Lebenslange Haft

Kein Geständnis, keine Reue im Beilmord-Prozess

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Er habe seinen Freund in Ilbenstadt brutal ermordet und beraubt, warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Ein anderer sei der Mörder, entgegnete der 21-Jährige. Das Gericht glaubte ihm nicht.

Der inzwischen 21-jährige Philipp H. aus Weilrod im Hochtaunus erschien am Dienstag in Jeans vor seinen Richtern in der 1. Strafkammer des Gießener Landgerichts. Sein Gesicht drückte Angst aus, aber nur in den ersten Sekunden. Nachdem ein Justizbediensteter die Handschellen gelöst hatte, senkte sich der Blick von Philipp H. wie an jedem Verhandlungstag auf ein Papier, das er unablässig beschrieb. Nur ganz selten sah der Angeklagte seine Richter an – niemals aber die Familie des Mordopfers am Tisch der Nebenkläger. Auch ihm tue der Tod von Carsten B. leid, sagte Philipp H. in seinem letzten Wort vor dem Urteil. Aber er sei nicht der Mörder.

Am Dienstag verurteilte ihn die 1. Strafkammer zu lebenslanger Haft, obwohl Philipp H. zur Tatzeit noch als Heranwachsender gegolten hatte. Nach 15 Jahren wird regulär eine Entlassung geprüft. Der Staatsanwalt wollte die wegen besonderer Schwere der Schuld nahezu unmöglich machen. Doch das lehnte das Gericht ab. Die Verteidiger hatten vergeblich für einen Freispruch wegen Mangels an Beweisen plädiert.

Opfer hatte keine Chance

Sicher ist, dass der Freund und Mentor von Philipp H. am Mittag des 7. April 2017 erschlagen wurde. An seinem eigenen Wohnzimmertisch am Ortsrand von Ilbenstadt fand ihn der 28-jährige Mieter später mit beinahe abgetrenntem Kopf in einer Blutlache. Mit einem gut 800 Gramm schweren Tomahawk hatte der Täter den 41-jährigen Finanzmakler Carsten B. von hinten rechts attackiert. Schon die ersten von insgesamt 13 Schlägen haben die Halswirbelsäule nahezu durchtrennt. Carsten B. war sofort querschnittsgelähmt und muss nach wenigen Sekunden das Bewusstsein verloren haben. "Er hatte keine Chance, seinem Tod zu entkommen", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter. Nach seiner Überzeugung ist Philipp H. der Täter.

Festnahme kurz vor Kauf einer Limousine

Der damals noch 20-Jährige wusch nach dem Mord im Badezimmer das Blut vom Tomahawk und fuhr dann im Golf seiner Mutter nach Weilrod. Unterwegs entsorgte er das Beil und das Handy des Opfers im Wald. Bei der Mutter holte sich der junge Mann sein eigenes, auffälliges US-Auto ab. Dann brachte er dem Scheidungsanwalt der Mutter ein ausstehendes Honorar, vertröstete in der Sparkassen-Filiale seinen Berater, dem er noch Geld schuldete. Und fuhr zu seiner schwangeren Freundin. Er habe nicht aufgewühlt gewirkt, berichteten später alle Zeugen vor Gericht.

Am nächsten Morgen nahm man Philipp H. fest, noch bevor er für 30 000 Euro eine Corvette-Limousine kaufen konnte. Weitere 53 000 Euro und das Notebook des Mordopfers fand man im Zimmer der Verlobten. Während des Prozesses kam heraus, dass der junge Mann systematisch seine Mitmenschen belog. Er hat laut Richter Wellenkötter "auf dicke Hose gemacht" und sich als Anteilseigner einer lukrativen Firma, als reicher Erbe und Besitzer eines Ferienhauses in Monaco ausgegeben. Verwandten und Bekannten versprach er sieben Prozent Monatszins für ihr Erspartes. Sie gaben es ihm in fünfstelligen Summen.

"Genickbruch" gegoogelt

Anfang 2017 war das Geld ausgegeben. Dabei wollte Philipp H. aufwendig heiraten und ein großes Auto kaufen. Also schlug er seinem Freund Carsten B. ein Geldtausch-Geschäft vor, damit er sichergehen konnte, dass 100 000 Euro im Hause des Finanzmaklers waren. Vorher googelte der junge Mann Begriffe wie "Genickbruch – was passiert da?" Weil er das Geld so dringend brauchte, nahm Philipp H. nach Ansicht des Gerichts in Kauf, dass ihn der Mieter und ein Nachbar des Opfers vor Ort sahen. Erst nach mehreren Prozesstagen beschuldigte der 21-Jährige den Mieter, Carsten B. erschlagen zu haben. Das führte zu Nachermittlungen. Doch am Ende sprach weder ein Motiv noch irgendeine Spur für den Mieter als Täter.

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