Jochen Ruths setzt auf Aktionsrabatte für alle und besondere Rabattaktionen für registrierte Stammkunden.
+
Jochen Ruths setzt auf Aktionsrabatte für alle und besondere Rabattaktionen für registrierte Stammkunden.

WZ-Umfrage

Niedrigere Mehrwertsteuer: So reagieren Geschäftsleute in Friedberg - Einige trifft es negativ

  • vonHarald Schuchardt
    schließen

Bis Jahresende gilt der verminderte Mehrwertsteuersatz. Wie reagieren Einzelhändler auf der Friedberger Kaiserstraße darauf? Und was versprechen sich die Geschäftsleute von der Senkung?

Friedberg - „Wir geben die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter, um zu zeigen, dass wir die Bemühungen des Staates unterstützen, die Konjunktur in Gang zu setzten«, sagt Apotheker Bernd Ulrich, Inhaber der Liebig- und der Engel-Apotheke sowie der Parfümerie Lisa.

Er äußert sich bei einer Umfrage der WZ unter Geschäftsleuten auf der Friedberger Kaiserstraße. Andererseits treffe die Mehrwertsteuersenkung die Apotheken im Bereich von Arzneimitteln hart, fügt Ulrich hinzu. Bedingt durch den Abschlag, den die Apotheken an die Krankenkassen zahlen müssten, führe dies zu einem Verlust von vier Cent pro Packung. »Hier muss die Politik dringend nacharbeiten«, fordert Ulrich, der sich durch die Senkung in den Bereichen Selbstmedikation und Kosmetik eine deutliche Nachfragesteigerung erhofft.

Einkaufen in Friedberg: Ware nach Senkung der Mehrwertsteuer abgeholt

Auf mehr Umsatz hoffen auch Norbert und Klaudia Decher, Inhaber des gleichnamigen Bettenhauses. Die Kunden erhalten bei ihrem Einkauf einen Nachlass von drei Prozent, der beim Bezahlen automatisch abgezogen wird. Beim Kauf von Schlafsystemen wurde eine Bonusstaffelung geschaffen. »Ich denke, dass dies vor allem bei größeren Anschaffungen eine kleine Kaufunterstützung ist. Mal schauen was dann nächstes Jahr folgt,« sagt Norbert Decher, der mit der Umstellung auf den gesenkten Mehrwertsteuersatz keine Probleme hat.

Diese hat auch Ulf Berger, Inhaber von Lederwaren Steck und Vorsitzender der Werbegemeinschaft »Friedberg hat’s«, nicht: »Die Umstellung war für uns kein großer Aufwand«, sagt Berger, der die Steuersenkung komplett weitergibt. Die Frage, ob das Mittel der Steuersenkung ihm etwas bringt, beantwortet Berger so: »Wir werden es sehen, und wir hoffen es.«

»Meines Erachtens bringt das nichts«, sagt Marianne Ulrich, die in dritter Generation das Fachgeschäft »Steinnökel für Jagd, Freizeit und Stahlwaren« führt. Die Kassenumstellung klappte bei ihr im dritten Versuch. Bei großen Beträgen gibt Ulrich die Senkung direkt weiter, bei kleineren Beträgen wird einfach abgerundet. Ein Kunde habe neulich hochwertige Kochmesser ausgesucht und gefragt, ob er diese nach der Steuersenkung abholen könne. Am Samstag habe er sie abgeholt und somit etwas Geld gespart.

Diese Einsparung nahm auch eine Kundin im »Campus + Lederladen« mit. »Sie hat die Ware zurücklegen lassen und jetzt abgeholt«, erzählt Inhaberin Nicole Riebe. Mit dem Direktabzug durch die Kasse geben Riebe und Ehemann Andreas Weckler den »Steuerrabatt« bei einigen Artikeln an die Kunden weiter. Bei Angeboten wurde die Steuerreduzierung in den Preis miteinbezogen. »Meines Erachtens bringt das Ganze nichts«, sagt Riebe, die den Aufwand für nur sechs Monate als »schon sehr groß« bezeichnet. Weckler hält diese Maßnahme nicht für die Richtige, »um die Auswirkungen der Krise wesentlich zu beeinflussen«.

Mehrwertsteuer gesenkt: Hoffnung auf den zusätzlichen Einkauf in Friedberg

Keine großen Veränderungen im Kaufverhalten erwarten auch Sue und Michael van Bömmel von Juwelier Burck. »Für uns bedeutet der neue Mehrwertsteuersatz einen Verlust, denn ein Großteil unserer Hersteller und Lieferanten senken ihre Preise und die Preisempfehlung nicht. Wir geben die Senkung trotzdem weiter«, erklärt Michael van Bömmel. Auf dem Kassenzettel wird der reduzierte Steuersatz ausgewiesen.

»Das ist ein furchtbar schlechtes Instrument«, sagt Jochen Ruths, Inhaber des Modehauses Ruths und Vorsitzender des hessischen Einzelhandelsverbandes, zur Steuersenkung. Er plädiert für Gutscheinlösungen, wie sie die Stadt Marburg praktiziert. Trotzdem werde der Geldbeutel der Verbraucher langsam etwas voller. »Vielleicht bleibt Ende des Jahres dann doch noch was übrig für einen zusätzlichen Einkauf,« gibt der Einzelhändler zu bedenken, der das »Steuerminus« nicht direkt an die Kunden weitergibt. In einer Aktion erhielten registrierte Stammkunden ohnehin die gesamte Mehrwertsteuer zurück, ab August würden auf deren Kundenkonto pro Kauf drei Prozent Rabatt gesammelt. Alle anderen Kunden profitieren ohnehin von den gesenkten Preisen auf die Sommerware.

»Die Mehrwertsteuersenkung wird keine Anstürme auslösen«, meint Ruths. So oder ähnlich haben es alle Einzelhändler bei der WZ-Umfrage formuliert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare