Drei Männer und eine Frau stehen in einer Produktionshalle.
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Das Team von EHV konstruiert in Ilbenstadt normalerweise Abfüllanlagen für Farben, Lacke oder Baustoffe. Vergangenes Jahr hat die Firma jedoch das Geschäftsfeld erweitert und Anlagen zur Massenabfüllung von Desinfektionsmittel gebaut– mit Erfolg.

Ilbenstadt

Corona-Gewinner: Abfüllanlagen für Desinfektionsmittel stammen aus der Wetterau

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Eine Wetterauer Firma baut in der Corona-Pandemie Anlagen für die Abfüllung von Desinfektionsmittelt. Die Herausforderungen dabei sind giftige Dämpfe und die Explosionsgefahr.

Ilbenstadt – Im März 2020 kam der Auftrag. Die Anlage, so sagte der Kunde, solle so schnell wie möglich fertig sein. Denn mit Beginn der Corona-Pandemie war die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln schlagartig gestiegen. Das Team von EHV (Empter Handelsvertretung) sollte deswegen eine Anlage produzieren, mit der massenweise Desinfektionsmittel abgefüllt werden können.

Corona-Gewinner aus der Wetterau ist spezialisiert auf Abfüllanlagen

Der Schwerpunkt des Unternehmens im Ilbenstädter Gewerbegebiet ist eigentlich ein anderer gewesen - zumindest bis vergangenes Jahr. Das fünfköpfige Team um Chefin Anja Empter - drei Ingenieure aus dem Bereich Maschinenbau sowie zwei Studenten von der TU Darmstadt - hatte sich bisher auf Abfüllanlagen für Produktionsfirmen konzentriert, die etwa Farben, Lacke oder Baustoffe abfüllen. Zum Beispiel solche Anlagen, die Wandfarbe in Eimer füllen. Oder Epoxidharze in Metallkanister.

Normalerweise, erklärt Mario Müller aus dem Team, wenden sich die Kunden mit einem konkreten Auftrag an die Firma: Welchen Stoff sie haben, woraus er zusammengesetzt ist, wo er hinein soll (Eimer, Kanister, Fläschchen) und wie groß die Menge an Ausstoß sein soll. All diese Infos sind wichtig, da jede Anlage individuell gefertigt werden muss. Mörtel zum Beispiel hat eine andere Konsistenz als Wandfarbe und fließt nicht von alleine - in die Anlage muss dann eine Pumpe eingebaut werden.

Abfüllanlagen aus der Wetterau müssen Sicherheitsstandard erfüllen

Das Team konstruiert eine passende Abfüllanlage und baut sie anschließend in den Produktionsräumen der Auftraggeber auf - sowohl bei Kunden in Deutschland als auch in Österreich und in der Schweiz.

Als die Nachfrage vergangenes Jahr nach Desinfektionsmitteln gestiegen ist, erzählt Müller, haben sie in Ilbenstadt alleine für einen Kunden zwölf Anlagen gebaut - für Mittel in Behältern und für Tücher (die Anlage hat dafür gesorgt, dass die in Tüten verpackten Filztücher mit der Flüssigkeit benetzt werden).

Die Herausforderung beim Abfüllen von Desinfektionsmitteln: die Sicherheitsstandards - wegen der Dämpfe, die in etwa vergleichbar reagieren wie Verdünnungsmittel oder Spiritus, sobald sie mit einem Zündfunken in Berührung kommen. »Durch die Dämpfe entsteht eine sogenannte explosionsgefährdete Zone. Wenn ein Zündfunke in dem Raum entsteht, könnte es ›Boom‹ machen«, sagt Müller. Die Anlagen müssten daher so konstruiert sein, dass sich keine Dämpfe im Raum verteilten - neben dem Sicherheitsaspekt auch aus gesundheitlichen Gründen: Damit die Mitarbeiter, die die Maschine bedienen, keine Dämpfe einatmen. Deswegen, erklärt Müller, ist ein Abzugsrohr direkt neben dem Abfüllmechanismus angebracht.

Corona-Gewinner aus der Wetterau hat schon 50 Abfüllanlagen gebaut

»Wir haben seit März vergangenen Jahres über 50 Anlagen für Desinfektionsmittel gefertigt und installiert.« Aber auch wenn es ein »überproportional anstrengendes Jahr« gewesen sei: »Wir konnten aktiv an der Bekämpfung der Corona-Pandemie mitarbeiten« - und an der Bekämpfung anderer Krankheiten. Denn, das hat das vergangene Jahr mit Hygienemaßnahmen gezeigt: Kaum jemand hatte eine Magen-Darm-Grippe oder andere Krankheiten, die hauptsächlich durch Schmierinfektionen übertragen werden. »Desinfektionsmittel werden uns noch eine Weile begleiten.«

Wenn es nicht gerade unvorhergesehene Aufträge gebe, würden in Ilbenstadt vier bis fünf Anlagen pro Monat gefertigt. Aber, das hat 2020 gezeigt: Herausforderungen machen die Arbeit spannend, und darum geht es ja bei den Maschinenbauern, die mit jedem Auftrag wieder etwas Neues entwickeln müssen. »Es macht extrem viel Spaß. Heute sitzt man im Meeting und morgen schraubt man wieder in der Werkstatt.«

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