Reinhold Bär Ländersammler
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Reinhold Bär Ländersammler

Müritzsee statt Moldawien

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Reinhold Bär liebt das Reisen. Der Ilbenstädter hat bereits 148 Länder besucht, weitere sollen folgen. Weil die Krise das Reisen erschwert, bereitet er derzeit einen Ausflug an den Müritzsee in Mecklenburg vor - auch wenn das keinen Punkt in der Länderliste bringt.

In Bärs Wohnung hängen mehrere Weltkarten, auf denen er die Länder, in denen er schon war, bunt markiert hat. Bär ist Mitglied im Travelers’ Century Club, einem der beiden einschlägigen Vereine, mit weltweit 2000 Mitgliedern. Dessen Liste besteht aus 325 Ländern, wobei auch einzelne ferne Inseln als Länder gezählt werden. So werden etwa die Falkland-Inseln als eigenes Land aufgeführt. Pro Länderbesuch gibt’s einen Punkt.

Das Sammeln begann für Bär im Jahr 2012. Damals hatte er bereits 88 Länder besucht. Dann erzielte er in einem einzigen Jahr stolze zwölf Punkte. Im Schnitt besucht er pro Jahr zwischen fünf und zehn neue Länder. Dabei ist in Gegenden wie der Karibik "das Sammeln leicht", wie er sagt. 2020 wollte er eigentlich auch Moldawien, Transnistrien und England aufsuchen. Daraus wird wegen Corona erst einmal nichts. Stattdessen standen in den vergangenen Wochen der Inheidener See, das Bingenheimer Ried, die Mosel und der Inn auf der Agenda.

Die Frage, welcher Staat der Welt die höchste Alphabetisierungsquote habe, kann Bär auf Anhieb beantworten. Denn er ist nicht nur Punkte-, sondern auch Wissenssammler. Bär ist seit 2016 im Ruhestand. Vorher war er ab 1978 Vermessungsingenieur bei einer Firma in Bad Homburg. Wegen "Old Shatterhand", der auch Landvermesser war, habe er seinen Beruf ergriffen. Bär liebt Reiseliteratur: "Geografie war in der Schule mein Fach." Außer Karl May las er einerseits Daniel Defoe und Robert Louis Stevenson, andererseits Alexander von Humboldt.

Mit 100 Geckos im Schlafzimmer

Seine erste bedeutende Reise war die mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee 1984. Exotisch war die Reise ins vom Tourismus abgeschiedene Mauretanien. Bei der Hochzeit, zu der er eingeladen war, durfte die Braut erst erscheinen, als zwischen den Vätern alles ausgehandelt war. Malawi, Sambia, Mosambik will er noch aufsuchen, dann ist für Bär der Südosten Afrikas komplett. Die sieben Emirate hat er schon besucht.

Die Reisen organisiert Bär meist selbst. Alle Verkehrsmittel vom Flugzeug bis zum Zug hat er bereits benutzt. Mit dem Frachtschiff ging es durch die Südsee. Kanada will er mit dem Zug erkunden.

Das Geld reichte unterwegs bislang immer aus, erzählt er. Die Diebstähle hielten sich in Grenzen. Viel wichtiger: Interessante Menschen seien überall anzutreffen. Die Devise des Travelers’ Century Club sei, einen Beitrag zur Verständigung zu leisten. Die Länder würden so akzeptiert, wie sie sind. Seine Eindrücke hält Bär auch fotografisch fest. Besonders gern nimmt er Menschen in Nahaufnahme auf. Die Fotos hängen daheim im Treppenhaus.

Ein Schrank in Bärs Wohnung enthält Andenken vom namibischen Straußenei bis zu altägyptischen Gottesfiguren. Sie erinnern ihn gerade in diesem Jahr an seine Abenteuer, etwa an eine Übernachtung mit 100 Geckos. Welcher Staat nun hat die höchste Alphabetisierungsquote? Es ist der Vatikanstaat. Die Quote liegt bei 100 Prozent.

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