Das Haus Sankt Gottfried soll zum Jahresende geschlossen werden. Die Gemeinschaft der sogenannten Arbeitsgeschwister setzt sich für den Erhalt der Tagungsstätte ein. FOTO: UDO
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Das Haus Sankt Gottfried soll zum Jahresende geschlossen werden. Die Gemeinschaft der sogenannten Arbeitsgeschwister setzt sich für den Erhalt der Tagungsstätte ein. FOTO: UDO

Für den Erhalt von St. Gottfried

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Gegen die vom Bistum Mainz beschlossene Schließung seiner Jugendbildungsstätte, des Hauses Sankt Gottfried, zum Jahresende regt sich Widerstand. Die deutschsprachige Konferenz der Arbeitergeschwister, die sich seit 30 Jahren in Ilbenstadt versammelt, setzt sich für den Erhalt dieser "wertvollen Bildungsstätte" ein, wie die Gemeinschaft mitteilt. Sie fordert alle auf, die das Haus als Tagesbesucher, Seminarteilnehmer und Mitwirkende an Fortbildungsmaßnahmen kennen, es ihnen gleichzutun.

Aufschub gefordert

Die Arbeitergeschwister appellieren an die Verantwortlichen im Bistum, den Schließungsplan für die Tagungsstätte zurückzunehmen und Gespräche am Runden Tisch mit den Mitarbeitern und Nutzern der Einrichtung aufzunehmen. Sie seien empört über den plötzlichen Beschluss. Entgegen der Wahrnehmung, dass das Haus besonders an Wochenenden immer gut belegt war, solle das "überregional bekannte und geschätzte Tagungszentrum" schließen.

Und damit ausgerechnet jenes kirchliche Bildungshaus, das auch finanzschwächeren Gruppen und Personen sowie spirituell Suchenden einen Raum biete. Die Güte Gottes brauche Orte, an denen sie erfahrbar werden könne. Alle Möglichkeiten sollten genutzt werden, um gegen den Beschluss vorzugehen. Man wolle sich mit den Angestellten des Hauses solidarisieren.

Gefordert wird die sofortige öffentliche Rücknahme des Schließungsbeschlusses, ein Aufschub bis Ende 2022 und eine Arbeitsplatzgarantie für alle Beschäftigten für diesen Zeitraum. Außerdem sollten sofort Verhandlungen mit der Leitung und den Beschäftigten der Einrichtung aufgenommen werden. Darin solle es um die gemeinsam zu gestaltende Zukunft des Hauses gehen sowie die geeignete Einbeziehung von langjährigen Nutzern der Einrichtung.

Arbeitergeschwister sehen sich in der Tradition von Arbeiterpriestern. Diese Bewegung von katholischen Priestern, die sich durch ihre Erwerbstätigkeit zur Arbeiterschaft zählen, kam im frühen 20. Jahrhundert auf. Arbeitergeschwister leben laut Ute Schäfer, die gegen die Schließung von St. Gottfried protestiert, in der Tradition der Arbeiterpriester. Während des Zweiten Weltkrieges hätten französische Priester ihre Gemeinde verlassen, um im Untergrund Hunderttausende Zwangsarbeiter in deutschen Rüstungsbetrieben zu unterstützen. Auch heute noch entschieden sich Priester, Ordensleute und Laien für einen solchen Ortswechsel: Sie lebten in Armut und arbeiteten unter schlechten Bedingungen, um sich an die Seite von Randgruppen zu stellen.

Die Gruppe treffe sich seit über 30 Jahren zweimal jährlich in St. Gottfried. Das Haus sei für sie ein ruhiger, gastfreundlicher und bescheidener Ort. So solle Kirche sich zeigen: zugänglich, unterstützend, menschenfreundlich.

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