sda_Pferd5_240821
+
Julia Kanthak zeigt auf Pferd Luke einige der Übungen, die sich sowohl auf Reiter und Pferd auswirken sollen.

Physiotherapie bei Tieren

Reitschule in Bönstadt mit besonderem Konzept

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
    schließen

Elisa Herrgen setzt am »Hofgut am Mühlbach« in Bönstadt ihr Konzept um: Damit ein Pferd so trainiert wird, dass es sich gesund entwickelt, wendet sie bei den Tieren Physiotherapie an.

Bönstadt war ein glücklicher Zufall. Elisa Herrgen war ohnehin auf der Suche - ein eigener Hof sollte es sein, genug Platz, um ihre Pferde unterzustellen, Reitunterricht anzubieten und vor allem, um ihr Pferde-Physiotherapie-Angebot auszuweiten.

Sie und ihr Lebensgefährte lebten in Trebur in Südhessen. Einen Hof, auf dem sie mit Pferden selbstständig arbeitete, hatte Elisa Herrgen zwar schon, allerdings nur gepachtet. Daher schaute sie sich um - und entdeckte eine Anzeige für einen Hofverkauf. Das Gut bei Bönstadt.

Die Entscheidung, das »Hofgut am Mühlbach« zu kaufen, war schnell getroffen - »die Umsetzung bedurfte allerdings einer gewissen Portion Beharrlichkeit und Wagemut«.

»Ich bin mit zwölf Pferden auf dem Hof eingezogen«, erzählt Herrgen. Inzwischen sind es 17. Seit vergangenen August setzt sie nun ihr Geschäftsmodell mit ihrer Reitschule in Bönstadt um.

Ihr Konzept, mit dem sie sich schon vorher selbstständig gemacht hatte, ziele vor allem auf die ganzheitliche Arbeit mit Pferd und Mensch ab. Das bedeute konkret: »Mir ist es wichtig, die Gesundheit und die Ausbildung von Pferd und Reiter zusammenzubringen - dabei nicht nur den Schüler zu betrachten, sondern auch das Pferd.«

Deswegen habe sie auch eine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin gemacht. Eigentlich, erzählt sie, habe sie sich vor einigen Jahren nur dazu entschieden, um die Therapie bei ihren eigenen Pferden anzuwenden. Denn: »Das Pferd ist eigentlich nicht zum Reiten gedacht.« Pferdephysio sei daher nicht nur sinnvoll, wenn bereits Probleme, etwa Rückenschmerzen, beim Pferd auftreten, sondern bereits präventiv. »Um das Pferd so zu trainieren, dass es sich gesund entwickelt.«

Doch, sagt die 30-Jährige: »Mir hat es so viel Spaß gemacht, dass ich es zu meinem Beruf gemacht habe.« Zuerst mobil, indem sie zu Pferdeställen gefahren ist, später dann auf dem Hof in Trebur.

Rückenprobleme bei Pferden

Physiotherapie bei Pferden könne man sich so vorstellen wie beim Menschen - eine Bewegungstherapie, bei der die Mobilität des Patienten im Fokus steht. Häufige Beschwerden, die bei Pferden auftreten, seien Rückenprobleme - und damit einhergehend oft sog. Rittigkeitsprobleme. Ursachen dafür gebe es viele. Oft sei es der Sattel - »es wird oft nicht erkannt, dass der nicht richtig passt«. Sie achte daher auch bei ihren Schulpferden auf die passende Ausrüstung. Dies sei bei allen Pferden eine wichtige Grundlage und sollte regelmäßig überprüft werden.

Doch welchen Grund die Beschwerden bei einem Pferd haben, ihre Aufgabe ist es, das herauszufinden und entsprechend zu therapieren. Etwa, indem sie Muskelverspannungen mit gezielten Übungen behandelt.

Nach einiger Zeit als Pferdephysiotherapeutin entschied sich Herrgen, ihr Berufsfeld zu erweitern. Mittlerweile ist sie Trainerin A Reiten, hat Ergänzungsqualifikationen im Bereich Sitz- und Gleichgewichtsschulung und hat zusätzlich Lizenzen als Pilates- sowie Fitnesstrainerin gemacht. Damit sie, wie sie sagt, ihr ganzheitliches Konzept umsetzen kann. »Jeder Körper ist unterschiedlich - sowohl bei Pferden als auch bei Menschen. Ich möchte gezielt darauf schauen und jeden da abholen, wo er steht.«

In Bönstadt habe sie inzwischen ein tolles Team und noch eine Menge Ausbaupläne. »In den vergangenen Monaten gab es viele Angebote, Lehrgänge und Ferienkurse, die auch schon wieder für das nächste Jahr auf ihrem Programm stehen.« Überhaupt gefalle es ihr sehr gut in der Wetterau. Das Beste an ihrer Arbeit? »Dass ich mit so vielen Lebewesen auf so unterschiedliche Art zusammenarbeiten kann.«

Kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf

Eine klassische Ausbildung zum Tierphysiotherapeuten gibt es nicht, da es sich nicht um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf handelt. Tierphysiologen legen deswegen ihre Ausbildung an entsprechenden Fachschulen und Akademien ab. Die Ausbildung dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Jahre, ist aber nicht auf eine vorgegebene Zeit festgeschrieben, sondern endet, sobald alle Leistungsnachweise erbracht sind. Auf der Webseite des Bundesverbands zertifizierter Tierphysiotherapeuten heißt es über den Beruf: »Die Schwerpunkte tierphysiotherapeutischer Arbeit sind die Krankengymnastik/Bewegungstherapie und Maßnahmen der Physikalischen Therapie (z. B. Massage-, Thermo-, Elektro-, Hydro- Ultraschall-, Balneo- oder Inhalationstherapie). Der Tierphysiotherapeut beeinflusst mit seiner Behandlung die Funktionen des Bewegungssystems und der inneren Organe, die Bewegungsentwicklung und Bewegungskontrolle sowie das Verhalten und Erleben des Tieres.« sda

Damit ein Pferd so trainiert wird, dass es sich gesund entwickelt, wie Elisa Herrgen sagt, wendet sie bei den Tieren Physiotherapie an.
»Mir ist es wichtig, die Gesundheit und die Ausbildung von Pferd und Reiter zusammenzubringen«, sagt Elisa Herrgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare