Pfarrer Bernd Richardt feiert die Gottesdienste in der leeren Basilika. 	FOTO: UDO
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Pfarrer Bernd Richardt feiert die Gottesdienste in der leeren Basilika. FOTO: UDO

»Es ist ein Krisengottesdienst«

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt (udo). Wie kann der Gläubige auch in der Krisenzeit an Gottesdiensten teilnehmen? Die Tore der Basilika bleiben zwar offen und die Kirche kann von Menschenen aller Konfessionen täglich von 10 bis 18 Uhr zum stillen Gebet besucht werden. Doch es gibt bis auf unbestimmte Zeit hin keine öffentlichen Gottesdienste mehr. Pfarrer Bernd Richardt feiert die Gottesdienste alleine, in Einzel- zelebration, wobei er freilich der Gemeinde gedenkt. Lediglich die Küster sind anwesend.

Jeder Einzelne ist aufgerufen, daheim die Gottesdienste in Gedanken mitzufeiern. Deshalb läuten die Glocken der Basilika nach wie vor zu Beginn der Gottesdienste. Darüber hinaus läuten sie an jedem Abend um 19.30 Uhr für zehn Minuten, um die Angehörigen aller Konfessionen zum gemeinsamen Gebet aufzurufen. Auch die evangelische Kirchengemeinde verzichtet bis auf weiteres auf Gottesdienste.

Wie Pfarrer Richardt auf Anfrage mitteilt, ist in der Pfarrei aus dem Bistum ein detailliertes, auf Kinder verschiedenen Alters abgestimmtes Papier mit Vorschlägen zur Feier von Familiengottesdiensten am Palmsonntag, am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Osterfest eingetroffen. Die WZ hat mit dem Ilbenstädter Pfarrer über die aktuelle Krise gesprochen.

Wodurch unterscheidet sich in der Liturgie ein Gottesdienst, den der Priester alleine feiert, von einem Gottesdienst, den er mit der Gemeinde feiert?

»Vom Wesen her unterscheidet er sich nicht: Der Herr tritt in die Mitte der Gemeinde, Gott ist gegenwärtig. Von der Atmosphäre her ist es ein gewaltiger Unterschied, da der Gottesdienst dialogisch auf- gebaut ist, und man sich nun selbst die Antworten der Gemeinde gibt. Auch fehlt die Orgel und man singt alleine. Der Blick in das leere Kirchenschiff gibt dem Gottesdienst stets ein zweites Gebetsanliegen mit auf den Weg: das Gebet für die, die nicht dabei sein können. Es ist ein Krisengottesdienst, der an vier Tagen in der Woche noch einen besonderen Akzent bekommt, wenn um 19.30 Uhr der Gottesdienst unterbrochen wird, um die Glocken für alle Betroffenen der Pandemie zu läuten und Gott um seine Hilfe zu bitten.«

Wie kann der Gläubige mitfeiern?

»Das Wichtigste ist die Gewissheit, wenn die Glocken zum Gottesdienst rufen: Gott ist uns nahe, Gott kommt zu uns. Zu Hause kann man eine Kerze entzünden, persönlich beten, ein Lied oder eine Andacht im ›Gotteslob‹ beten oder singen, die Bibelstellen des Tages, die in dem Abreißkalender der Senioren stehen, nachlesen, oder über das Internet eine der vielen Gottesdienstübertragungen abrufen und vor dem Bildschirm mitfeiern. Wichtigster Bestandteil der Heiligen Messe ist die Eucharistie. Der Katholik glaubt an die Realpräsenz, die Anwesenheit Christi, im Sakrament.«

Ist eine symbolische Teilnahme an der Eucharistie möglich?

»Natürlich fehlt das Entscheidende: die Begegnung mit dem Herrn im Sakrament. Hier gibt es aber in der Kirche die lange und altbewährte Tradition der ›geistigen‹ Kommunion. Zu beten und zu bitten: Herr Jesus Christus, auch wenn ich dich nun im Sakrament nicht empfangen kann, bitte ich dich: Kehre bei mir ein, wohne in mir, sei in mir gegenwärtig. Eine Tradition, die vielen verfolgten Christen über Jahrzehnte hinweg geholfen hat, in der Gegenwart Gottes zu bleiben, auch wenn sie über Jahrzehnte hinweg an keiner Heiligen Messe teilnehmen konnten oder können - zum Beispiel in Nordkorea und Saudi-Arabien. In der Zeit vor dem Konzil war es üblich, dass viele Menschen über Monate hinweg nicht das Sakrament empfingen, obwohl sie regelmäßig in den Gottesdienst gegangen sind. Zum Glück ist dies heute anders, aber in dieser Notzeit ist es auch hilfreich, auf ältere Traditionen zu schauen und von ihnen zu lernen.«

Wird auch während der Krisenzeit die Krankenkommunion ausgeteilt?

»Wenn jemand im Sterben liegt, dann werde ich kommen und diesem Menschen die Krankenkommunion und Krankensalbung spenden. Hier sind die geistliche Begleitung und die Zuwendung wichtiger als ein mögliches Risiko einer Corona-Infektion. Bei der normalen Krankenkommunion oder Hauskommunion, wo keine akute Lebensgefahr besteht und diese Menschen noch viele Jahre leben können, gilt das Gleiche wie für die Gemeinde: eine Weiterverbreitung des Virus vermeiden. Zumal diese Menschen bei einer möglichen Infizierung besonders gefährdet sind.«

Es ist nicht abzusehen, wie lange die derzeitigen Einschränkungen dauern werden. Gibt es eine Möglichkeit, auch während der Pandemie am Gottesdienst real teilzunehmen?

»Leider nein. Dies ist mir vom Bischof und inzwischen auch vom Staat verboten. Durch diese geistige und spirituelle Fastenzeit müssen wir leider sogar über Ostern hinaus gehen. Hier lebt die Kirche das vor, was inzwischen von allen gefordert wird: Möglichst keine Sozialkontakte. Vielleicht kann man mit einem Lautsprecherwagen den Gottesdienst zu den Häusern bringen und so den Ort verbinden. Außerdem laufen Planungen für eine Gottesdienstübertragung aus der Basilika per Internet. Aber zum Glück ist die Basilika zum persönlichen Gebet weiterhin offen.«

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