Die Niddertalbahn, hier am Bahnübergang in Eichen, verkehrt zwischen Glauburg und Bad Vilbel. Bis 2027 soll sie für 100 Millionen Euro elektrifiziert werden. FOTO: JAN-OTTO WEBER
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Die Niddertalbahn, hier am Bahnübergang in Eichen, verkehrt zwischen Glauburg und Bad Vilbel. Bis 2027 soll sie für 100 Millionen Euro elektrifiziert werden. FOTO: JAN-OTTO WEBER

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Niddertalbahn: Ausbau startet

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Das Land Hessen und die Deutsche Bahn stellen die Weichen für den Ausbau der Niddertalbahn. Bis Mitte 2021 soll der Zeitplan für die Arbeiten stehen, danach beginnen die Ausschreibungen.

Das Land übernimmt die Planungskosten in Höhe von 11,8 Millionen Euro für den Ausbau und die Elektrifizierung der Niddertalbahn", teilte das Verkehrsministerium am Dienstag mit. Man habe einen Finanzierungsvertrag mit der Bahn abgeschlossen, sagt Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. "Wir wollen die Kapazität der Strecke erhöhen, um mit einem besseren Angebot weitere Fahrgäste für den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene zu gewinnen."

Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal ist guter Dinge, dass es nun zügig mit der Modernisierung des "Stockheimer Lieschens" vorangeht. "Alle arbeiten mit Hochdruck daran, dass bis Mitte 2021 der konkrete Zeitplan steht und die Ausschreibung der Arbeiten beginnen kann." Ziel ist, den Ausbau der Strecke bis zum Start des neuen Verkehrsvertrags im Jahr 2027 abzuschließen. "Es können nur alle gewinnen, wenn die Niddertalbahn elektrifiziert und modernisiert wird", sagt Vogel. "Der Pkw-gestützte Individualverkehr führt in den umliegenden Kommunen Richtung Frankfurt regelmäßig zum Verkehrskollaps und belastet durch die Abgase."

"Derzeit ist jeder dritte der knapp 2600 Schienenkilometer in Hessen ohne Oberleitung. Die Strecken sind zum weit überwiegenden Teil im Besitz der Deutschen Bahn; der Bund hat angekündigt, künftig mehr Geld für die Elektrifizierung zur Verfügung zu stellen", erklärt Al-Wazir. Die Niddertalbahn sei neben anderen Projekten bereits zur Förderung beim Bund angemeldet.

"Das Land wird diese Vorhaben unter Einbeziehung der entsprechenden Bundesprogramme begleiten und nach Kräften unterstützen - überall wo erforderlich, auch finanziell", versicherte der Verkehrsminister. An der Finanzierung des Umbaus, dessen Kosten auf rund 100 Millionen Euro geschätzt werden, soll sich der Bund beteiligen.

"Es ist klar, dass es während der Bauphase nicht immer nur Freunde des Ausbaus geben wird. Hier ist die Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen gefragt", sagt Vogel. Die genaue Kostenbeteiligung der Kommunen werde noch geklärt.

Was die kurzfristigen Maßnahmen betreffe, um die Attraktivität der Niddertalbahn zu steigern, berichtet Vogel, dass der RMV nach eigenen Angaben seine Werkstattkapazitäten erhöht hat und Reparaturen und Wartungen an den anfälligen Triebwagen nun zügiger vorgenommen werden können. Es wurden Gespräche mit Schulämtern geführt, um die Taktung der wenig genutzten "Verstärkerzüge" in den Stoßzeiten besser auf die Stundenpläne abzustimmen.

Insgesamt zeigt sich Vogel zuversichtlich: "Die Hoffnung ist bei allen Beteiligten groß, durch die positiven Rahmenbedingungen das gesetzte Ziel, die Modernisierung der Niddertalbahn bis zum Jahr 2027, zu erreichen."

Bestärkt wird seine Einschätzung nun von der Nachricht, dass die Verträge zwischen Land und der Deutschen Bahn geschlossen sind. Der laufende Betrieb soll während der Ausbaumaßnahmen weitestgehend aufrechterhalten werden. Zeit- und abschnittsweise werde Schienenersatzverkehr eingesetzt, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.

Fahrten im Halbstundentakt

"Mehr Züge, die zudem öfter zwischen Glauburg-Stockheim, Bad Vilbel und auch weiter Richtung Frankfurt unterwegs sind - das ist unser Ziel mit dem Ausbau der Strecke", sagte Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Infrastrukturprojekte Mitte der DB Netz AG. "Gleichzeitig tragen wir mit der Elektrifizierung der Strecke dazu bei, dass die Niddertalbahn umweltfreundlicher fährt." Heute seien mehr als dreimal so viele Fahrgäste wie 1985 mit der Niddertalbahn unterwegs. "Damit diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortgesetzt werden kann, muss die Strecke ausgebaut werden. Nur dann kann der RMV das Fahrtenangebot ausweiten und darüber zusätzliche Fahrgäste gewinnen", teilt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat mit. Er sei froh, dass das Land die Planungskosten trägt "und damit einen wichtigen Meilenstein für eine moderne Niddertalbahn setzt".

"Der Ausbau der Niddertalbahn ist mit dem Ausbau der S-Bahnstrecke 6 und der Reaktivierung der Horlofftalbahn das wichtigste Schieneninfrastrukturprojekt im Wetteraukreis", informiert Landrat Jan Weckler. Ihr komme bei der Stärkung der Ost-West-Verbindung in der Wetterau eine große Bedeutung zu. Sie sorge für eine bessere Anbindung des ländlichen Raums an die Metropolregion.

Die 31 Kilometer lange Niddertalbahn verbindet Bad Vilbel mit Glauburg-Stockheim und verknüpft damit auch die Bahnstrecken Frankfurt-Kassel (Main-Weser-Bahn) und Gießen-Gelnhausen (Lahn-Kinzig-Bahn). Wegen der steigenden Fahrgastzahlen soll das derzeitige stündliche Verkehrsangebot auf einen Halbstundentakt verdichtet werden. Zudem sollen mehr Züge als heute über Bad Vilbel hinaus bis nach Frankfurt fahren. In der Hauptverkehrszeit sind weitere Verstärkerzüge geplant, teilt das Verkehrsministerium mit. Die derzeit eingleisige Strecke soll elektrifiziert sowie in den Abschnitten von Altenstadt nach Höchst und von Büdesheim nach Kilianstädten zweigleisig ausgebaut werden. In einigen Abschnitten wird sie für eine höhere Geschwindigkeit ertüchtigt. Dazu müssen auch Brücken, Bahnübergänge und Verkehrsstationen modernisiert werden. Für die Zukunft der Niddertalbahn haben sich im vergangenen Jahr in einer Resolution die Anrainer starkgemacht. Diese Forderung ist vom Wetteraukreis, Main-Kinzig-Kreises, der Kommunen Bad Vilbel, Niederdorfelden, Schöneck, Nidderau, Altenstadt und Glauburg, des RMV, des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) und der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig getragen worden. Der Ausbau der Niddertalbahn ist Teil des Infrastrukturentwicklungsprogramms Frankfurt Rhein-Main plus, das von Bund, Land Hessen, Stadt Frankfurt, RMV und DB vorangetrieben wird. pm

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