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Turmfalken haben es sich im Giebel bei Marco Tillmann gemütlich gemacht. Ihr Treiben nimmt er mit einer Webcam auf.

Turmfalkennest in Kaichen

Kaichener beobachtet, was seine Turmfalken so treiben

Unter Marco Tillmanns Giebel ist ganz schön was los: Zwei Turmfalken haben sich bei dem Kaichener eingenistet. Tillmann hat eine Kamera eingebaut, und die filmt wirklich alles mit.

Zweieinhalb Jahre ist es her, da hat Marco Tillmann das erste Mal einen Greifvogel bei den Nachbarn auf dem Dach entdeckt. Mit einem Teleobjektiv gelang dem 47-jährigen Produktmanager aus Kaichen ein Foto des Tieres, das er schließlich als Turmfalke identifizierte. »Das Weibchen nutzte gern den Giebel unseres Hauses als Ausguck«, sagt Tillmann. Seither interessiert er sich nicht nur für die Vögel, er hat auch eine Möglichkeit gefunden, ihnen besonders nahe zu kommen.

Kurze Zeit nach dem ersten Foto und nach eingehender Recherche entschied er sich dafür, ein Turmfalkennest unter seinem Giebel anzubringen. »Den wollten wir sowieso streichen. Da habe ich im NABU-Shop ein passendes Nest gekauft. Das will man lieber mit einem Gerüst als mit einer Leiter anbringen«, sagt Tillmann.

Und tatsächlich, das Nest ist ein Erfolg: »Im Frühjahr 2019 habe ich zum ersten Mal Falken im Nest gesehen. Sie waren allerdings noch sehr scheu und haben auch noch nicht gebrütet«, sagt Tillmann. Im Jahr 2020 war es dann aber soweit: »Da haben sie sogar zweimal gebrütet. Ich glaube, es waren jeweils zwei Junge, also nicht besonders viel. Aber ich konnte mir ja nicht sicher sein«, sagt der 47-Jährige. Seine Turmfalken nur von unten zu beobachten reichte ihm nicht mehr. Eine Idee manifestierte sich bei Tillmann.

Webcam im Falkennest

»Für meinen Job nehme ich oft an Videokonferenzen mit Kollegen aus dem Ausland teil. Ich nutze dabei eine Applikation, die meinen Hintergrund mit einem Webstream ersetzt, also mit dem Video einer anderen Kamera«, sagt Tillmann. So haben seine Kollegen sehen können, wie es bei ihm in Kaichen aussieht. »Das bricht schnell das Eis bei Konferenzen.«

Um das zu erreichen, hat Tillmann einen Mikrocomputer mit einer Kamera kombiniert. So kann der selbst ernannte Bastler die Bilder und Videos in sein Heimnetzwerk streamen. »Daraus ist dann die Idee entstanden, dasselbe auch mit dem Falkennest zu machen.« Tillmann baute kurzerhand dieselbe Technik in das Nest ein. »Die Komponenten und die Software sind frei erhältlich, und mit ein wenig Basteltalent bekommt man ein regenfestes Gehäuse hin«, sagt Tillmann. Auch diese Bilder nutze er gerne mal für seine Videokonferenzen - zumindest für die ersten Minuten.

Videos auf YouTube-Kanal

Mit dieser Technik kann der Kaichener Familienvater seine Falken praktisch jederzeit beobachten. Aber er behält diese Bilder nicht nur für sich. »Alle paar Tage lade ich die Bilder und Videos herunter und auf meinem YouTube-Kanal wieder hoch. So können sie alle sehen«, sagt er. Mittlerweile fühlen sich die Turmfalken bei Tillmanns sehr wohl. »Sie beobachten mich nur noch manchmal, wenn ich im Garten bin.« Die Faszination für Vögel habe sich seit Einzug der Turmfalken noch verstärkt. »Wir haben auch Schwalbennester und Fledermaushäuser hier. Außerdem haben wir eine brütende Amsel im Gartenschuppen und ein Blaumeisennest, in dem auch eine kleine Kamera hängt«, sagt Tillmann. Der Tierfreund weiß, dass die ländliche Kaichener Umgebung zu dieser Vielfalt beiträgt. »Wir füttern auch nicht zu. Im Wald und auf den Feldern finden die Vögel genügend Futter.« Im Stundentakt bringe das Turmfalkenmännchen Mäuse in den Nistkasten. »Den Falken geht es gut. Wir lassen sie komplett in Ruhe«, sagt Tillmann.

Für ihn seien die Falken ein Teil des Alltags geworden. Er hofft, dass sie auch im nächsten Jahr wieder unter seinem Giebel brüten werden. »Es kann schon sein, dass genau dieses Falkenpärchen Jahr für Jahr zurückkommen wird«, sagt Tillmann. »Das wollen wir beobachten. Dank Webcam kann man die Tiere anhand ihrer individuellen Zeichnung sehr gut unterscheiden.« Es bleibe allerdings noch abzuwarten, ob die Greifvögel auch in diesem Jahr Nachwuchs großziehen. Tillmann zeigt sich zuversichtlich: »So, oder so, ich bin hautnah dabei.«

Angepasst

Der 2007 zum Vogel des Jahres ernannte Turmfalke ist ursprünglich ein Felsbewohner. Laut NABU zählt er daher zu den wenigen Gewinnern der Urbanisierung: Türme, hohe Häuser und Scheunen bieten ihm zusätzlichen Lebensraum. In Deutschland und Europa ist er deshalb häufig anzutreffen.

Der Greifvogel ist schon nach einem Jahr geschlechtsreif und geht dann zumeist eine monogame Beziehung ein - Turmfalkenpaare bleiben oft ein Leben lang zusammen.

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