Das Haus Sankt Gottfried neben der Basilika in Ilbenstadt wird als Bildungshaus zum neuen Jahr geschlossen. Das hätte nicht sein müssen, meint Peter Zöller. FOTO: UDO
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Das Haus Sankt Gottfried neben der Basilika in Ilbenstadt wird als Bildungshaus zum neuen Jahr geschlossen. Das hätte nicht sein müssen, meint Peter Zöller. FOTO: UDO

Viele Fragen ans Bistum

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Die Kolpingsfamilie benutzt regelmäßig Räume im Haus Sankt Gottfried, der Familienbildungsstätte des Bistums Mainz. Deren Schließung hätte verhindert werden können, ist Peter Zöller, langjähriger Vorsitzende der Kolpingsfamilie in Ilbenstadt, überzeugt.

Weil die katholische Pfarrgemeinde Sankt Peter und Paul kein eigenes Pfarrzentrum hat, ist die Kolpingsfamilie auf die Räume der Bildungsstätte neben der Basilika angewiesen. In vergleichbarer Weise benutzen die Seniorengemeinschaft und der VdK Räume des Bildungshauses. Auch die große Buchausstellung der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) findet dort statt. Die Räume dürfen einstweilen auch weiter genutzt werden, berichtet Zöller. Damit dürfte es aber vorbei sein, wenn das Haus vom Bistum verkauft werden sollte.

Zöller weist darauf hin, dass die Basilika und die Klosteranlage des ehemaligen Prämonstratenser-Klosters die Wahrzeichen von Ilbenstadt sind. Der 1122 als Schenkung der Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg gegründeten Klosteranlage stehe nun eine ungewisse Zukunft bevor.

Seit 1975 wurden die Gebäude des ehemaligen Klosters mit Parkanlage von dem aktuellen Träger, dem Bistum Mainz, als Jugend- und Familienbildungshaus genutzt. Die Betreuung und Leitung des Hauses wurde in den ersten Jahren von Martinus-Schwestern übernommen. Somit waren nach den Prämonstratensern bis zur Säkularisierung und Benediktinern im frühen 20. Jahrhundert zum dritten Mal Ordensleute in den altehrwürdigen Mauern beheimatet.

In den Folgejahren wurde die Bildungsstätte von einem Mitarbeiter des Bistums geleitet. Nun hat sich die Bistumsleitung in Mainz entschieden, das Jugendwerk Sankt Gottfried zum 31. Dezember zu schließen. Der Grund für die Schließung des Hauses seien untragbare Defizite der vergangenen Jahre.

Zöller wundert sich, dass "keine Problemlösungen gesucht" worden seien. Auch fragt er, ob die Jahres- und Wirtschaftsabschlüsse der Bildungsstätte in den vergangenen Jahren in der Mainzer Bistums-Verwaltung nicht geprüft wurden. Das Defizit von 700 000 Euro im Jahre 2019 könne nicht der alleinige Grund für die Schließung zum Jahresende 2020 sein. "Eine besonnene, umfangreiche Ursachenforschung in den zurückliegenden Jahren vonseiten des Bistums in Zusammenarbeit mit der Hausleitung hätte gewiss zu einer besseren zukunftsorientierten Lösung für das Haus Sankt Gottfried geführt", ist Zöller überzeugt. Durch Anhebung der Tagungs- und Übernachtungspreise sowie andere Sparmaßnahmen hätte man einiges abmildern können, glaubt der Ilbenstädter. Die Belegungszahlen des Hauses seien in den vergangenen Jahren schließlich sehr gut gewesen. Gesprochen werde von 16 000 Übernachtungen im Jahr.

Die Sanierung und Modernisierung habe laut dem Referatsleitung der Familienseelsorge des Ordinariats Mainz eine große Stange Geld gekostet. Doch die Preise seien nach wie vor niedriger als in anderen Häusern der Diözese. Das liege daran, dass der Nasszellenkomfort niedrig gehalten worden sei. Zöller ist überzeugt, eine Jugend- und Familienbildungsstätte könne nicht profitabel, aber möglicherweise kostendeckend geführt werden. In Jugendarbeit müsse investiert werden, dies könne jede Organisation und jeder Verein bestätigen.

Es stelle sich zusammenfassend die Frage, wie sich das Bistum von der geschichtsträchtigen Klosteranlage trennen könne. Zöller fragt: "Existiert keine moralische Verpflichtung des Bistums Mainz gegenüber der Basilika, einer Basilika Minor und päpstlicher Hauptkirche, mit der angrenzenden Klosteranlage?"

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