxis sei ausgeschöpft. Deshalb sieht die Union Handlungsbedarf. Sie spricht von einer »aktuell kritischen Situation der ärztlichen beziehungsweise fachärztlichen Versorgung«. Die politisch Verantwortlichen müssten die ärztliche Versorgung sicherstellen.

Die CDU träumt von einem Ärztehaus im ehemaligen Gebäude der Volksbank Heldenbergen. Hier könnten Eigentümer oder Investoren unter Mitwirken von Ärzten ein Ärztehaus schaffen. In Erbstadt bestehe ein unhaltbarer Zustand, bedingt durch die Aufgabe einer Arztpraxis.

Doch ist ein solches Ärztehaus und die Vergabe der Praxis in Erbstadt nötig? Der Nidderauer SPD-Vorsitzende Vinzenz Bailey erklärt, dass für sein Verständnis der öffentlichen Daseinsvorsorge der nächstgelegene Hausarzt zu Fuß erreichbar sein sollte. Mit dem Weggang von Dr. Ursula Ronner-Gockert nach Glauburg gebe es für die Erbstädter keinen fußläufig erreichbaren Hausarzt mehr. »Ich habe immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass sich ein neuer Hausarzt finden lässt«, sagt Bailey. Seine Partei gehe das alles realistisch an. Mit den vorhandenen Allgemein- und Fachmedizinern sei Nidderau nicht schlecht aufgestellt. Auch die Wartezeiten für Termine hielten sich in Grenzen.

Die ärztliche Versorgung sei ein Dauerthema, gibt Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) zu. Die Stadt habe das im Blick. Im vergangenen Herbst seien intensive Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sowie der Gesundheitskoordinatorin des Main-Kinzig-Kreises geführt worden. Ergebnis: Nidderau ist sowohl im hausärztlichen als auch im fachärztlichen Bereich »sehr gut versorgt«. Was die Hausärzte betrifft, sprächen Experten von einer Überversorgung.

»Nach Ankündigung von Ronner-Gockert, langjährige Hausärztin in Erbstadt, ihre Praxis zum Ende des Jahres schließen zu müssen, sofern sich nicht eine Nachfolgeregelung abzeichnet, wurde seitens der Stadtverwaltung mit Nachdruck nach Lösungsmöglichkeiten gesucht«, teilt Schultheiß mit. Bisher seien alle Bemühungen erfolglos geblieben. Als positiv wertet er, dass alle Patienten von Ronner-Gockert durch Praxen in Nidderau oder umliegenden Kommunen übernommen worden seien. »Bis zum 30. Juni wird der Arztsitz in Erbstadt noch durch die KV freigehalten. Derzeit liegen uns keine Meldungen über Interessenten vor«, sagt Schultheiß.

Die Stadt Nidderau gehört planerisch was Hausärzte angeht mit 14 anderen Städten und Gemeinden zum Gebiet Hanau, erläutert ein KV-Sprecher. Der Planungsbezirk Hanau weise nach Beschluss des Landesauschusses auf der Basis vom 1. März diesen Jahres einen Versorgungsgrad von 97,44 Prozent auf.

In Nidderau seien elf Hausärzte (Stand: 1. April 2020) tätig, das seien 10,5 Versorgungsaufträge. Bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 20 000 bedeute dies einen fiktiven hausärztlichen Versorgungsgrad von 85,43 Prozent. Hinzukomme eine Übernahmepraxis. Dabei handelt es sich um eine Hausarztpraxis, die zum genannten Stand nicht besetzt war und sich in einem Ausschreibungsverfahren befinde.

Für die Planung der allgemeinen Fachärzte ist Nidderau nach Angaben der KV dem Main-Kinzig-Kreis zugeordnet. Für diese Region würden aktuell nur die Kinder- sowie die Nervenärzte unter dem Soll-Versorgungsgrad von 100 Prozent liegen. In Nidderau seien zwei Chirurgen und Orthopäden, ein Hautarzt, ein Kinderarzt, ein Anästhesist sowie sieben Psychotherapeuten tätig.

Hessen verfügt über eine gute ärztliche Versorgung. Mittel- bis langfristige Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass sich die bestehenden Versorgungsstrukturen verändern - besonders in ländlichen Regionen. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat daher vor fünf Jahren mit den Akteuren des hessischen Gesundheitswesens ein Maßnahmenbündel vereinbart. Dazu zählen die Förderung der Famulatur (Praktika für Medizinstudenten) , Kompetenzzentren für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin oder das Unterstützen von Ärzten die sich neu an einem Ort ansiedeln möchten. geo

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