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Seán Jacques musste sich erst an die Art der Deutschen gewöhnen. Mittlerweile fühlt sich der Ire in Assenheim zu Hause und tourt mit seiner Gitarre durch die Region.

Der Vollblut-Ire aus Assenheim

Niddatal-Assenheim (fam). Wer mit Seán Jacques spricht oder bei einem seiner Auftritte zuhört, merkt sofort: Der 33-Jährige liebt seine Heimat Irland. Der WZ hat er nun erzählt, warum Musik nur gut ist, wenn sie die Stimmung der Menschen trifft, und wie es ihn nach Assenheim verschlagen hat.

Ich kam hierher der Liebe willen", sagt der Ire mit unverkennbarem Akzent. 2007 kam Seán Jacques nach Deutschland. Wegen einer Frau, in die er sich verliebt hatte. Heute sind sie verheiratet, haben zwei Kinder. Klingt nach der perfekten Geschichte. Doch Jacques erzählt, dass es nicht immer leicht für ihn war. "Ich hatte sehr viel Heimweh." Er konnte die Sprache nicht, der Job war neu, all seine Freunde und die Familie waren "zu Hause" in Irland. "Und die Mentalität ist einfach anders", sagt der 33-Jährige.

Seinen sarkastischen Humor hätten die Deutschen anfangs nicht verstanden. "Da habe ich mich oft gefragt, ob mich die Leute für blöd halten." Vor allem aber habe er die irischen Pubs vermisst. Dort könne jeder einfach seine Songs vorstellen, mit der Gitarre auf die Bühne gehen und singen. Er habe dort seine Lieder gespielt oder sich von anderen Künstlern inspirieren lassen. "Dieser Austausch hat mir gefehlt."

Doch mit den Jahren hat sich der Ire in der Wetterau integriert. Freunde fand er im Fußballverein – und in Bars in Frankfurt Musiker, mit denen er heute auftritt. "Jetzt ist es schwierig zu sagen, was Heimat ist." Irland habe ihn zu dem Menschen gemacht, der er heute sei. Doch Deutschland habe ihn als Musiker geprägt. Hier hatte er seinen ersten bezahlten Auftritt, veröffentlichte eine CD. "Deutschland hat mir die Chance gegeben, mit meiner Musik erfolgreich zu sein."

Musik spielte in Seán Jacques’ Leben schon früh eine Rolle. Seine Eltern hörten gerne Platten, sein Vater spielte irischen Dudelsack, nahm seinen erst zweijährigen Sohn zu Konzerten mit. Später probierte Seán Jacques verschiedene Instrumente aus, doch keines konnte ihn so richtig begeistern. Bis ein Freund eine Gitarre mitbrachte. "Von dem Moment an war ich besessen", sagt er. Jeden Tag habe er damit verbracht, Akkorde zu üben. Sein großes Vorbild, der britische Gitarrist, Sänger und Songwriter Nick Drake, gab dazu weiteren Ansporn. "Ich wollte Gitarre spielen können wie er."

"Alle spürten das Gleiche wie ich"

Texte, Lieder und Gedichte schrieb Seán Jacques schon im Alter von zehn Jahren. Damals sei Musik für ihn nur ein Hobby gewesen, doch ein Auftritt, den er als 18-Jähriger bestritt, habe seinen Wunsch gefestigt, Musiker zu werde, erzählt er: Bei seinem Highschool-Abschluss spielte er vor seinem Jahrgang sein selbst geschriebenes Lied "High School Days". Es handelt von Jacques’ Schulzeit, von seinen Hoffnungen und Ängsten. "Als ich fertig war, standen alle auf und klatschten. Sie spürten das Gleiche wie ich und fühlten sich durch die Musik verstanden", erinnert sich Jacques.

Damals wie heute braucht er nur seine Gitarre und seine Stimme auf der Bühne. Manchmal sind seine Lieder poppiger, manchmal ruhiger. In die Sparte Singer-Songwriter kann er am ehesten eingeordnet werden. Beeinflusst durch Indie und Folk.

Gut Gitarre zu spielen, ist wichtig, sagt der Ire. Trotzdem nehmen Texte für ihn einen höheren Stellenwert ein. Verstünden die Zuhörer diese nicht, bringe ein gut gespielter Riff nicht viel. "Manchmal begeistert man und manchmal nicht. Man muss die Gefühlslage der Menschen treffen."

Rückschläge gab es auch. Einmal sei er mit zwei Kollegen in einer Bar aufgetreten. Die beiden seien so gut gewesen, dass die Zuhörer ihn kaum beachtetet hätten. "In dem Moment habe ich mich gefragt: Warum mache ich das eigentlich?" Aber Zweifel gehörten dazu. Ohne sie könne man sich nicht verbessern. "Danach habe ich an meinem Gesang gefeilt und noch mehr Gitarre gespielt."

Davon leben kann der Ire nicht. Obwohl er das gerne würde. Von dem Geld, das er mit seinen Auftritten verdient, kauft er sich meist Equipment. "Ich müsste mehr Zeit investieren, um davon leben zu können." Aber seine Arbeit am Frankfurter Flughafen sei zeitaufwendig, und auch seine Familie brauche ihn. Seinen Beruf für die Musik aufzugeben, kommt für den Familienvater daher nicht infrage. "Es wäre zu riskant. Wenn ich aber die Uhr zurückdrehen könnte, würde ich es versuchen." Wenn er wieder 18 Jahre alt und für niemanden verantwortlich wäre.

Aber obwohl die Zeit fehlt, schreibt er immer wieder neue Lieder, geht zu Auftritten, beispielsweise in Bars in Frankfurt oder auch bei Open-Air-Konzerten in der Region. Oder er trifft sich mit anderen Künstlern. "Denn Musik bringt Menschen zusammen – und darauf kommt es an."

Die nächsten Auftritte von Seán Jacques: 23. Januar in "Schalander" Maintal-Hochstadt, 20 Uhr; 16. Februar "Frankfurt Art Bar", 20 Uhr; 3. März "Die Fabrik" in Frankfurt.

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