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Eigentlich wollte Simon Beranek Pfarrer werden. Dann lernte er 2017 seine jetzige Frau Carolin kennen. Nun ist er Seelsorger, seit Jahren schon arbeitet er ehrenamtlich als Hospizhelfer.

Hospizhilfe

Simon Beranek ist Hospizhelfer - mit 28 Jahren

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"Ich will, dass der Tod gesellschaftsfähig wird", sagt Simon Beranek. Der 28-jährige Ilbenstädter arbeitet ehrenamtlich in der Hospizhilfe. Noch immer sei das Thema ein Tabu.

Niddatal - Eben noch einem Sterbenden die Hand halten, im nächsten Moment im Hörsaal sitzen - Tod und Studentenalltag lagen bei Simon Josef Beranek lange nah beieinander. Wenn andere in den Feierabend aufbrachen, trat er seine Spätschicht bei der Hospizhilfe Wetterau an. Tagsüber lernen, nachts Sterbende begleiten. Der emotionale Sprung ist für ihn Routine. Nicht, weil er abgestumpft wäre: "Sterben gehört zum Menschsein", sagt er. "Der Tod ist ein ganz normaler Lebensbereich. Wie Arbeit oder Studium auch."

Der 28-Jährige hat schon viele letzte Tage erlebt. Die ersten mit etwa 17 Jahren als Pfleger in einem Altenheim. Damals habe es ihn noch etwas mehr belastet, der Tod, aber er habe gelernt, damit umzugehen. "Man baut zu jedem Menschen eine Bindung auf", sagt Beranek. "Wenn ich es aber jedes Mal zu nah an mich ranlassen würde, hätte ich die falsche Berufswahl getroffen." Heute ist Beranek Seelsorger. Er ist nicht nur im Hospiz, sondern auch im Krankenhaus oder nach Unfällen tätig.

Niddatal: Eigentlich wollte er Pfarrer werden

Schon früh war es Beraneks Wunsch, Pfarrer zu werden. Doch dann lernte er 2017 seine jetzige Ehefrau Carolin kennen. Für sie änderte er seine Pläne - ein Segen für die Sterbenden und Trauernden, die er jetzt begleitet. Sowieso würde auch sein jetziger Berufswunsch bisherige Kenntnisse und Fertigkeiten bestens vereinen. Auf seine Erfahrungen in der Pflege und das Studium packte er eine Weiterbildung zum Sterbebegleiter. Aktuell ist er Pastoralassistent und in der Ausbildung zum Pastoralreferenten.

Simon Beranek hat einen Traum: "Ich will, dass Tod und Sterben gesellschaftsfähig werden." Vor allem in älteren Generationen seien die Themen immer noch ein Tabu. Nichts im Leben ist so sicher wie der Tod - und doch hat Beranek das Gefühl, als verschwinde er immer mehr aus dem Alltag. Wie oft seien Leichenwagen noch zu sehen? "Die werden nach und nach durch Vans mit getönten Scheiben ersetzt", sagt er. "Da könnte genauso gut ein Promi drinsitzen."

Niddatal: Mit Bürgerpreis ausgezeichnet

Der Seelsorger hat darum eine ganz einfache Mission: darüber reden. Dass er kürzlich tatsächlich in aller Munde war, freut ihn darum besonders. "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet", sagt er und meint damit den Bürgerpreis der Sparkasse Oberhessen. Beranek ist einer von elf Wetterauer Gewinnern - in der Kategorie "Engagierte unter 30". Den Sieg will er nun für eine Botschaft nutzen: Die Hospizhilfe braucht mehr junge Leute. Die meisten Helfer, die Beranek kennt, seien zwischen 40 und 50 Jahre alt. Manche älter. "Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute in meinem Alter in der Hospizhilfe arbeiten", sagt der Ilbenstädter. Es würde vielleicht helfen, dem Thema Tod zukünftig etwas von seinem dunklen Image zu nehmen. Das würde nicht nur Sterbenden, sondern auch Angehörigen helfen, sagt Beranek: "Wer sich nicht damit auseinandersetzt, kann daran zerbrechen."

Immer mehr Menschen, immer mehr Sterbende, zu wenige Hospize. Sich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen, sei auch deshalb wichtig, weil die Gesellschaft dadurch mehr für Hospize sensibilisiert würde. "Viele Menschen scheuen sich davor, in ein Hospiz zu gehen", sagt Beranek. Es sei unnötig, dass sie im Krankenhaus sterben. Hospizhelfer wie er würden alles dafür tun, die letzten Tage so lebenswert wie möglich zu gestalten. Beranek zitiert ein Lied, das ihm öfter begegne und das Motto der Hospizarbeit gut widerspiegele: "Ich kann meinem Leben nicht mehr Tage geben, aber meinen Tagen mehr Leben."

Info: Hospizhilfe Wetterau

Die Hospizhilfe Wetterau ist ein Verein für ambulante Hospizarbeit. Im Jahr 1998 wurde er von zwölf Frauen gegründet. Heute hat er weit über 100 Mitglieder und rund 50 ausgebildete und aktive ehrenamtliche Hospizmitarbeiter. Der Verein arbeitet als ergänzender Dienst mit ärztlichen, pflegerischen und kirchlichen Diensten sowie Pflegeheimen, Krankenhäusern und stationären Hospizen zusammen. Die Angebote sind kostenlos, speziell geschulte Ehrenamtliche stehen dafür zur Verfügung. Eine offene Sprechstunde findet immer donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr im Friedberger Büro, Fichtenstraße 4, statt.

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