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Glaubensgemeinschaft ohne Kontakte

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal (udo). Wie arbeiten die Kirchenvorstände in der Coronavirus-Pandemie? Wir haben bei den Niddataler Gemeinden nachgefragt.

Assenheim: Dr. Susanne Wagner, Vorsitzende des Kirchenvorstands in Assenheim, erzählt, viele dächten, wenn kein Gottesdienst stattfindet, hätte der Kirchenvorstand auch nichts zu tun. Dies sei »weit gefehlt«, denn eine Kirchengemeinde zu leiten heiße, »ein Kleinunternehmen ehrenamtlich zu führen«.

Die Corona-Schutzmaßnahmen beeinträchtigten die Arbeit der Kirchengemeinden sehr, da diese normalerweise von Gottesdiensten, Zusammenkünften, Feiern und Gruppenerlebnissen geprägt sei. Die Arbeit habe sich daher grundlegend geändert und verlange dem Kirchenvorstand einen Mehraufwand ab. Laut Wagner gibt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für laufend aktualisierte Maßnahmenkataloge vor, die die Gemeinden für sich angepasst umsetzten. Dazu kämen die vom Land Hessen und den Kommunen vorgegebenen Corona-Bestimmungen. »Dabei sind die Auflagen der EKHN strenger als die Vorgaben vom Land«, erklärt Wagner.

Neben der Anschaffung von Desinfektionsmittel, Masken und Plakaten seien Kirchenvorstand und Pfarrpersonen besonders in Sachen Kreativität und Zeit gefordert. Beides sei notwendig, um Alternativen zu ausfallenden Veranstaltungen zu entwickeln. Wagner zählt beispielhaft 62 Abende mit Online-Andachten und Trompetensoli aus dem Fenster des Pfarrhauses, den Open-Air-Gottesdienst zu Erntedank sowie »Gottesdienste to go« zu Ostern, Weihnachten und Silvester auf.

Es entstünden zusätzliche Kosten durch Aktionen, Installationen, die Produktion von Online-Gottesdiensten oder wöchentliche Live-Streams. Häufig müssten geplante Veranstaltungen zudem wieder abgesagt werden. Das bedeute, dass Zeit und Energie vergebens investiert worden seien, etwa bei den Open-Air-Gottesdiensten zum Totensonntag und Heiligabend. Durch den Wegfall von Gottesdiensten und Veranstaltungen hätten die Gemeinden zudem so gut wie keine Einnahmen mehr, die Kosten für die Gebäudeerhaltung und das Personal liefen jedoch weiter.

Der Kirchenvorstand von Assenheim treffe sich in regelmäßigen Präsenz-Sitzungen, einerseits, um die Geschäftsführung aufrechtzuerhalten, andererseits, weil nicht alle Mitglieder die Möglichkeit von digitalen Zusammenkünften hätten. Zusätzlich kämen Online-Veranstaltungen und Fortbildungen. »Die Corona-Krise bedeutet für den Kirchenvorstand einen erheblich größeren Aufwand an ehrenamtlicher Arbeitszeit, verbunden mit hohen finanziellen Verlusten für die Kirchengemeinden«, fasst Wagner zusammen.

Schwierige Situation

Ilbenstadt: Anita Weiße berichtet, dass die Arbeit des Kirchenvorstands in Ilbenstadt stark behindert sei, er sich aber wenigstens einmal im Monat treffe. Intensive Arbeit sei zu verrichten, da aktuell kein Pfarrer da sei. Präsenzgottesdienste fänden nicht statt. Für Weihnachten sei ein Wintermärchen geplant gewesen, das mit Instrumenten begleitet werden sollte. Lars Rapp, Solopauker des HR-Sinfonieorchesters, der im Dorf lebt, hatte dafür Instrumente bereitgestellt. Zudem musste die Kirchenvorstandswahl vorbereitet werden.

Wegen der Trennung von der Kirchengemeinde Bruchenbrücken werde mit dem Gemeindebüro in Assenheim zusammengearbeitet, um sich am neuen - und für die Zukunft wichtigen - Kooperationsraum Niddatal-Wöllstadt zu orientieren. Zurzeit werde darüber gesprochen, was an Ostern veranstaltet werden könne. Geplant sei eine ökumenische Aktion mit Osterkreuzen in den Vorgärten.

Digitalisierung schafft Abhilfe

Dorn-Assenheim und Wickstadt: Kai R. Wornath, Pfarrer der Pfarreien Wickstadt und Dorn-Assenheim, teilt auf Anfrage die Antwort der Wickstädter Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Elmar Karhof mit. Die Corona-Krise beeinträchtige auch hier die Arbeit der Gremien in der Pfarrgruppe. Treffen fänden als Videokonferenzen oder als Hybrid-Konferenzen, also als Video- und Präsenzmeeting, statt. Die Zahl der Treffen habe sich, was die Gemeindearbeit angeht, aber dennoch eher verringert, da nahezu alle Veranstaltungen corona-bedingt ausgefallen seien. Es fänden aber auch Abstimmungen über Chat-Gruppen statt.

Darüber hinaus gebe es zahlreiche virtuelle Treffen auf Dekanatsebene, da hier intensiv an der neuen Struktur, dem pastoralen Weg, gearbeitet werde. Hier stünden auch verschiedene Videoformate zur Verfügung sowie darüber hinaus die Möglichkeit, Dateien über ein cloudbasiertes Tool auszutauschen, sodass die Digitalisierung einen Teil der Ausfälle kompensiere.

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