Ein Roter Neuseeländer. Kleintierschauen machen das Publikum mit den verschiedenen Rassen vertraut. In Ilbenstadt gibt es nun keine Ausstellungen mehr. FOTOS: UDO
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Ein Roter Neuseeländer. Kleintierschauen machen das Publikum mit den verschiedenen Rassen vertraut. In Ilbenstadt gibt es nun keine Ausstellungen mehr. FOTOS: UDO

Zu aufwändig

Kleintierzüchter: Keine Schau mehr im Ilbenstädter Bürgerhaus

  • vonUdo Dickenberger
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Der Niedergang der Kleintierzucht macht vor Ilbenstadt nicht halt.

Es waren glückliche Zeiten, als der Kleintierzuchtverein noch jedes Jahr im Oktober seine allgemeinen Rassetierschauen im Bürgerhaussaal veranstaltete. Vertreter der befreundeten Vereine kamen zur Eröffnung und lauschten den Grußworten der Repräsentanten der Kreisverbände der Geflügel- und Kaninchenzüchter und der örtlichen Politiker.

Von Zeit zu Zeit waren Sonderschauen mit Tieren ausgesuchter Rassen angeschlossen. Alle drei Jahre fand eine Kreisrassekanichenschau statt. Die Besucher konnten an zwei Tagen die Tiere betrachten. Das Publikum bewunderte die Herbstdekoration aus Strohballen, Sonnenblumen, Kastanien und Nüssen, für die Züchter Karlfried Weisgerber verantwortlich zeichnete. Im Kolleg wurde Kaffee getrunken; die Züchterfrauen hatten Kuchen gebacken. Bei der Tombola wurden Preise vom Blumenstock bis zur Taschennähmaschine ausgespielt.

Meist in anderen Vereinen aktiv

Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Situation ist in Ilbenstadt nicht besser als in der übrigen Wetterau, in Hessen, in der Bundesrepublik. Wie zu hören ist, floriert nur in einzelnen Regionen Bayerns und Nordrhein-Westfalens die Kleintierzucht noch wie in alten Zeiten. Seit drei Jahren verzichtet der Kleintierzuchtverein Ilbenstadt auf seine gut besuchten Schauen, bereits seit fünf Jahren gibt es keine Tombolas mehr. Es wird schwieriger für die Kreisverbände, Vereine zu finden, die in der Lage sind, Kreisschauen auszurichten. Der Grund ist einfach: Es fehlen die Leute.

Es besteht in Ilbenstadt zwar eine Jugendabteilung, doch der Verein ist deutlich überaltert. Der Verein entwickelt sich zu einem Geselligkeitsverein für Senioren, der zwar noch zu Tages- und Mehrtagesausflügen einlädt, aber auf Ausstellungen verzichtet. Das wiegt umso schwerer, als auch keine Kleintierausstellungen in Nieder-Wöllstadt und in Assenheim mehr veranstaltet werden. Es wiegt weniger schwer, weil die Züchter meist in mehreren Vereinen aktiv sind und einige Ilbenstädter Züchterkameraden Vorstandsposten in Erbstadt bekleiden.

Weisgerber, der in Erbstadt und in Ilbenstadt viele Jahre für die Ausstellungsdekoration zuständig war, hofft, dass es anders kommt, sieht für die Zukunft der Kleintierzucht aber schwarz, da sie einen großen Aufwand an Idealismus erfordere. Er fasst die schönen Seiten zusammen: »Das Zusammenstellen der Zuchtstämme, das Sammeln der Bruteier, der Brutvorgang, das Schlüpfen, die Aufzucht und die Entwicklung der Küken sind spannende Vorgänge, und wenn man am Ende des Jahres nach dem Stress der Ausstellungen bespricht, ob man alles richtig gemacht hat oder ob es etwas zu verbessern gibt, dann ist jedes neue Jahr eine Herausforderung.«

Die Ursachen für den Niedergang der Kleintierzucht dürften in den zahlreichen konkurrierenden Freizeitangeboten zu suchen sein und darin, dass die Kleintierzucht, anders als in der Nachkriegszeit, heute keine große Rolle bei der Ernährung der Bevölkerung mehr spielt. Weitere Probleme kommen hinzu. Befindet sich das Zuchtgelände innerhalb der Ortslage, klagen Anwohner über das Krähen der Hähne. Findet die Ausstellung im Saal des Bürgerhauses statt, beschweren sich Gäste über den Geruch, den die Kaninchen, Gänse, Enten, Hühner und Tauben zurücklassen. Andere Vereine können eine Woche lang wegen der Vorbereitung der Schau den Saal nicht benutzen.

Züchtende Jugendliche lernen in der Kleintierzucht den Umgang mit Tieren. Von den Lokalpolitikern wird bei Ausstellungseröffnungen stets der Anteil der Züchter bei der Erhaltung der Biodiversität gewürdigt. So wundert sich der Laie beim Besuch einer Schau darüber, wie viele Tierarten es in unserer Region gibt, und er kann ausgefallene Lebewesen wie die Lockengans oder das Italienische Mövchen bestaunen.

In Ilbenstadt finden keine Ausstellungen mehr statt. Mittlerweile sind alle Käfige und der gesamte Ausstellungsbedarf verschenkt worden. Kameraden aus drei Vereinen holten die Utensilien ab. Einige Käfige gelangten bis nach Bad Orb.

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