Ab 1. Juli ist Michael Hahn (CDU) Bürgermeister von Niddatal. Vorab will er Gespräche mit allen Parteien im Stadtparlament aufnehmen.
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Ab 1. Juli ist Michael Hahn (CDU) Bürgermeister von Niddatal. Vorab will er Gespräche mit allen Parteien im Stadtparlament aufnehmen.

Lange To-do-Liste

Niddatal: Bald-Bürgermeister Michael Hahn verspricht neuen Schwung

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Seit drei Tagen ist das Ergebnis amtlich: Michael Hahn (CDU) wird ab 1. Juli Bürgermeister in Niddatal. Was der neue Schwung, bringt, den er verspricht, wird sich in der zweiten Jahreshälfte zeigen. Für die kommenden Wochen hat der Kaichener aber schon eine lange To-do-Liste.

Michael Hahn hat es noch nicht geschafft, alle Glückwunschnachrichten zu beantworten. Am Sonntagabend ist der CDU-Kandidat zum Bürgermeister von Niddatal gewählt worden. Mit 57,49 Prozent setzte sich der 46-Jährige im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Dr. Bernhard Hertel und BI-Sprecher Dr. Ralf Binsack durch. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis so eindeutig wird«, sagt Hahn. »Wir hatten uns eigentlich schon auf eine Stichwahl vorbereitet.«

Noch in der Nacht zum Samstag hatten Hahn und seine Mitarbeiter Flyer mit einem Wahlaufruf an die Haustüren gehängt, tagsüber waren sie in den Wahllokalen unterwegs. »Auch wenn die Stimmung sehr positiv war, wollte ich mir noch keine Hoffnungen machen, gleich im ersten Wahlgang über 50 Prozent zu erreichen«, sagt Hahn. »Als wir dann aber um kurz nach sechs das erste Ergebnis aus Kaichen bekommen haben, wo über 70 Prozent der Wähler für mich gestimmt hatten, wusste ich, es könnte funktionieren.«

Das hat es auch: Hahn holte in allen Stadtteilen die Mehrheit. In Kaichen schloss er mit 70,52 Prozent der Stimmen am stärksten ab. Im eher CDU-geprägten Ilbenstadt sammelte Hahn 67,81 Prozent der Stimmen. In Assenheim, Bönstadt und bei den Briefwählern sicherte er sich ebenfalls über 50 Prozent.

Bürgermeister Niddatal: Hahn - »Ich war überglücklich«

Als das Ergebnis feststand, war die Freude groß. »Ich war überglücklich«, sagt Hahn, der gemeinsam mit seiner Familie ins Rathaus gekommen war. Die ersten Parteifreunde beglückwünschten ihn dort, danach wurde auf dem Hof in Kaichen gefeiert. Allerdings nur in kleiner Runde. »Wegen der aktuellen Situation waren nur ein paar Freunde und Familienmitglieder dabei.«

So richtig realisiert habe er den Sieg noch immer nicht, sagt Hahn. In den kommenden Wochen und Monaten muss vieles organisiert werden, bevor er am 1. Juli sein Amt antritt. Den Job beim Hessischen Bauernverband werde er kündigen. Um seinen landwirtschaftlichen Betrieb sollen sich in Zukunft die Mitgesellschafter kümmern. »Ich werde auch als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes in Niddatal zurücktreten«, sagt er. Den Vorsitz der Eintracht Kaichen will Hahn ebenso abgeben wie seine Tätigkeit bei den Wetterauer Zuckerrübenanbauern. Zwei Sitzungstage am Gericht in Gießen stehen ihm noch bevor, dann gibt er auch das Amt des Schöffen auf. »Ich will mich voll auf den Bürgermeisterjob konzentrieren.«

Dazu gehören auch Gespräche mit den Parteien. Derzeit bilden Linke und Sozialdemokraten eine knappe Mehrheit im Parlament. Kommunalwahlen stehen im nächsten Jahr an. Achim Saßmannshausen, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, habe ihm bereits signalisiert, dass die SPD zu Gesprächen bereit sei. »Es ist wichtig, dass wir in Zukunft alle in dieselbe Richtung gehen, um Niddatal voranzubringen«, sagt Hahn. »Ich gehe sehr positiv in die Gespräche.« Ob die persönlich oder nur telefonisch möglich seien, bleibe abzuwarten. Ebenso, ob Lehrgänge und Seminare stattfinden könnten. Er wolle versuchen, als Magistratsmitglied zeitnah schon Aufgaben oder Themen zu übernehmen.

Hahn holte bei der Wahl am Sonntagabend mehr als doppelt so viele Stimmen wie Amtsinhaber Hertel (872 zu 2041). Der dritte Bewerber, Dr. Ralf Binsack, bekam 513 Stimmen und sicherte sich so 15,88 Prozent. Damit machen die Stimmen der Herausforderer zusammen fast drei Viertel aller Stimmen aus. »Das ist ein deutliches Votum«, sagt Hahn. »75 Prozent der Wähler wollen einen Neuanfang für Niddatal.« Und den solle es ab Juli auch geben.

Bürgermeister Niddatal: Meinung

Schluss mit Streit: In den letzten Wochen und Monaten hat der Wahlkampf das politische Geschehen in Niddatal bestimmt. Die Folge: Viel Gezanke im Parlament. Dass die Bürger die langen Diskussionen satt haben und endlich besser informiert werden wollen, haben sie mit ihrem Votum gezeigt. Der neue Bürgermeister Michael Hahn verspricht neuen Schwung. Hoffentlich sorgt der endlich für Ruhe unter den Streithähnen. Die Stadt braucht wieder Konsensentscheidungen und keine Einzelgänge. Das müssen auch SPD und Linke einsehen. Es bleibt zu hoffen, dass sie dem Neuen im Amt nicht absichtlich Steine in den Weg legen. Denn weitere Jahre des Stillstands kann sich die Stadt nicht leisten. 

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