Die Assenheimer Jugendband "The Grooves" unterstützt den Gottesdienst musikalisch.
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Die Assenheimer Jugendband »The Grooves« unterstützt den Gottesdienst musikalisch.

Der Sprung von der Kanzel

Niddatal (alh). Pünktlich mit dem Glockenschlag um 13 Uhr am Sonntagmittag verzogen sich die dunklen Regenwolken, die zuvor noch über Assenheim gehangen hatten. Die Sonne strahlte nun mit voller Kraft vom Himmel zum Verabschiedungsgottesdienst von Pfarrerin Rita Mick-Solle, der wegen der Corona-Pandemie unter freiem Himmel auf der Mühlenstraße vor der evangelischen Kirche stattfand. Gekommen waren neben Probst Matthias Schmidt und Dekan Volkhard Guth viele Freunde und Wegbegleiter von Mick-Solle. Der Gottesdienst wurde live auf Facebook übertragen.

Bald Seelsorgerin am Balaton

Pfarrerin Mick-Solle zeigte sich gewohnt fröhlich und humorvoll. »Zum Abschied würde ich heute eigentlich gerne von der Kanzel springen«, verkündete sie, »als heiterer Schlusspunkt meiner Zeit in Assenheim.« Es blieb aber bei einem symbolischen Sprung: dem Sprung in ein neues Leben »mit der Bibel in der einen und einem Krimi in der anderen Hand«. Es sei ein freudiger Sprung im Vertrauen auf Gott. In diesem Vertrauen dürfe auch die Gemeinde springen - einer neuen Chance entgegen.

In ihrer Predigt blickte Mick-Solle dankbar auf ihre Zeit in der Wetterau zurück. Sie habe viel Gutes erfahren und viele schöne Begegnungen gehabt, die sie immer in Erinnerung behalten werde.

Probst Schmidt dankte Mick-Solle mit warmen Worten für ihr Engagement als »dienende Seelsorgerin«, die nie den Blick fürs Ganze verloren habe. Er bewundere sie für ihren Mut, neue Wege in Ungarn zu gehen. Dort tritt Mick-Solle eine Auslandspfarrstelle in der Tourismusseelsorge in Hévíz am Balaton (Plattensee) an.

Dekan Guth bezeichnete die Verdienste von Mick-Solle um Assenheim als »phänomenal«. In ihren 32 Dienstjahren im evangelischen Dekanat Wetterau sei sie immer echt und authentisch gewesen. »Engagiert, motiviert, überzeugend, überzeugt und loyal. Diese fünf Adjektive machen Rita Mick-Solle aus«, sagte der Dekan. Sie stehe für Spaß und Fröhlichkeit in der Kirche. »Narrenkappe und Talar, Whiskey und Altar, das ging dank Ihnen in Assenheim.«

Mick-Solle begann ihren Dienst 1988 in der Burgkirchengemeinde Nieder-Rosbach. Ab 2011 war sie Pfarrerin in Assenheim. 16 Jahre leitete sie außerdem als Mitglied im Dekanatssynodalvorstand die Wege des Dekanats. Guth dankte ihr, dass sie sich dort stets eingebracht habe. Wie Dr. Susanne Wagner als Vertretern für den Kirchenvorstand hinzufügte, habe Mick-Solle »überall in Assenheim Spuren hinterlassen«. Die Kirchenvorsteherin dankte der Pfarrerin für den Mut und die Zuversicht, die sie in der Krise vermittelt hat.

Zahlreiche Menschen überbrachten Grußworte, darunter Philip Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim, Niddatals Bürgermeister Michael Hahn, Sandra Nöh, Leiterin der Kita Schatzkiste Assenheim, Simon Stegmeier für die Mitarbeitendenvertretung des Dekanats und Vertreter der Vereine und Nachbargemeinden. Sie alle waren sich einig: Rita Mick-Solle wird eine Lücke hinterlassen. Es wurde vielfach für ihr Engagement gedankt. Anstatt um Geschenke hatte Mick-Solle im Vorfeld um Spenden für ihre neue Gemeinde in Ungarn gebeten. Dem kamen viele nach.

Mick-Solle zeichnet neben dem Humor auch die Musik aus. Es schmerzte die Pfarrerin deshalb sehr, dass sie wegen der Ansteckungsgefahr keine Lieder gemeinsam mit den Festgästen singen konnte. Musikalisch wurde es trotzdem, denn die »Honey Twins« Renate Gantz-Bopp und Gerry Reutzel, die Assenheimer Jugendband »The Grooves« und der Posaunenchor Rosbach spielten viele Lieblingslieder von Mick-Solle, unter anderem »Mein kleiner grüner Kaktus«. Martina Pungitore saß am Keyboard und Heike Berlenbach spielte auf der Sopranblockflöte. Der Assenheimer Kirchenchor war von einer CD zu hören. Am Ende griff die Pfarrerin selbst zur Trompete und gab den Festgästen ein letztes Mal den irischen Segen: »Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.«

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