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Bis vor wenigen Tagen liefen die Aufbauarbeiten in der alten Scheune des Ewaldshofs noch auf Hochtouren. Ab heute werden hier im Rahmen des Mittsommerkinos Dokumentarfilme gezeigt.

Ab heute

Kino für sexuelle Vielfalt auf dem Assenheimer Ewaldshof: Das ist das Programm

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Mit dem Mittsommerkino starten Anna Mense und Kolja Sulimma auf dem Ewaldshof am heutigen Mittwoch eine spannende Filmreihe. Dokumentationen gewähren intime Einblicke in das Leben verschiedener Menschen.

Wo gehören Sex und Intimität eigentlich hin? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Anna Mense, Mitorganisatorin des Mittsommerkinos im Ewaldshof in Assenheim. Gibt es dafür einen öffentlichen Ort, oder müssen die Phänomene ins heimische Schlafzimmer verbannt werden? "Genau das wollen wir mit unserer Filmreihe reflektieren", erklärt Mense die Intention der Veranstaltung. Von heute an bis zum 27. Juni werden an sieben Abenden dokumentarische Filme und ein Hörspiel präsentiert - alles zu den Themen Sexualität und Intimität.

Die Veranstaltung ist ein Herzensprojekt des Mitorganisators Kolja Sulimma. Der 46-Jährige liebt die Kunstform Film, ist eng vernetzt mit Kulturschaffenden im Dokumentarfilmbereich und hauptverantwortlich für die Auswahl der Filme. "Das Thema Vielfalt ist allgemein sehr wichtig für den Ewaldshof", sagt er. 

Schon vorher zeigte er Filme auf dem Hof - in kleinem Rahmen unter Freunden. "Ich wollte die großen tollen Räume hier aber nutzten und öffentlich machen", sagt er, und Mense fügt hinzu: "Wir haben eine Leuchtturmfunktion zu erfüllen. Wir wollen in die Öffentlichkeit hineinwirken und mit kontroversen Filmen geht das gut."

Mittsommerkino in Assenheim: Gewinner des Goldenen Bären im Programm

Das Mittsommerkino in der großen Scheune des Ewaldshofs eröffnet heute um 20 Uhr mit dem Film "Touch me not". Der dokumentarische Experimentalfilm von Adina Pintilie erforscht die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität und wurde Anfang des vergangenen Jahres mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Die Dokumentation "Searching Eva" läuft am 26. Juni - zuvor wurde er nur auf der Berlinale gezeigt. 

Weniger die Sexkultur, aber die damit verbundenen Ängste thematisiert das Hörspiel "Warpop Mixtake Facebook Volxfuck Peace Off!" unter der Regie von Sulimmas Bruder Sascha Sulimma. "Rund um das Thema Sex wird in den Medien viel moderne Sorge und Massenpanik verbreitet", sagt Mense. Dies sorge für ein vorgefertigtes Bild von sexueller Vielfalt. Umso erfrischender sei der Film "Violently happy", der Einblicke in die Welt der BDSM-Sexpraktiken gewährt. "Die Darstellungen in Standard-Filmen dazu sind immer gleich. Gleicher Fetisch, gleiches Alter, gleiches Andreaskreuz im Keller", sagt Sulimma. "Und die Protagonisten sind immer irgendwie böse", fügt Mense hinzu. 

"Violently happy" aber sei bunt, ansprechend und stelle auch die fürsorgliche Seite des dominanten Parts dar. "Er zeigt, wie schön es ist, sich auszuprobieren und spielerisch zu sein", sagt Mense. Im Anschluss an jeden Film wird eine Diskussion geführt, zu der entweder Protagonisten oder andere Beteiligte der Filmproduktion anwesend sind.

Mittsommerkino in Assenheim: Vom Land gefördert

Hessenfilm und Medien fördert das Projekt im Rahmen der Abspielförderung des Landes. Die erste Kreisabgeordnete Stephanie Becker-Bösch wird die Veranstaltung heute nicht nur eröffnen, sondern dem Ewaldshof auch das Label "Vielfalt Wetterau!...Region für alle!" verleihen. Mense: "Es ist sehr motivierend, wenn es auch institutionell diesen Zuspruch gibt."

Gestärkt mit diesem Zuspruch will der Ewaldshof mit der Filmreihe eine neue Ära einläuten: die der Sichtbarkeit. "Ob vielfältige Lebensentwürfe oder abweichende Sexualität und Intimität: Wir diskutieren gerne darüber und wollen die Menschen teilhaben lassen", sagt Sulimma. "Wir wollen, dass die Menschen die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Leben und ihr Sexleben gestalten, relativieren. Denn es ist eben nur eine Möglichkeit", sagt Mense. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit, gerade hier lokal mit den Menschen ins Gespräch zu kommen."

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