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Nach dem Theologie-Studium hat Thomas Stephan erst einmal etwas ganz anderes gemacht: Statt auf der Kanzel stand er hinter der Bühne.

Mit Umwegen auf die Kanzel

Niddatal (alh). Von Berlin in die Wetterau - so hat es Pfarrer Thomas Stephan gemacht. Seit Januar ist er Vertretungspfarrer für die evangelische Gemeinde Assenheim. Er wird bis zur Neubesetzung der Pfarrstelle im Sommer die Vakanzvertretung übernehmen.

Thomas Stephan ist ein EKHN-Urgestein - auch wenn er zwischenzeitlich an vielen anderen Orten gearbeitet hat. Zuletzt war er als Berater für Religion und Kirchen in Afrika bei »Brot für die Welt« in Berlin tätig. Begeistert hat ihn dabei vor allem die Kirchenvielfalt in Afrika. »Dort habe ich Religion auch als Motor für Veränderung kennengelernt«, erzählt der Pfarrer.

Die Ökumene begleitet ihn aber nicht erst seit seiner Zeit in Berlin. Sein Spezialpraktikum nach der Pfarrer-Ausbildung hat er in Brüssel bei der Kirchlichen Kommission für Migranten in Europa gemacht. Weitere Stationen waren im Westerwald und in Rüsselsheim, dann war er fünf Jahre Pfarrer in Frankfurt-Niederrad.

Sein Lebensweg hat ihn nicht direkt ins Pfarramt geführt: »Nach meinem Theologie-Studium in den 90ern sah ich schlechte Chancen für einen Job als Pfarrer«, erzählt Stephan. Die Vikariatsplätze waren knapp und sehr begehrt. Also widmete er sich einer anderen Leidenschaft: Er stieg als Licht- und Bühnendesigner und Eventmanager in die Veranstaltungsbranche ein, organisierte z. B. Veranstaltungen im Friedberger »Café Kaktus« mit vielen damals noch unbekannten Künstlern wie Mario Barth oder Dr. Eckard von Hirschhausen. Auch beim Neujahrsvarieté stand er hinter der Bühne.

»In diesen Jahren habe ich viele interessante Gespräche geführt«, erinnert er sich. »Wenn ich erzählt habe, dass ich eigentlich Theologie studiere, waren viele überrascht.« Diese alltäglichen Begegnungen mit Kirche und Glauben, findet er, sind besonders wichtig. »Ich bin nicht nur Pfarrer, wenn ich im Dienst bin, sondern auch im Alltag.«

Wenn Stephan nicht auf der Kanzel steht, ist er sportlich unterwegs, hat schon den »Iron Man« in Frankfurt absolviert. In seinen Predigten ist er gerne kreativ, so steht er auch mal verkleidet auf der Kanzel. »Mir ist es wichtig, lebendig zu predigen. Ich denke die Gemeinde immer als Wir.« Gleichzeitig ist er offen für neue Verkündigungsformen. Ihm schweben auch generationsübergreifende Projekte vor.

Der Start im Lockdown ist kein leichter. »Aber wir geben unser Bestes.« In der Hoffnung, dass bis zum Sommer, wenn er die Gemeinde an einen neuen Pfarrer übergibt, mehr möglich sein wird.

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