Prozession anno 2020: Gottfrieds Reliquien fahren im Schrein durch den Ort. FOTOS: UDO
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Prozession anno 2020: Gottfrieds Reliquien fahren im Schrein durch den Ort. FOTOS: UDO

Gottfriedsfest diesmal ohne Lichterprozession

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Wegen der Pandemie wurde auf die Lichterprozession zum Gottfriedsfest verzichtet. Die Reliquien des Heiligen wurden stattdessen mit einem Traktor durch die Straßen Ilbenstadts gefahren. Der emeritierte Generalabt der Prämonstratenser, Thomas Handgrätinger, hielt die beiden Festpredigten in den Gottesdiensten. Er war schon häufig zum Gottfriedsfest in Ilbenstadt zu Gast.

Pfarrer Bernd Richardt kennzeichnete in seinen Begrüßungsworten Gottfried als einen der bedeutendsten weltlichen Würdenträger seiner Zeit, der sein Leben in der Nachfolge Christi vollkommen auf den Kopf stellte.

Handgrätinger eröffnete seine Predigt mit der Frage, ob die Kirche durch die krisenbedingte Distanz die Menschen im Stich gelassen habe. Viele Menschen hätten sich alleingelassen gefühlt. Es komme nicht auf die Systemrelevanz an, sondern auf die Existenz und das Heil. Die derzeitige Hilflosigkeit lasse uns besser verstehen, was die Heiligen des Mittelalters leisteten.

An zwölf Plätzen gab es bei der Traktorrundfahrt eine kurze Andacht. Eine informelle Bläsergruppe begleitete den Umzug. Pfarrer Richardt ordnete den einzelnen Plätzen der Andachten Stationen in Gottfrieds Leben zu und las Abschnitte aus der Bergpredigt vor. Die Stationen der Prozession waren die Schule, der Friedhof, die Mühle, Augasse, Dortelweiler Ring, Gottfriedsweg, Am Krautgarten, Hügelstraße, Gartenstraße, Feldbergstraße, Tepler Straße, der Kindergarten. Der Abschluss war in der Basilika.

Gottfried von Cappenberg ist der Schutzpatron der Wetterau. Seine Reliquien ruhen im Chor der Basilika. Am ersten Septembersonntag des Jahres 1911 wurde seine Hauptreliquie aus Prag nach Ilbenstadt überführt. Sie war dorthin gelangt, weil der letzte Ilbenstädter Abt, Caspar Lauer, sie nach der Säkularisierung im Jahr 1806 mit in seinen Alterssitz nach Camberg geführt und dann zu ihrem Schutz auf den Prager Hradschin geschickt hatte. Gottfried ließ sich von Norbert von Xanten, dem Gründer des Prämonstratenserordens und späteren Erzbischof von Magdeburg, zum Prämonstratenserorden, einem Orden von Regelkanonikern, bekehren und gründete die drei ersten Prämonstratenserklöster in Deutschland. Die Basilika wurde 1159 geweiht.

Die Cappenberger waren mit den Saliern und den Staufern verwandt. Durch die Verbindung Gottfrieds von Cappenberg mit Jutta von Arnsberg war Westfalen auf dem Weg zum Territorialstaat ein bedeutendes Stück vorangekommen. Durch Gottfrieds Weg ins Kloster wurde dieser Prozess jäh unterbrochen; die Entwicklung um Jahrhunderte zurückgeworfen. Daher rührt der zähe Widerstand des Schwiegervaters Gottfrieds, Friedrichs von Arnsberg, gegen Gottfrieds Gang ins Kloster.

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