Oekogeno stellt vor

Mit Tiefgarage und Park: Wohnprojekt im ehemaligen Kloster

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Seit über 20 Jahren sind die beiden Gutshöfe des ehemaligen Klosters in Ilbenstadt verwaist. Nun möchte eine Freiburger Genossenschaft das historische Ensemble wiederbeleben.

Lediglich die Scheune wurde von einzelnen Vereinen zum Abstellen ihrer Gerätschaften genutzt. Die Einheimischen beobachteten mit Sorge den sich abzeichnenden Verfall. Nun möchte eine Genossenschaft das historische Ensemble wiederbeleben.

Was die Planer der Freiburger Genossenschaft Oekogeno vorhaben, berichteten sie am Mittwoch bei einem Infoabend im Weißen Saal des Hauses Sankt Gottfried. Der stieß auf ein überraschendes Interesse. Sowohl Einheimische als auch Auswärtige waren in großer Zahl erschienen.

Wie Oekogeno-Regionalleiter Jörg Weber erklärte, entsteht im "Unteren Gutshof" ein genossenschaftlicher Neubau mit barrierefreiem Wohnraum. Bestehende Gebäude würden saniert und wiederbelebt.

Der Untere Gutshof des Klosterareals liegt innerhalb der Klostermauern inmitten eines fast ein Hektar großen Gartens. Oekogeno hat einen Teil des Areals vom Land Hessen erworben. Dort entsteht ein genossenschaftlich-inklusives Wohnprojekt mit dem Ziel, den Ort mit Leben zu füllen und zeitgemäß zu nutzen, sagte Weber, der im frisch renovierten Propsteihof in Assenheim wohnt.

Park für die Bevölkerung

Oekogeno wolle in Ilbenstadt attraktiven, bezahlbaren Lebens- und Wohnraum schaffen und dabei Familien mit Kindern genauso ansprechen wie Senioren, Single-Haushalte oder Paare. Integriert werden sollen auch Menschen mit Handicaps. Im Mittelpunkt des Projekts stehe das Thema Gemeinschaft. In Kooperation mit der Stadt arbeite Oekogeno zudem an einem Konzept, das den Park auch für die Anwohner und die Öffentlichkeit nutzbar macht.

Im ersten Schritt soll ein genossenschaftlicher Neubau entstehen, der sich laut Weber in den historischen Gebäudebestand einfügt. Das Pächterhaus, das größte Gebäude im Ensemble, werde in dieser Bauphase als Baubüro und Informationscenter dienen. Die historischen Gebäude würden dann in das ganzheitliche Konzept eingebunden. Die künftige Nutzung sei dabei auf den gemeinschaftlich-inklusiven Ansatz der Genossenschaft ausgerichtet sein: Auf dem Nachbargrundstück könnten sich kleinteiliges Handwerk, Manufakturen sowie Ateliers ansiedeln. Diese könnten dann von künftigen Bewohnern mit Handicap als Arbeitsstätte genutzt werden. Von den Zuhörer wurde die Einrichtung von Hospizplätzen angeregt.

Beim Infoabend berichtete die Wetterauer Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch davon, das Projekt von Anfang an begleitet zu haben: "Es beinhaltet alles, was wir mit innerörtlicher Entwicklung und Nachhaltigkeit verbinden." Die Bausubstanz verbinde Altes mit Neuem.

Denkmalamt von Anfang an beteiligt

Vorstand Joachim Bettinger zeigte sich erfreut vom großen Andrang im Weißen Saal und erläuterte die Geschichte von Oekogeno. Deren soziale Projekte seien durch persönliche Erfahrungen mit einem behinderten Kind entstanden. Referenzen von Oekogeno seien Projekte für inklusives Wohnen in Freiburg, Nürtingen, Furtwangen und Waldshut-Tiengen.

Fragen galten den Möglichkeiten der Teilhabe. Für Ilbenstadt soll eine eigene Genossenschaft gegründet werden. Auch nach den dramatischen Veränderungen des Ensembles wurde gefragt. Das Denkmalamt sei von Anfang an beteiligt worden.

Neben Oekogeno werden Nicole Weyrauch und Alexander Czempin das Areal beleben: Sie sind neue Besitzer des früheren Wirtschaftshofs. Auch die Stadt mischt mit und bau auf einer an den Gutshof angrenzenden Freifläche einen neuen Kindergarten. Durch den könne die Verkehrssituation problematisch werden, war eine Befürchtung der Zuhörer. Daher werde eine Tiefgarage gebaut, antworteten die Planer.

Info

Zeitplan und Daten

In 30 Wohneinheiten im "Unteren Gutshof" sollen künftig 60 bis 70 Personen leben. Die Gesamtinvestition beträgt 15 Millionen Euro, die Grundstücksfläche 5290 Quadratmeter, die Wohnfläche des Neubaus 1565 Quadratmeter. Die Voruntersuchung sind abgeschlossen, die architektonisch-konzeptionelle Vorplanung steht. Anfang 2019 soll der Baubeginn erfolgen. Die Fertigstellung und der Einzug der Bewohner sind für Ende 2020 vorgesehen. Oekogeno ist eine Beratungs- und Finanzierungsgesellschaft für nachhaltiges Wirtschaften aus Freiburg. Aufgabe sind der Aufbau und die Förderung alternativer und solidarischer Formen des Wirtschaftens. Oekogeno hat nach Firmenangaben 15 500 Mitglieder und ein Eigenkapital von 3 Millionen Euro. (udo)

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