War der Weißstorch in den 70er Jahren fast verschwunden, gibt es in der Wetterau nun wieder mindestens 120 Paare. Das sind zu viele, meinen manche, die dadurch andere Tierarten in Gefahr sehen - zu Unrecht, sagt Udo Seum vom NABU. SYMBOLFOTO: DPA
+
War der Weißstorch in den 70er Jahren fast verschwunden, gibt es in der Wetterau nun wieder mindestens 120 Paare. Das sind zu viele, meinen manche, die dadurch andere Tierarten in Gefahr sehen - zu Unrecht, sagt Udo Seum vom NABU. SYMBOLFOTO: DPA

"Keine Gefahr für andere Tiere"

  • vonRedaktion
    schließen

Niddatal(bf). Es gibt mehr, aber nicht zu viele Störche in der Wetterau - diese Auffassung hat Udo Seum während der jüngsten Veranstaltung in der Reihe "NABU am Freitag" bekräftigt. Die NABU-Umweltwerkstatt Wetterau hatte den Storchenexperten zu einer Online-Gesprächsrunde eingeladen. Frank Uwe Pfuhl, der Vorsitzende der Umweltwerkstatt, übernahm die Leitung.

Diesmal ging es um die Frage: "Gibt es wirklich zu viele Störche in der Wetterau?" Und Seums Antwort fiel eindeutig aus: Nein. Damit widersprach er den von einzelnen Jägern auch in der WZ geäußerten Meinung, dass es in der Wetterau zu viele Störche gebe.

Nachdem der Weißstorch in den 70er Jahren in Hessen fast verschwunden war, gibt es laut Experten nun so viele Tiere wie zuletzt vor 200 Jahren. Die Zahl der Storchenpaare ist dieses Jahr in der Wetterau auf mindestens 120 angestiegen, sagte Seum. Mittlerweile besiedelt das Tier Gebiete, in denen es früher kaum vorkam, wie zum Beispiel im Büdinger Stadtteil Diebach am Haag.

Doch nicht jeder ist von diesem enormen Anstieg begeistert. Jäger wenden ein, dass die Population der Weißstörche in Teilen der Wetterau inzwischen zu groß sei, die Tiere nicht genügend Futter fänden und deshalb auch junge Hasen, Schlangen oder Bodenbrüter wie Rebhuhn, Wachtel oder Kiebitz jagten. Dadurch sei der Bestand anderer Tierarten gefährdet.

Seum widersprach: "Dass andere Tierarten, wie Junghasen und Kiebitze, durch die Störche dezimiert werden, ist nicht wahr. Die Hauptnahrung der Störche sind nach wie vor Regenwürmer, Frösche und Mäuse, auch wenn in Ausnahmefällen mal ein Junghase gefressen wird." Zudem nehme die Kiebitzpopulation in der Wetterau weiter ab, ohne dass die Störche hierfür verantwortlich seien.

Diese Meinung vertritt auch BUND-Kreisvorsitzender Dr. Werner Neumann, der während der Gesprächsrunde zugeschaltet wurde. "Die Störche sind nicht schuld, dass der Bestand der Kiebitze zurückgeht, sondern eher die industrielle und nicht ökologische Landwirtschaft."

Mit dem Fernglas auf Ringsuche

Seum vermittelte in der Gesprächsrunde auch grundsätzliches Wissen über den Storch und seinen Lebensraum in der Wetterau und untermalte seine Erläuterungen durch eine Präsentation. Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Veranstaltung und konnten mittels eines Chats auch Fragen stellen. So fragten sie zum Beispiel, wie die Beinringe der Störche abgelesen werden. Seum erläuterte, er fahre jedes Jahr die Auen ab, um nach beringten Störchen Ausschau zu halten. Mit seinem Fernglas und Spektiv mit 90-facher Vergrößerung könne er die Nummern einwandfrei ablesen. Dadurch erkenne er zum Beispiel auch, dass viele Störche hier gar nicht heimisch seien, sondern aus anderen Ländern, zum Beispiel Schweden, stammten und in der Wetterau nur "Rast" machten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare