Sylvia Masalci ist Heilpraktikerin und Kosmetikerin - und wie viele andere durch die Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten. Zurzeit hat die 42-Jährige kaum Einnahmen, aber hohe Fixkosten, weshalb sie Soforthilfe beim Land beantragt hat.
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Sylvia Masalci ist Heilpraktikerin und Kosmetikerin - und wie viele andere durch die Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten. Zurzeit hat die 42-Jährige kaum Einnahmen, aber hohe Fixkosten, weshalb sie Soforthilfe beim Land beantragt hat.

Selbstständige in der Krise

Auf neuen Wegen durch die Corona-Zeit

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Sylvia Masalci ist Heilpraktikerin und Kosmetikerin - und wie viele andere durch die Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten. Aber die 42-Jährige hat eine Idee, wie sie ihren Laden in Assenheim retten kann.

Im März boomt es. Normalerweise. Doch gerade als das Wetter schön wurde und der Besuch zur Kosmetik oder Fußpflege angestanden hätte, erreichte Corona auch Deutschland. Wie es nun für Sylvia Masalci und ihr »Wohlfühlädchen« in Assenheim weitergeht, weiß die 42-Jährige nicht. Aber sie hat einige Ideen.

Seit zwölf Jahren betreibt Sylvia Masalci ihr Kosmetikstudio in Assenheim. Das »Wohlfühllädchen« der Nagelmodellisten, Kosmetikerin und Masseurin läuft gut. Die 42-Jährige hat eine Angestellte für die Fußpflege, und eigentlich war sie auf der Suche nach einer zweiten Kosmetikerin. »Zum Glück hatte ich noch keine gefunden.« Denn seit zweieinhalb Wochen ist das Studio geschlossen, ihre Mitarbeiterin musste sie in Kurzarbeit schicken.

Masalci selbst hat zumindest noch einige wenige Kunden - in ihrer Heilpraxis. Denn durch den Betrieb des Kosmetikstudios konnte sie sich in den vergangenen Jahren weitere Ausbildungen leisten: zur Heilpraktikerin, Schmerztherapeutin, Traumatherapeutin und Dorn-Therapeutin. Seit zwei Jahren studiert sie Osteopathie, eine alternative Form der Medizin zum Erkennen und Behandeln von Funktionsstörungen. Masalci strahlt: »Das ist meine Leidenschaft.«

Wetterau Corona-Zeit: Freunde und Kunden bieten Geld an

Aber für einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag, so wie vorher, reichen die wenigen Schmerzpatienten, die sie noch behandelt, bei Weitem nicht. Die Miete für das 85 Quadratmeter große Ladengeschäft läuft weiter, hinzu kommen weitere Fixkosten.

Masalci hofft deshalb auf die Corona-Soforthilfe des Landes. »Für den Online-Antrag habe ich zwei Tage gebraucht, weil ich dauernd rausgeworfen wurde.« Auf die Bewilligung des Zuschusses wartet sie noch. »Meine privaten Kosten werden dadurch natürlich nicht abgedeckt.« Auf Rücklagen kann sie nicht zurückgreifen. »In letzter Zeit gab es mehrere Baustellen vor der Tür, das machte sich beim Umsatz bemerkbar.«

Freunde und Kunden ahnen, wie schwer es derzeit für die 42-Jährige ist, auch wenn sie nicht jammert. »Viele Menschen bieten mir ihre Hilfe an. Sie fragen, ob ich Geld brauche oder genügend zu essen habe.« Die Kinder einer guten Freundin haben Spielzeug aussortiert und online zum Verkauf angeboten - das Geld ist für Masalci gedacht. »Das ist eine tolle Geste und rührt mich sehr.«

Klar ist: Geld werde sie sich nicht leihen, um das »Wohlfühllädchen« aufrechtzuerhalten. »Ich habe den Laden ohne einen Kredit aufgemacht, und ich werde mich auch jetzt nicht verschulden.«

Wetterau Corona-Zeit: Laden teilen, Kunden abgeben

Solange warten, bis das öffentliche Leben wieder anläuft, möchte Masalci nicht. Zumal sie davon ausgeht, dass sie in ihrem Geschäft auch dann Umsatzeinbußen wird hinnehmen müssen. »Viele Menschen sind in Kurzarbeit, sie müssen sparen.« Unwahrscheinlich, dass sie als erstes nach dem Lockdown einen Termin zum Nägelmachen vereinbaren.

Deshalb hat sie sich im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim beworben: um sich selbst finanziell über Wasser zu halten und um anderen Menschen zu helfen. »Wofür ich dort eingesetzt werde, ist mir eigentlich egal. Medizinisches Wissen habe ich durch meine Ausbildungen, auch wenn ich keine examinierte Krankenschwester bin.« Die Antwort auf ihre Initiativbewerbung steht noch aus.

Neben diesem Plan für sich selbst hat Masalci auch für ihr »Wohlfühllädchen« eine Idee. »Ich bin ja nicht die einzige Kosmetikerin, die durch Corona in finanzielle Not geraten ist. Wie wäre es, wenn wir uns zusammentun und andere Kosmetikerinnen sich bei mir einmieten?« Der Laden sei groß genug und befinde sich in sehr guter Lage. Masalci könnte sich vorstellen, diesen neuen Partnerinnen ihre eigenen Kosmetikkunden abzugeben, sich selbst auf Schmerztherapie zu konzentrieren und, falls nötig, noch einem Nebenjob nachzugehen. »Dann wäre allen geholfen. Es bringt ja nichts, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht.«

Körperpflegebetriebe: Was ist erlaubt, was nicht?

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind seit dem 23. März auch Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege geschlossen. Das betrifft Friseursalons, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios. Auf der Homepage des hessischen Sozialministeriums heißt es, solche Betriebe würden geschlossen, weil dort körperliche Nähe unabdingbar sei - der empfohlene Mindestabstand von eineinhalb Metern kann nicht eingehalten werden. Medizinisch notwendige Behandlungen wie Physiotherapeuten und medizinische Fußpflege sind aber weiter möglich.

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