Mit dem neuen Blockheizkraftwerk samt Gasspeicher hat der AWB in die Zukunft investiert.
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Mit dem neuen Blockheizkraftwerk samt Gasspeicher hat der AWB in die Zukunft investiert.

Verbrennen war gestern

Wetteraukreis (hed). Geld stinkt nicht? In Ilbenstadt schon. Denn hier wird seit 2007 aus müffelndem Biomüll wertvolles Gas erzeugt. Seit Kurzem sogar noch effizienter.

2,2 Millionen Euro hat der Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau (AWB) in ein neues Blockheizkraftwerk und einen Gasspeicher investiert, um künftig nur dann ins öffentliche Netz einzuspeisen, wenn der Preis stimmt. Nach neunmonatiger Bauzeit gab es am Donnerstag die offizielle Eröffnung.

Zugegeben: Es ist schon ein spezieller Geruch, der da durchs Humus- und Erdenwerk an der B 45 weht. Aber wenn ein regionaler, nachhaltiger und in öffentlicher Hand befindlicher Abfallwirtschaftsbetrieb auch noch Geld verdient, geben sich die Honoratioren gerne die Klinke in die Hand, um ein Vorzeigeprojekt anzupreisen.

Seit der Inbetriebnahme der Vergärungsanlage 2007 war überschüssiges Biogas in Spitzenzeiten verbrannt worden. Bis zu eine Million Kilowattstunden (bei bisher 4,5 Millionen jährlich) gingen so flöten. Dank des zweiten BHKW auf dem Gelände und des neuen Gasspeichers wird nun nichts mehr verschenkt. "Wir können so die Biogasausbeute um bis zu 25 Prozent erhöhen", sagte AWB-Betriebsleiter Kurt P. Schäfer, der in wenigen Wochen aus Altersgründen ausscheidet. Weiterer Grund für sein "Abschiedsgeschenk": Der Staat hat im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, dass Direktvermarkter besondere finanzielle Anreize erhalten.

So könne sich die Investition in absehbarer Zeit amortisieren, meinte auch Arnold. Die Gewinne würden dazu beitragen, dass der Kreis die Gebühren für Biomüll niedrig halten kann. Erst im vergangenen Jahr hatte der Kreistag eine Reduzierung um 40 Prozent beschlossen.

Der gesammelte Inhalt der Wetterauer Biotonnen sowie das, was als Grünschnitt bei den Bauhöfen und Privatpersonen anfällt, landet im Humus- und Erdenwerk in Ilbenstadt. 30 000 Tonnen jährlich. Nach dem Sieben und Sortieren landet die Masse im Fermenter. Die austretende Flüssigkeit wird als Flüssigdünger an die Landwirte verkauft, der feste Rest als Kompost weiterverarbeitet. Das durch die Vergärung entstehende Gas kommt ins BHKW. Bisheriges Problem: Je nach Jahreszeit schwankt auch die Gasausbeute. Im Sommer kommt wegen des Grünschnitts sehr trockenes Material mit geringem Eiweißgehalt in den Kreislauf. "Dank der Erweiterung ist die Anlage regelbar – und damit den anderen regenerativen Energieformen überlegen", betonte Schäfer. Steige der Bedarf im Netz, speise man ein, gebe es Spitzen, könne man drosseln.

Ein externes Büro wird dabei die Vermarktung für den AWB übernehmen. Strom für 1800 Haushalte könne man so jährlich einspeisen.

Die Abfallwirtschaft als Akteur der Energiepolitik? Das sei vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen, meinte Landtagspräsident Norbert Kartmann. "Damals haben wir den Dreck auf Mülldeponien gekarrt, heute nutzen wir ihn." Er hätte sich damals nicht vorstellen können, dass die Gesellschaft ohne Müllverbrennung auskommt. Das kommt sie allerdings auch heute nicht: Doch immerhin werden laut Schäfer 68 Prozent des gesamten Wetterauer Mülls recycelt.

Wer den speziellen Duft selber riechen möchte: An diesem Sonntag gibt es einen Tag der offenen Tür im Ilbenstädter Humus- und Erdenwerk. Die Besucher können sich bei Führungen ein Bild der Kompostierungs- und Vergärungsanlage sowie der Holzpellet- und Fotovoltaik-Anlage machen. Man kann sich in Sachen Dünger beraten und den eigenen Gartenboden analysieren lassen. Für Kinder gibt es Mitmachaktionen. Beginn ist um 11 Uhr.

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