Üben für den Ernstfall in Ilbenstadt: Eine Lehrstunde wie an diesem Gefahrguttransporter ist zu Zeiten der Pandemie nicht ganz einfach bis nahezu unmöglich. 	FOTOS: UDO
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Üben für den Ernstfall in Ilbenstadt: Eine Lehrstunde wie an diesem Gefahrguttransporter ist zu Zeiten der Pandemie nicht ganz einfach bis nahezu unmöglich. FOTOS: UDO

Von normal noch weit entfernt

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal (udo). Auch die Feuerwehr bekommt die aktuelle Corona-Pandemie deutlich zu spüren. Während der Krise war etwa auch der Übungsbetrieb stark beeinträchtigt. Dies lasse sich einige Zeit verkraften, bereite bei längeren Ausfällen jedoch Schwierigkeiten, sagt Stadtbrandinspektor Alexander Merkelbach. Die Krise habe dennoch auch einen unerwartet positiven Aspekt: Das Home-Office erhöhte die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte.

»Am Anfang wurde der Übungsbetrieb ganz ausgesetzt«, sagt Merkelbach. Vor erinigen Wochen erst sei er wieder aufgenommen worden. Hygiene- und Abstandsregeln müssten weiterhin beachtet werden, außerdem seien die Gruppen nun kleiner, was mehr Ausbilder erforderlich mache. »Der Unterricht fand zuvor über eine Online-Plattform statt«, sagt Merkelbach, »zum Teil wurde das innerhalb kürzester Zeit umgesetzt.« In diesem Stil seien darüberhinaus auch die Ausschuss-Sitzungen durchgeführt worden.

Von einer Normalisierung sei auch die Feuerwehr in Niddatal derzeit noch entfernt, sagt Merkelbach: »Ein Vor-Corona-Zustand kann erst eintreten, wenn die vollkommene Freigabe durch das Land erfolgt.« Auch der Lehrgangsbetrieb gehe nun, nach den Ferien, nur eingeschränkt weiter. Viele Termine seien abgesagt worden und könnten auch nicht nachgeholt werden, da die Kapazitätsgrenzen bereits erreicht seien. Ähnliches gelte für die Hauptversammlungen des Vereins und der öffentlichen Feuerwehr. »Die wurden verschoben«, sagt Merkelbach. »Wir holen sie aber nach, sobald die Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.«

Die Einschränkungen im Rettungsbetrieb seien auf die Hygiene- und Abstandsregeln begrenzt gewesen, sagt der Stadtbrandinspektor. Mund-Nase-Bedeckungen sowie Desinfektionsmittel habe es vom Träger gegeben. Alle Einsätze seien mit diesen Maßnahmen abgewickelt worden: »Das haben wir alles selbst organisiert.«

Auch für den ausgesetzten Übungsbetrieb wurde schnell eine Lösung gefunden. Der ehemalige Wehrführer Wolfgang Kost habe bis Ende Juni einen Unterricht per Live-Stream aus dem Feuerwehrhaus angeboten, berichtet Wehrführer Christian Behnken. »Die wurden sehr gut angenommen.«

Behnkens Meinung nach werde sich eine Rückkehr zur Normalität anders als etwa bei Vereinen gestalten. »Wir müssen nach wie vor verhindern, dass eine Feuerwehr unter Quarantäne gestellt wird«, sagt er. Denn damit sei sie nicht mehr einsatzfähig. Wo etwa beim Mannschaftssport bald wieder ein uneingeschränkter Regelbetrieb möglich sei, werde bei der Feuerwehr weiter auf Hygiene- und Abstandsregeln sowie Übungen in Kleingruppen gesetzt. »Ein normaler Betrieb ist vorerst nicht in Aussicht«, sagt Behnken.

Für die Feuerwehr werde es eine große Herausforderung werden, die ausgefallenen Lehrgänge und Weiterbildungen nachzuholen, sagt der Wehrführer. Alle Termine, die zur Tauglichkeit eines Atemschutzgeräteträgers nötig sind, der jährlich Streckendurchgang in Bad Nauheim, die ärztlichen Untersuchungen und die jährliche Einsatzübung würden noch in diesem Jahr nachgeholt werden müssen - mit hohem Planungsaufwand. Es habe Übergangsfristen gegeben, doch die seien bald zu Ende, sagt Behnken. Das Floriansfest aber werde auf 2021 verschoben.

Unterm Strich sei der Einsatzbetrieb während der andauernden Pandemie jedoch zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, betont Behnken. Um dies sicherzustellen, sei in der Zeit des Lockdowns aus allen Stadtteilen alle drei Tage die Einsatzverfügbarkeit der Einsatzkräfte abgefragt und zentral über das Ordnungsamt ausgewertet worden. Da sich viele Kameraden ohnehin im Home-Office befunden hätten, sei die Tagesalarmstärke ungewohnt hoch gewesen.

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