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Für das Handwerk: (v. l.) Joachim Wagner, Christian Schmitz, Tim Nürnberger, Patric Pfannmüller, Wilhelm Breitwieser und Matthias Fritzel. Foto: kge

Hohe Auszeichnung

Tim Nürnberger aus Rosbach ist Lehrling des Monats

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Der 22-Jährige ist der erste Azubi von Dachdeckermeister Christian Schmitz. Der hat die Dachdeckerei Breitwieser-Bedachung in Assenheim erst im Juni übernommen.

Nebel liegt über Assenheim. Eine kleine Gruppe Menschen steht wartend vor der Dachdeckerei Breitwieser-Bedachungen. Ihr Atem hinterlässt feine Wölkchen in der Luft. Unter ihnen Dachdeckermeister Christian Schmitz und sein Lehrling Tim Nürnberger. Letzterer hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, was ihn gleich erwarten wird.

"Ich dachte, es sei wegen der Übernahme", sagt Nürnberger später. Erst vor ein paar Monaten habe der 32-jährige Schmitz die Dachdeckerei von Wilhelm Breitwieser übernommen. Sicher ein Anlass, aber nicht der Grund, der an diesem Dienstagvormittag verschiedene Vertreter des Handwerks versammelte. Tatsächlich ging es um Nürnberger selbst. Der 22-Jährige wurde von der Handwerkskammer Wiesbaden als Lehrling des Monats November ausgezeichnet.

Seit 1999 hat die Handwerksammer unter dem Motto "Ausgezeichnete Lehrlinge auszeichnen" 251 Auszubildende geehrt, die durch ihre Leistungen im Betrieb auffallen. Dabei zählen Eigenschaften wie etwa Verantwortungsgefühl, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Konzentrationsfähigkeit, Freundlichkeit und fachliche Kompetenz.

Als Joachim Wagner, Vizepräsident der Handwerkskammer, das Wort an Nürnberger richtet, ist dem Azubi die Überraschung fast nicht anzusehen. Schmitz grinst, beide tauschen vielsagende Blicke aus. Der Dachdeckermeister hatte den Antrag im Geheimen gestellt, auch von der Nominierung hat er nichts verraten. "Es ist mir eine große Ehre", sagt der 22-Jährige stolz, als ihm eine Urkunde und eine Armbanduhr überreicht werden. Er wird von allen Seiten gelobt - auch Matthias Fritzel von der Kreishandwerkerschaft des Wetteraukreises und Patric Pfannmüller, Obermeister der Dachdeckerinnung, sind gekommen.

Nächstes Ziel: Meisterprüfung

"Ich habe Tim vorgeschlagen, weil er nicht nur gute Noten hat, sondern auch super freundlich ist", sagt Schmitz. Vor allem was den Umgang mit Kollegen und Kunden beträfe. "Es ist nicht selbstverständlich, dass man einen Lehrling einfach rausschicken kann." Schmitz hat schon ganz andere Erfahrungen mit jungen Kollegen gemacht. "Selbst einen Besen zu bedienen scheint für manche schwer zu sein", sagt der 32-Jährige. Einmal, so erzählt er, habe ein Praktikant einen Hammer mit einer Wasserwaage verwechselt. "Tim ist eigentlich ein ganz guter Lehrling", sagt Schmitz gespielt nüchtern. Beide Lachen. "Nein, er hat es wirklich verdient. Wird der nächste Lehrling nur halb so gut wie er, kann ich mich glücklich schätzen."

Dass er nach seinem Abitur zuerst etwas Handwerkliches machen will, war Nürnberger früh klar. "Studium kam für mich irgendwie nicht in Frage", sagt er. Auch wenn seine Noten gereicht hätten. Auf den Beruf des Dachdeckers sei er mehr aus Zufall gekommen: "Ich kenne Christian vom Fußball", erzählt Nürnberger. In Rosbach haben sie bis vor ein paar Monaten zusammen in einer Mannschaft gespielt. Wenn Schmitz von seinem Beruf gesprochen hat, habe ihn das beeindruckt. Er meldete sich bei Breitwieser-Bedachung - damals noch bei Wilhelm Breitwieser - für ein freiwilliges Schülerpraktikum. Darauf folgte ein Ferienjob im Sommer, und dann war Nürnberger schnell eins klar: "Das war es, was ich machen wollte. Es war genau das Richtige für mich." Nürnberger bewarb sich nach dem Abitur als Azubi, heute ist er im dritten Lehrjahr.

Etwas Langfristiges mit den eigenen Händen schaffen. Das ist es, was Nürnberger an der Dachdeckerarbeit beeindruckt. "Wenn ich mit meiner Familie durch die Straßen laufe, kann ich ihnen genau zeigen, was ich gemacht habe", sagt der 22-Jährige. Es mache ihn stolz. "Außerdem ist keine Baustelle gleich, wir haben immer andere Kunden und arbeiten mit verschiedenen Materialien." Dass er nicht studiert hat, bereut Nürnberger nicht. Er hat auch ohne Studium große Ziele: Im Juni macht er seine Gesellenprüfung. Nächstes Ziel: Meisterprüfung.

"Ich denke, dass die Auszeichnung auch ein Ansporn für andere sein kann", sagt Nürnberger. Ein gesunder Wettbewerb schade keinem. Nach seiner Prüfung will er versuchen, einen Titel auf Landesebene zu ergattern. "Mich hat es schon gepackt."

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