"Man findet immer neue Sachen." Niddatals Bürgermeister Michael Hahn benötigt mehr Zeit als erwartet, um die Lage in der Verwaltung zu sondieren. 	ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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»Man findet immer neue Sachen.« Niddatals Bürgermeister Michael Hahn benötigt mehr Zeit als erwartet, um die Lage in der Verwaltung zu sondieren.

100 Tage im Amt

Jede Menge Baustellen für Niddatals Bürgermeister Michael Hahn

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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»Länger als gedacht« wird es dauern, sich einen Überblick im Rathaus zu verschaffen, sagt Michael Hahn. Nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt konstatiert der Niddataler Bürgermeister: »Es ist viel verschütt gegangen.« Seinen Tatendrang mindert das jedoch nicht.

Man musste sich erst aneinander gewöhnen: Dass er am Freitagmittag noch die Tagespost auf den Schreibtisch bekommen möchte, habe ihm verwunderte Blicke bei den Verwaltungsmitarbeitern beschert, erzählt Michael Hahn. Seit Ende Juni ist der Kaicher Bürgermeister in seiner Heimatkommune Niddatal. Und seit Ende Juni ist er »am Aufräumen«, wie er sagt. »Man findet immer neue Sachen«, lässt er kein gutes Haar an seinem Amtsvorgänger. Der habe vieles an sich gezogen, selten hätten die Ansprechpartner in der Verwaltung über alle Vorgänge Bescheid gewusst.

Dass Corona den Großteil der sonst für einen Bürgermeister anfallenden Termine platzen lässt, komme ihm beim Sondieren der Lage natürlich entgegen. Zu viel sei liegen geblieben in den vergangenen Jahren. Beispiel Altes Amtshaus in Kaichen: »Wir wissen nicht, ob wir den Zuschuss aus dem Dorferneuerungsprogramm in den Haushalt 2021 übertragen bekommen, weil er schon dreimal übertragen wurde.« Stadtrat Kurt Meisinger versuche derzeit »zu retten, was noch zu retten ist«. Eine weitere Konsequenz der Versäumnisse ist laut Hahn, dass die Stadt aus den Jahren 2007 bis 2016 ganze 450 000 Euro an unwiederbringlichen Forderungen niederschlagen müsse. Das belaste das ordentliche Ergebnis im Haushalt 2020. »Die Forderungsausfälle sind seit Jahren bekannt«, sagt Hahn. Den Ärger damit habe nun er.

Ausgezahlt habe sich seine Entscheidung, einen Architekten als Leiter der Bauverwaltung einzustellen. Der habe »mehr als genug Arbeit«. Der Brandschutz in den Kitas und der Verwaltung bereite Sorgen. Auch sonst ist die Betreuungssituation das bestimmende Thema. Es entzweit sogar die Politik. Die rot-rote Koalition aus SPD und Linken wollte die neue Kita im Ilbenstädter Kloster bauen, jetzt kommt sie doch auf den Brunnenplatz - was die Union seit Jahren gefordert hatte. Zwei Abgeordnete der Koalition fehlten bei der Abstimmung, weshalb es überhaupt eine Mehrheit für den CDU-Bürgermeister gab. Ein erster Sieg für Hahn, der mindestens noch bis zur Kommunalwahl im März ohne Mehrheit regieren muss.

Was wird aus dem Gollacker?

Dass ihm SPD und Linke den Kita-Kurswechsel übelnehmen, will er nicht verstehen: Er habe im Ausschuss Zahlen aus dem Juni 2018 und dem Mai 2020 präsentiert - und die habe er von seinem Vorgänger erhalten. »Wir brauchen sieben Gruppen, aber die sind aufgrund des Denkmalschutzes im Kloster nicht möglich, sagen die Architekten. Ganz einfach.« In Ilbenstadt und Kaichen seien schließlich Gruppen weggefallen.

Mit sachlichen Argumenten, unterfüttert durch Zahlen und Fakten, will Hahn auch in die nächste Schlacht ziehen: die um den Gollacker. Eine breite Mehrheit habe bei der Bürgermeisterwahl auch gegen die Bebauung des Feldes zwischen Assenheim und Bruchenbrücken gestimmt, erinnert Gollacker-Gegner Hahn. »Doch das hat die Genossen nicht einsichtiger werden lassen.« Noch ist rot-rote Beschlusslage, dass das Gebiet als Plus-Energie-Siedlung entwickelt wird. Die Hessische Landgesellschaft hat das Areal inzwischen vom Privateigentümer erworben. Doch vorher warten andere Baustellen: Hahn will etwa den Ordnungsbehördenbezirk mit Florstadt und Reichelsheim neu aufstellen und sich um zusätzliche Radwege kümmern. Die Facebook-Seite der Stadt hat er neu gestaltet, die Homepage folgt in Kürze. Alle Neugeborenen in Niddatal erhalten mittlerweile aus dem Rathaus eine Kuscheldecke als Begrüßungsgeschenk. »Das kommt gut an.«

Bald wieder mit Vorzimmer

Hahn will Aufbruchsstimmung verbreiten - auch in der Verwaltung. »Viele waren seit Jahren demotiviert und frustriert. Aber jetzt ziehen sie mit, weil sie sehen: Es geht vorwärts.« Seine Bürotür steht immer offen, außer es ist ein Gast da, verspricht Hahn. Ab November ist auch das Vorzimmer des Bürgermeisters wieder besetzt. Dann wird jemand ans Telefon gehen, sollte er doch mal wieder Lust verspüren, eine Runde mit dem Traktor zu fahren. »Hier kommen mir die besten Ideen«, weiß der frühere Landwirt.

Sprechstunde

Nach der ersten Sprechstunde von Bürgermeister Michael Hahn in Bönstadt sind nun die übrigen Stadtteile dran. Am Samstag, 24. Oktober, erwartet Michael Hahn angemeldete Bürger von 9 bis 12 Uhr im Bürgerhaus Ilbenstadt. Am 14. November ist er in Kaichen; am 5. Dezember in Assenheim. Anmeldung bei Silvia Lesiak, Telefon 0 60 34/91 24 21 oder per E-Mail an silvia.lesiak@niddatal.de.

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