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"KoNiWö"

Team statt Allround-Pfarrer: Kirchengemeinden aus Niddatal und Wöllstadt arbeiten zusammen

  • vonred Redaktion
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Seit 1. März bilden die fünf Kirchengemeinden Wöllstadt, Bönstadt, Kaichen, Ilbenstadt und Assenheim den "KoNiWö" - den Kooperationsraum Niddatal-Wöllstadt. Nicht nur für die Pfarrer bedeutet das Veränderungen.

Unterstützen, ergänzen, bereichern, zusammenarbeiten: Diese Begriffe nutzt Nieder-Wöllstadts Pfarrer Simba Burgdorf häufig, wenn er über den Kooperationsraum spricht. Seit 1. März dieses Jahres bilden die fünf Kirchengemeinden Wöllstadt, Bönstadt, Kaichen, Ilbenstadt und Assenheim den "KoNiWö" - den Kooperationsraum Niddatal-Wöllstadt. Sie unterstützen sich als benachbarte Gemeinden bei der Erfüllung ihrer vielfältigen kirchlichen Aufgaben in den unterschiedlichen Handlungsfeldern.

Eines davon ist die Konfirmandenarbeit. Eines der ersten gemeinsamen Projekte im "KoNiWö" war ein gemeinsamer Jugendgottesdienst Ende September zum Thema "Lost in Space". "Wir wollen damit ein neues Angebot für die Jugendlichen aus allen fünf Gemeinden schaffen", sagt Pfarrer Burgdorf. "Wegen Corona musste vieles ausfallen. Umso wichtiger ist es, dass wir ein Alternativprogramm bieten."

Die Jugendgottesdienste sollen im Kooperationsraum in Zukunft regelmäßig stattfinden. "Die Konfirmanden kennen sich meist sowieso untereinander, gehen auf die selbe Schule", ergänzt Evelyn Giese, Pfarrerin für Bönstadt und Kaichen. Neben Wöllstadt, Bönstadt und Kaichen gehören Assenheim und Ilbenstadt zum "KoNiWö". Die Pfarrstellen sind - nach dem Ausscheiden von Rita Mick-Solle und Hans-Joachim Dietze - derzeit vakant. Dank der Zusammenarbeit können Burgdorf und Giese die beiden Gemeinden mitversorgen. Wenngleich sie sich Verstärkung wünschen. Die neue Pfarrstelle wird im Kooperationsraum ausgeschrieben. Zur Steuerung trifft sich regelmäßig ein Ausschuss, bestehend aus Mitgliedern aller Kirchenvorstände, sowie Freiwilligen. Die Corona-Pandemie hat den gemeinsamen Start etwas ausgebremst.

Pfarrer Burgdorf hat 2018 in Wöllstadt seine erste Pfarrstelle angetreten. "Ich kann mir vorstellen, dass andere junge Kollegen froh sind, wenn sie in ihrer neuen Pfarrstelle nicht komplett auf sich alleine gestellt sind, sondern in einen Kooperationsraum und damit in ein Team kommen", sagt er. Man ergänze und entlaste sich gegenseitig. "In Zukunft muss nicht mehr jeder ein Allround-Pfarrer sein. Im Kooperationsraum können wir gabenorientiert arbeiten. Jeder macht das, was er oder sie am besten kann." Einer kümmert sich eher um die Seniorenarbeit, ein anderer um den Kindergottesdienst, so die Idee. "Das ist der Pfarrdienst der Zukunft." Ressourcenorientiert und damit gleichzeitig ressourcenschonend. Burgdorf: "Dann kann die Arbeit noch mehr Freude machen, weil ich mich ganz dem widmen kann, wo mein Herz liegt."

Kirchenvorstände weiter eigenständig

Bei der Bildung von Kooperationsräumen sind viele Emotionen im Spiel, das wissen Burgdorf und Giese. "In den Kirchengemeinden entsteht dabei manchmal das Gefühl, etwas zu verlieren", sagt Burgdorf. Diese Angst sei unbegründet. "Die Kirchenvorstände bleiben zu 100 Prozent eigenständig. Wir arbeiten einfach effektiver zusammen." Es sei kein Aufgeben, sondern ein Bereichern. "Wir können uns aus jeder Gemeinde das Beste rauspicken", sagt Giese. "Die kooperierenden Kirchengemeinden sollten sich fragen: Was können wir so gut, dass alle anderen daran teilhaben sollen? Worauf sind wir so richtig stolz?", ergänzt Burgdorf. So könnten sich Schwerpunkte bilden.

Giese vergleicht die Kooperationsräume mit einem Kaleidoskop: "Je nachdem, wie man es dreht, hat man entweder einzelne, kleine Bilder oder aber ein großes, zusammenhängendes Bild. Im Kaleidoskop verbinden sich viele kleine Teilchen zu einem Ganzen. Genauso ist es auch im Kooperationsraum. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Bereiche, aber auch gemeinsam kann Tolles entstehen. Es ist ein Wechselspiel. Wir bleiben eigenständig, überlappen aber an vielen Stellen."

Im Kooperationsraum gebe es immer wieder Neues zu entdecken. An manchen Stellen müsse reduziert werden, "aber das steht nicht im Vordergrund." Für Burgdorf ist der Kooperationsraum eine Herzensangelegenheit. "Es ist jetzt an uns den Kooperationsraum mit Leben und Inhalten zu füllen, ihn zu gestalten", sagt er. "Wir begreifen das als große Chance, Neues auszuprobieren." Das Miteinander müsse zunächst eingeübt werden. "Wenn wir uns aber gegenseitig vertrauen und schätzen, dann kann das gut werden", ergänzt Giese zuversichtlich. Für sie ist es der richtige Weg. "Ich freue mich auf alles, was kommt."

Weitere Kooperationen angekündigt

Im Dekanat Wetterau entstehen derzeit weitere Kooperationsräume. Unter anderem in Bad Vilbel, in Bad Nauheim und Ober-Mörlen oder in Friedberg. Außerdem hat sich die Gesamtkirchengemeinde Karben zusammengeschlossen. Zum 1. Januar 2019 ist das neue Regionalgesetz der EKHN in Kraft getreten, das die Möglichkeiten zur gemeinsamen Gestaltung kirchlichen Lebens in benachbarten Kirchengemeinden deutlich erweitert. bf

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