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Ob die Chöre - wie hier der »Frohsinn« Assenheim 2019 - dieses Jahr zu Weihnachten in den Kirchen singen werden, bleibt fraglich. ARCHIVFOTO: UDO

»Nichts wird mehr wie früher sein«

  • VonUdo Dickenberger
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Niddatal (udo). Seit über einem Jahr gibt es keine Präsenz-Proben und auch keine Auftritte für den Kirchenchor in Bönstadt sowie den Basilika-Chor in Ilbenstadt. Jan Frische leitet die beiden Chöre. Er meint, dass es momentan nicht absehbar sei, wann das Singen wieder möglich sein werde.

Frische geht davon aus, dass eine normale Probe in diesem Jahr nicht mehr möglich sein wird. Man müsse eine Bestandsaufnahme machen, wie viele Sänger man zur Verfügung habe. Er befürchte, dass es einige Chöre nach Corona nicht mehr geben werde.

»Best of«-Konzerte und Stimmtraining

Wenn normal geprobt werden könne, könnten laut Frische normale Konzerte stattfinden. Klar sei, dass es wenig neue Literatur zu hören geben werde. Es seien eher »Best of«-Konzerte möglich. Jeder werde sich freuen, Chormusik wieder in Normalität und vollem Klang und Schönheit zu hören, auch wenn die Literatur bekannt sei.

Bis dahin müsse man überlegen, ob es Online-Alternativen gebe. Er selbst probiere gerade, die Probenarbeit über »Jamulus« aufzunehmen. Dies sei ein Programm, mit dem verzögerungsfrei über das Internet zusammen gesungen werden könne. Vielleicht wäre auch ein Stream über das Internet möglich, sodass man in dieser Weise ein Konzert veranstalten könnte. Frische will mit Stimmbildung und alten, bekannten Stücken die Proben beginnen.

Die Stimme müsse auf das Niveau vor der Pandemie gebracht werden. Viele Sänger hätten während der Pandemie wenig gesungen, sodass die Stimme erschlafft sei. Die Atmung und das richtige Singen müssten erst wieder trainiert werden, ähnlich wie bei einem Sportler, der zwei Jahre seinen Sport nicht ausüben konnte. Dieser könne nicht direkt bei 100 Prozent starten. Deshalb sei die Verwendung bekannter Stücke sinnvoll.

Die Frage, wann das meiste wieder wie früher sein wird, sei schwer zu beantworten. Realistisch sei erst mit Anfang 2022 zu rechnen. In seinen Augen sollten die Vereine die Zwangspause nutzen, um Ideen zu entwickeln, wie es nach der Pandemie weitergehen könne. Es sei nachzudenken, ob man Umstrukturierungen innerhalb des Vereins vornehme. Es werde sich nach der Pandemie für die Vereine vieles ändern, da sich vieles ins Digitale verschieben werde. Die Vereine müssten diesen Schritt mitgehen, um am Ball zu bleiben.

Stephanie Michel, die Vorsitzende des »Frohsinns« Assenheim, geht davon aus, dass dieses Jahr noch nicht wieder begonnen werde. Der Fokus werde zunächst auf sommerlichen Open-Air-Konzerten liegen. Konzerte in geschlossenen Räumen werde es nur mit Impfschutz oder negativen Tests geben können.

Veränderungen der Chorstruktur

Es komme darauf an, ob das alte Repertoire aufgewärmt oder mit einem neuen begonnen werde. Nach mehr als einem Jahr Zwangspause und mit Blick auf die Altersstruktur im Chor sei abzuwarten, wer von der Stammbesetzung bei der Wiederaufnahme des Chorbetriebs dabei sei und wie die einzelnen Stimmgruppen vertreten seien. Möglicherweise werde es nötig sein, zunächst auf dreistimmige Chorsätze zurückzugreifen. Zudem habe die Chorstimme in der Pause gelitten. Es werde eine Weile dauern, diese wieder fit zu machen. Hinzukomme die neue Chorleitung, die eigene Vorlieben habe.

Falls im nächsten Jahr gestartet und das Pandemie-Geschehen eingedämmt werde, sodass wieder ein regelmäßiger Chorbetrieb stattfinden könne, sei damit zu rechnen, dass 2024 wieder ein Chorgeschehen wie früher bestehen könne, sagt Michel. Es sei davon auszugehen, dass sich alle Chöre in ihrer Struktur verändern würden und sich auf neue Gegebenheiten einlassen müssten: »Nichts wird mehr wie früher sein.«

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