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Um den Kiebitz während der Brutzeit zu schützen, ist in Ilbenstadt ein weiterer Festzaun aufgestellt worden. Zwei weitere Zäune gibt es in Reichelsheim und Okarben.

Wetterauer Kiebitz-Zäune

Neuer Kiebitz-Zaun in den Niederwiesen in Ilbenstadt errichtet

  • VonLarissa Wolf
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Der Kiebitz ist eine bedrohte Vogelart. Um die Arterhaltung zu sichern, stehen in der Wetterau mittlerweile zwei Kiebitz-Zäune - in Ilbenstadt ist am Dienstag der dritte eröffnet worden.

Der strömende Regen am Dienstagvormittag hat die Freude über den Erfolg nicht trüben können: In den Niederwiesen in Ilbenstadt steht ein neuer Kiebitz-Zaun. Er umschließt etwa zwölf Hektar Land mit dem Ziel, dem Bodenbrüter Kiebitz einen sicheren Lebensraum zu bieten und die Aufzucht seiner Jungen zu ermöglichen.

Der Bestand des Kiebitzes in Hessen hat von 2000 Paaren in den 1970er Jahren auf nur noch 250 Paare in den Jahren 2017/18 abgenommen. Die Ursache: Fuchs und Waschbär fressen Kiebitze besonders gern. Um das zu verhindern, werden seit vielen Jahren Zäune aufgestellt - der erste fest installierte Kiebitz-Zaun steht seit Anfang 2018 in Reichelsheim. Walter Schmidt vom Forstamt Nidda lieferte die Idee dazu.

Wetterau: Kiebitz-Zaun in Ilbenstadt soll 35 Jahre lang halten

»Wir haben vorher mobile Zäune für gefährdete Wiesenbrüter errichtet. Das Problem dabei war, dass sich immer wieder Rehwild darin verfangen hat und wir es herausschneiden mussten. Das war auf Dauer ein Preis, den wir nicht zahlen wollten«, sagt Schmidt. Der feste Zaun sei wie »einer auf der Autobahn«. »Es gibt zwei Litzen, die den Zaun unter Strom setzen. Waschbären und Füchse haben keine Chance, durchzukommen.« Außerdem verhindere eine Folie unter dem Zaun einen zu schnellen Bewuchs. »So müssen wir nur einmal in der Saison freischneiden, stören die Tiere nicht und sparen Kosten«, sagt Schmidt. Der Ilbenstädter Zaun habe etwa 45 000 Euro gekostet, halte voraussichtlich 35 Jahre lang.

Der Erfolg spricht für sich: »Während 2017 ohne den Zaun kein einziger Kiebitz-Jungvogel überlebt hat, waren es im vergangenen Jahr 118, die flügge geworden sind«, sagt Stefan Stübing, Beauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen.

Wetterauer Kiebitz-Zäune: Naturschutz für die Bevölkerung

Das seien 50 Prozent aller Jungvögel des Landes - allein in Reichelsheim. Um den Artbestand zu erhalten, müsse laut Stübing ein Jungvogel pro Brutpaar überleben. Aufgrund des erhöhten Drucks durch die Bodenprädatoren Waschbär und Fuchs sei das ohne Zaun aber kaum mehr möglich. Der Zaun in Ilbenstadt ist etwa 1,4 Kilometer lang. Ein gutes Schutzgebiet für Wiesenbrüter sei auch immer eine Weide für Rinder, die das Gras kurz hielten. »Wir arbeiten eng mit den Bewirtschaftern und Jagdpächtern zusammen«, sagt Stübing. Der Zaun sei auch für die Rinder eine sichere Lösung. Trotzdem müsse man Rücksicht aufeinander nehmen. »Es ist ein Geben und Nehmen«, sagt Landwirt Klaus Gebb, der das Naturschutzgebiet an der Ludwigsquelle in Okarben bewirtschaftet. So könnten die Rinder beispielsweise erst dann auf die Weide, wenn die jungen Kiebitze groß genug seien, um ihnen davonzulaufen. Peter Werner ist künftig für die Bewirtschaftung der Niederwiesen in Ilbenstadt zuständig, Luigi Franzisi ist Jagdpächter der Fläche.

Von einer Beobachtungshütte kann man die Tiere aus sicherer Entfernung beobachten. »Das wird gut angenommen«, sagt Udo Seum, Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Wetteraukreis. »Wir machen hier Naturschutz für die Bevölkerung.« Zum Zaun habe es wenig negative Resonanz gegeben. »Die Akzeptanz für den Zaun ist groß, wenn man von Anfang an alle miteinbezieht. Das haben wir gemacht«, sagt HGON-Vorsitzender Dr. Tobias Reiners.

Staatssekretär des hessischen Umweltministeriums Oliver Conz ist ebenfalls zur Eröffnung gekommen und freut sich sehr über den neuen Zaun. »Das ist für mich ein Traumtermin«, sagt er. »Es ist so schön, wenn man dazu beitragen kann, dass eine Art nicht ausstirbt«, sagte er. Es sei zwar noch ein weiter Weg, bis eine Ausbreitung des Vogels erreicht werden könne. Aber die Wetterauer Kiebitz-Zäune seien ein »Anschauungsprojekt, wie wir besser werden können «. Die Zahlen sind überzeugend: Durch die Festzäune sind die Bruten in der Wetterau in den letzten vier Jahren von 85 auf 156 angestiegen. Stefan Stübing ist zuversichtlich, dass die Reservate den gewünschten Erfolg bringen: »Wenn es so weitergeht, ist der Kiebitz gerettet.«

Kiebitz-Zaun in Reichelsheim: Beobachten mit der Webcam

Wer kein Fernglas hat oder wem die Aussicht aus der Beobachtungshütte nicht reicht, der kann die Kiebitze in Reichelsheim aus nächster Nähe über eine Webcam des Umweltministeriums beobachten. Die Webcam sendet ihre Aufnahmen per LTE-Verbindung und wird über Solarstrom betrieben. Der Live-Stream aus dem Kiebitzschutzzaun kann über die Startseite des Hessi-schen Umweltministeriums aufgerufen werden. So können nicht nur Wetterauer die Tiere ansehen, ohne sie zu stören.

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