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Beim Adventskonzert des Lions Club Wetterau faszinieren die "Saxophonbesitzer" nicht mit altbekannten Melodien, sondern durch die ungewöhnliche Präsentation und die eigene Virtuosität. Fotos: udo

Ganz neue Klangerlebnisse

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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Der Name "Die Saxophonbesitzer" ist so lustig wie der Name des Auswahlorchesters Enoch zu Guttenbergs "Klangverwaltung". Denn wie Klänge nicht "verwaltet" werden, ist mit "Besitz" wenig gewonnen. Die Heiligenfiguren der Ilbenstädter Basilika goutieren auf ihren Pfeilern seit Jahrhunderten Musik. Die Formation "Die Saxophonbesitzer" bescherte beim Adventskonzert des Lions Club Wetterau neue Klangerlebnisse. Sie spielen "alles, was mit Saxofonen Spaß macht", und bezeichnen sich als Ensemble ohne Berührungsangst.

Wie Johannes Seel, das Herz des Ensembles, sagte, hatte die Gruppe für das Konzert eine "Mischung aus Musik des Barock, traditioneller Adventsmusik und amerikanischen Weihnachts-Hits" vorbereitet. Ziel sei es, "die klanglichen Möglichkeiten aller Mitglieder der Saxofonfamilie abwechslungsreich zu präsentieren". Das Publikum befand, dass dies gelungen sei.

Originäre Orgelstücke erklangen, als ob sie für das Saxofon geschrieben worden wären. Bachs Toccata und Fuge in D-Moll bildeten den Einstieg. Werke barocker Meister ("Tochter Zion") und alte Weisen ("Maria durch ein Dornwald ging") folgten im Basilika-Konzert, welches 26 Titel umfasste. Händels majestätisches "Joy to the World" verhieß einen festlichen Nachmittag. Ohrwürmer ("Winter Wonderland") schlossen sich an. "Leise rieselt der Schnee" fehlte nicht. Mit dem Traditional "We wish you a merry Christmas" ging der fröhliche Nachmittag zu Ende.

Das ist ein "Tubax"

Zwei "Unverwüstliche", der swingende rotnasige Rudolph und der fromm voranstürmende Trommlerknabe, fanden zusammen. Die "Stille Nacht" gestaltete sich wundersam bewegt, und Kinderlieder wurden als Calypso dargeboten.

Die Stammband der "Saxophonbesitzer" besteht aus einer Handvoll Musikern, ein Dutzend Gäste wirkt in wechselnder Besetzung mit. In der Basilika spielten beim Adventstreffen Ludger Busch (Alt und Tenor), Julia Glotzbach (Alt und Sopran), Michael Sach (Sopran, Tenor, Bariton und Tubax) und Johannes Seel (Alt, Bariton, Arrangements) mit ihrem Besitz.

Was hat es mit dem "Tubax", das erst vor 20 Jahren entwickelt wurde, auf sich? Das Wort ist eine Neuschöpfung aus "Tuba" und "Saxofon". Das Tubax ist das tiefste Instrument der Saxofonfamilie. Es hat das gleiche Register wie ein Kontrabasssaxofon, es ist jedoch kompakter, weil die Röhre gewundener ist.

Seel erläutert, was eine Lokalität wie die Basilika für das Ensemble bedeutet: "Dieser Ort ist akustisch für uns spannend." Denn ein Saxofonquartett habe die gleichen musikalischen Qualitäten wie ein vierstimmiges Vokal-Ensemble. Dieser Klangkörper sei "geschaffen für sakrale Bauten und deren architektonische Orientierung an geistlicher Musik". Seel fasste zusammen: "Um der Kirche und den Saxofonen ›Raum‹ zu geben, spielen wir ohne Tontechnik oder elektronische Verstärkung." Noch das Musizieren mit dem 1840 erfundenen Saxofon steht in der Tradition der über 1000 Jahre alten Kirchenmusik. Die "Saxophonbesitzer" bewiesen Virtuosität und Einfallsreichtum im Umgang mit ihren "Blechklarinetten".

Beim Benefizkonzert trafen sich alle Mitglieder der Saxofonfamilie mit ihren "Besitzern". Nach den Eigentümern fragte niemand. Es faszinierten nicht die altbekannten Melodien, sondern die ungewöhnliche Präsentation und die Virtuosität der Künstler. Das Publikum bewunderte, dass das Ensemble sowohl den klassischen als auch den swingenden Vorlagen bravourös gerecht wurde, und spendete langen freudigen Applaus.

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