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Wie mit der Situation umgehen? Wolfram Peppler (l.) und Welf Bücken im Gespräch über den Wald.

Holzmarkt

Gespaltener Holzmarkt: Problem auch in Niddatal

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Baumarktbesucher merken es, Hausbauer auch: Die Preise für Holz sind enorm gestiegen. Gleichzeitig beklagen Waldbesitzer geringe Einnahmen. Die Problematik zeigt sich auch im Niddataler Wald.

Der Holzmarkt ist gespalten. So beschreibt es Christian Raupach. Der geschäftsführende Direktor des hessischen Waldbesitzerverbands berichtet, dass der Rohholzpreis trotz gewachsener Nachfrage seit 2015 gesunken sei. »Das Schadholz ist die Ursache dafür, dass die Preise so gedrückt wurden.« Denn dadurch seien Unmengen Holz auf den Markt gekommen.

Die Probleme des Markts zeigen sich auch in dem rund 300 Hektar großen Wald bei Assenheim. Das Areal ist im Besitz des Grafen zu Solms-Rödelheim und Assenheim und wird von Wolfram Peppler, Inhaber der Firma Forstservice Peppler, bewirtschaftet. »Wir haben viel Holz«, sagt er. »Aber das wird uns nur durch hohe preisliche Abschläge oder gar nicht abgenommen.«

Habe man vor vier Jahren für eine Fichte noch rund 100 Euro pro Festmeter bekommen, sei der Preis in 2019/20 auf 35 Euro gefallen - wenn man das Holz überhaupt losgeworden sei. Inzwischen sei der Preis für frische, gesunde Fichte zwar wieder gestiegen. Aber: »Ich bekäme hier nicht mal einen Lkw voll.«

Diese Entwicklung hat auch mit dem Weltmarkt zu tun: Durch die trockenen Jahre sind Millionen Festmeter Holz aus vielen Ländern auf den Markt gekommen. Sägewerke haben Überkapazitäten gefahren, um viel zu verwerten. Der Markt nahm es auf. Aber nicht hier, sondern u. a. in den USA. Denn auch in Kanada, dem Hauptlieferanten der USA, waren Tausende Hektar der Trockenheit zum Opfer gefallen, der Einschlag von Frischholz wurde reduziert. Zudem arbeiteten die USA unter Trump mit Zöllen. Durch den Ausfall der kanadischen Importe fragten US-Käufer in Europa an - und wurden beliefert.

Hinzukommen die Probleme in den heimischen Wäldern. In Assenheim lässt sich das erkennen: Lichtungen, wo keine sein sollten, kranke und sterbende Bäume - wer danach sucht, findet schnell Anzeichen dafür, dass es dem Wald schlecht geht. Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat einen großen Einfluss darauf und begünstigt zudem die Vermehrung von Borkenkäfern, die sich vor allem in Fichten einnisten und die Bäume töten. Dieses Jahr, sagt Peppler, sei die Ausbreitung wegen des kalten Frühlings langsamer vorangeschritten. Doch nun, nach den heißen Tagen im Juni, sei der Bestand »wieder explodiert«.

Hohe Kosten und Unsicherheit

Durch den Befall verändert sich das Holz, die Farbe wird anders, erklärt Welf Bücken, Direktor der Rentkammer des Grafen. Und die Industrie lehne Schadholz ab. Auch, weil sich die Ansprüche verändert hätten. Ein Beispiel ist die Kiefer, die oft vom Bläuepilz befallen sei. Werde ein kranker Baum im Sommer gefällt, färbe sich das Holz blau. »Vor einigen Jahren sind damit noch Paletten hergestellt worden. Aber die will heute niemand mehr«, sagt Peppler.

Ein anderes Beispiel sind die vom Eschentriebsterben (auch durch einen Pilz verursacht) betroffenen Eschen. Das biegsame Holz der Esche sei früher oft zu Skiern verarbeitet worden, sagt Bücken. Heute werden daraus vor allem Stiele (etwa für Spaten) gefertigt. Aber, auch hier: Mit dem Befall ändere sich die Farbe, potenzielle Käufer lehnten ab.

Der Holzmarkt ist gespalten - diese Problematik zeigt sich auch im Niddataler Wald.

