CDU und Grüne beerdigen den Gollacker

Niddatal-Assenheim (hed). Auf dem Gollberg zwischen Bruchenbrücken und Assenheim wird in den nächsten Jahren kein Baugebiet entstehen. CDU und Grüne machen ihre Androhungen war und stimmten bei der Stadtverordnetensitzung am Mittwochabend dafür, die Pläne aufzugeben.

Die SPD und Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel hatten zuvor noch versucht, die Entscheidung erneut zu vertagen und weitere Gutachten in Auftrag geben zu lassen. Ein entsprechender Antrag aber scheiterte.

Das brisanteste Niddataler Thema der letzten Jahre ist zu den Akten gelegt: Der Gollacker bleibt unbebaut, Eigentümer Dr. Claus Fischer auf seinen Grundstücken sitzen. CDU und Grüne, die einer Bebauung stets skeptisch gegenübergestanden hatten, kippten am Dienstag die Pläne des Magistrats. SPD und FWG hatten für eine weitere Beratung votiert, FDP-Mann Roland Gosebruch enthielt sich. Zuvor waren die bekannten Argumente für und gegen das Baugebiet ausgetauscht worden.

"Das ist sehr schade. Wir vertun hier eine riesige Chance", fasste SPD-Fraktionschef Achim Saßmannshausen zusammen. Sein Fraktionskollege Dr. Dirk Schneider, der selbst ein "schlechtes Bauchgefühl" beim Gollacker habe, hatte noch versucht, die Entscheidung zu vertagen. Sein Antrag, der Magistrat solle bis Ende April ein Gutachten vorlegen, dass langfristige Folgekosten und Nutzen aufzeigt und auch andere mögliche Baugebiete nach diesen Kriterien bewertet, wurde abgelehnt.

Gerhard Einhoff machte in einer verlesenen Erklärung die ablehnende Haltung der CDU deutlich: Mit dem Gollacker hätte Hertel die Ortskernentwicklung "aufs Schafott" geführt. Der Bürgermeister wedele nur "mit dem Scheckbuch von Dr. Fischer", um seine Großsporthalle in Assenheim finanzieren zu können, so die Ansicht der Union. Nicht nur die "Hauptstadt" Assenheim, sondern auch die anderen Stadtteile müssten entwickelt werden. Zur Eigenentwicklung der Stadt gebe es zudem Alternativen, befand Einhoff. Es brauche "familienfreundliche Initiativen" für die vom Aussterben bedrohten Ortskerne. Es waren Argumente, mit der auch die vornehmlich aus Anwohnern der Altkönigstraße bestehende Interessengemeinschaft "Assenheim21" gegen die Pläne mobil gemacht hatte.

Die Grünen seien gegen die Ausweisung von Baugebieten auf der grünen Wiese, betonte Markus Nikleniewicz. Fraktionschef Dieter Eisenberg ("Vieles an der Planung war abenteuerlich") hatte vor allem mit dem Verkehr Probleme. Denn für die Kreisstraße und den Radweg fehle eine vernünftige Planung seitens des Wetteraukreises.

"Ihre Entscheidung stand fest"

Bürgermeister Hertel betonte in einer langen Rede noch einmal, welche Argumente aus seiner Sicht für das Baugebiet sprechen. So glaubt er nicht, dass einzelne Baugrundstücke in den Ortslagen das leisten können, wozu der Gollacker imstande gewesen wäre: nämlich den demografischen Wandel abzumildern. Hertel warnte erneut vor einer Vergreisung Niddatals, sollte man keine jungen Familien in die Stadt holen.

Dass der Regionale Flächennutzungsplan keine alternativen Wohnbaugebiete dieser Größe vorsieht, hätten auch die zuvor von der CDU als Gegner der Pläne zitierten Altbürgermeister zu verantworten. "Man hätte das Gebiet ja streichen können." Er unterstellte CDU und Grünen, deren Entscheidung gegen die Pläne habe von vornherein festgestanden. Daran habe auch das Gespräch mit Dr. Fischer, an dem die Fraktionsvorsitzenden teilnahmen, nicht geändert.

Anwohner am Gollberg, die die Debatte im Bürgerhaus verfolgt hatten, zeigten sich erleichtert über die Entscheidung des Parlaments. "Die Vernunft hat gesiegt", so "Assenheim21"-Sprecher Roman Schramm. Seiner Ansicht nach hatte es Hertel versäumt, klare Zahlen zur Wirtschaftlichkeit auf den Tisch zu legen. "Dann wären vielleicht bessere Argumente gekommen." Das am Hang aufgestellte Schild "Baugebiet Gollacker – Nein Danke" wolle man zwar wegräumen, aber keineswegs entsorgen. Schramm: "Wer weißt, ob das Ganze nicht in ein paar Jahren wieder diskutiert wird."

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