"Lieblingsplatz"

Das Krebsbachtal: Natur pur mit spannender Geschichte

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Bei einer Radtour "ins Blaue", entdeckte Dr. Ute Gräber-Seißinger durch Zufall ihren späteren "Lieblingsplatz". Er liegt "romantisch, geheimnisvoll und wunderschön" am Rande der Wetterau, knapp vorm Main-Kinzig-Kreis: das Krebsbachtal bei Kaichen.

Früher markierte der Krebsbach die in Zick-Zack-Linie verlaufende Grenze zwischen dem Königreich Preußen (bis 1866 Kurfürstentum Hessen) und dem Großherzogtum Hessen. Heute bildet er die Kreisgrenze zwischen dem Wetteraukreis und dem Main-Kinzig-Kreis. Seit ihrer Zufalls-Entdeckung bei einer Radtour hat Dr. Ute Gräber-Seißinger, Vorsitzende des ADFC Bad Vilbel, das 34 Hektar große Naturschutzgebiet immer wieder besucht. Es zeichnet sich durch einen "für diese Region einzigartiger Strukturreichtum an Magerrasen, Nass- und Feuchtwiesen, Heckenzügen, Streuobstwiesen und artenreichen Waldgesellschaften als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten" aus, wie in der Verordnung über das Naturschutzgebiet "Krebsbachtal bei Kaichen" informiert wird.

Ute Gräber-Seißinger beginnt ihre (je nach Zeitbudget) ausgedehnten Spaziergänge durch das Krebsbachtal oder Wanderungen in die Region stets am Ortsausgang in Erbstadt. Ihr Weg führt sie vorbei an Schrebergärten zur Anglerhütte des ASV. Weiter geht es entlang des Angelteichs über eine kleine Brücke ins romantische Krebsbachtal. Der 2018 eröffnete Wanderweg ist rund 4,5 Kilometer lang und dauert je nach Kondition mindestens zweieinhalb Stunden. Er führt vom Ausgangspunkt am Angelteich in Erbstadt am Waldrand entlang in Richtung Kaichen zur fast auf der Grenzlinie stehenden Hainmühle. Von dieser zweigt links ein Weg in Richtung zur das Tal überragenden Naumburg ab. Auf dem Rückweg nach Erbstadt können die Grenzgänger den alten Steinbruch besichtigen. Hier sind mehr als 300 Millionen Jahre alte Gesteinsformationen aus dem Perm zu sehen. Sie sind grau, gelb und rot, je nach Härtegrad und Alter der Ablagerungen.

Fantastische Ausblicke

Begrüßt werden die in Massenheim lebende Wanderin und ihr Rüde Oskar (2) am Startpunkt von einem vielstimmigen Vogelkonzert. Das Brutgeschäft der gefiederten Bewohner ist in den mit erstem Grün geschmückten Bäumen bereits im vollen Gange. Auch im Unterholz entlang des Krebsbaches raschelt es ab und an verdächtig.

Spaziergänger und Radfahrer sind an diesem Tag nur vereinzelt unterwegs. Die Ruhe des Krebsbachtales trägt zur Entschleunigung bei. Wer hier unterwegs ist, lasse Trubel und Hektik hinter sich, weiß Ute Gräber-Seißinger aus Erfahrung. Langeweile kommt dennoch keine auf. Immer wieder gewährt der Rundweg fantastische Ausblicke in die Region. Heruntergefallene Äste und abgebrochene Bäume sind stumme Zeugen der Winterstürme. Doch das Krebsbachtal hat neben Natur pur und zufälligen Begegnungen mit den scheuen Wald- oder Wiesenbewohnern noch mehr zu bieten. "Beim letzten Spaziergang haben wir die historischen Grenzsteine, die am Bach im Erdreich stehen, entdeckt." In die vermoosten, teils zugewucherten Grenzsteine, sind die Buchstaben "KP" (für Königreich Preußen) oder "GH" (Großherzogtum Hessen) eingeschlagen. "Die historischen Grenzsteine stellen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart da. Sie vermitteln zwischen Tradition und Fortschritt. Mit ihnen verbunden sind viele Geschichten, Legenden und Anekdoten", berichtet die Spaziergängerin.

Die als freie Lektorin und Übersetzerin tätigte Wanderin hat sich über die wechsel- und ereignisreiche Geschichte des Krebsbachtales im Internet informiert – und dabei viele Spannendes zur Geschichte erhalten. "Die Grenze war streng bewacht." Forstläufer patrouillierten am Grenzverlauf, um Schmuggel zu verhindern. In der 1638 erstmals als "Naumburgische Mühle im Römergrund" erwähnten Hainmühle war einst eine Poststation untergebracht. Hier wechselten die Postboten ihre Pferde. Eine Legende besagt, dass um das Jahr 1800 herum sich hier Räuberhauptmann Johannes Bückler, besser bekannt als Schinderhannes, versteckt haben soll. Und damit ist das Krebsbachtal ideal für Erholungssuchende, Naturliebhaber und Geschichtsinteressierte.

Ute Gräber-Seißinger und ihr vierbeiniger Begleiter treffen gut erholt und reich an neuen Eindrücken wieder am Angelteich in Erbstadt ein.

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