Wie sich die Situation entwickelt, wisse keiner. Zurzeit sei Waldbewirtschaftung ein Minusgeschäft. Waldbesitzer könnten es sich angesichts der finanziellen Situation nicht leisten, all die Flächen wieder zu bepflanzen, auf denen der Altbestand sterbe. Und Setzlinge, sagt Bücken, brauchen Jahrzehnte, bis sie gewachsen sind und letztlich vermarktet werden können. In dieser Zeit müsse aber in sie investiert werden: Anschaffung, Pflege (damit sie nicht überwuchert werden). Ein Hektar Kulturpflege koste den Waldbesitzer im Schnitt 2000 Euro pro Jahr, wie Peppler sagt. »Bei den Einnahmen wird es dünn, aber die Ausgaben bleiben hoch.«

Was hinzukomme, ist der Unsicherheitsfaktor - ob bspw. die Eichen-Setzlinge es schaffen werden. Zumal sich wegen des Klimawandels die Bedingungen verändern (Temperatur, Trockenheit). Welche Arten damit umgehen können und welche nicht, könne keiner vorhersagen. »Die Forstleute wissen selbst nicht, wo die Reise hingeht«, sagt Bücken. Oder was zu tun ist: Aufforsten, sagen die einen, den Wald sich selbst überlassen, die anderen. Nur beim Selbstüberlassen, sagt Bücken, diene der Wald weder der Gesellschaft noch dem Klima: Zum einen, weil verarbeitetes Holz CO2 binde. Zum anderen, weil Holzbauweise insofern gut sei, als Holz in der Verarbeitung weniger energieaufwendig sei als die Herstellung von Stahl und Beton. »Wir schaffen es, den Wald zu erhalten, aber ob das dann noch ein Wirtschaftswald ist, der der Gesellschaft dient, bezweifle ich.«

Vom Rohstoff zum Möbelstück

Unterschiedliche Holzarten werden für unterschiedliche Endprodukte benötigt. Im Wald bei Assenheim wird daher an mehrere Firmen verkauft, sagt Wolfram Peppler. Ein Abnehmer ist zum Beispiel das Furnierwerk in Laubach - dort wird, wie Peppler berichtet, Sperrholz hergestellt, das dann in der weiteren Produktion beispielsweise zu Stühlen verarbeitet wird.

Wenn Peppler Holz verkauft, geschieht das in mehreren Schritten: Im ersten Schritt markiert er bei einer Waldbegehung Bäume, die gefällt werden können oder müssen. Danach wird der Baum gefällt und vom Holzrücker an den Wegesrand gebracht, wo dann, nachdem Peppler erneut sortiert und markiert hat, die Verhandlungen mit dem jeweiligen Käufer geführt werden.

Ein anderes Beispiel aus der Branche ist die Eiche. Nach wie vor zählt sie zu den wertvollsten heimischen Nutzhölzern und wird etwa zu Möbeln verarbeitet oder für den Innenausbau verwendet. Neben dem klassischen Handel zwischen Waldbesitzer und Käufer gibt es für Eichen Auktionen, veranstaltet von Hessen Forst, berichtet Welf Bücken. Die Waldbesitzer fahren dort ihre Stämme hin (in der Nähe von Schlüchtern), wo sie versteigert werden.

Beim Holzverkauf spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ein Stamm, egal welcher Sorte, besteht aus mehreren Güteklassen, erklärt Peppler. »Ein Baum trägt ja nicht nur das Top-Sortiment in sich.« Die Industrie sei grundsätzlich an gesundem Holz interessiert, da Schadholz oft auch seine statische Eigenschaft verliere.

Prämie für Waldbesitzer

Zum Beispiel fällt bei einer normalen Fichte oft der mittlere Teil in die sog. Erste-Güte-Kategorie - beispielsweise für die Möbelproduktion. Der untere Teil (oft angefault) werde zum Beispiel für Paletten genutzt (2. Güte). Das Holz der Krone werde lediglich für Produkte wie Spanplatten genutzt.

Das Dilemma für Waldbesitzer, wie Peppler sagt: Einerseits wolle die Industrie kein Schadholz, andererseits gebe es Einschlagsbeschränkungen - »Vorratsabbau ist nicht zulässig.« Im November 2020 konnten Waldbesitzer die sogenannten Bundes-Waldprämie von 100 Euro pro Hektar (bei PEFC-Zertifizierung) bzw. 120 Euro (für FSC- und Naturland-Zertifizierungen) beantragen. Gefördert wird das Programm vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung. Beantragen können die Prämie sowohl kommunale als auch private Waldbesitzer. sda

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