"Bei uns gibt es nichts zu holen", sagt die Frau aus Niddatal (Wetteraukreis). Die Einbrecher haben kürzlich trotzdem versucht, in ihr Haus zu gelangen – während das Ehepaar drinnen geschlafen hat.
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»Bei uns gibt es nichts zu holen«, sagt die Frau aus Niddatal (Wetteraukreis). Die Einbrecher haben kürzlich trotzdem versucht, in ihr Haus zu gelangen – während das Ehepaar drinnen geschlafen hat.

Schock in Niddatal 

Wetterau: Mittagsschlaf endet mit Einbruch-Alptraum –„Sind in meinen Kopf eingedrungen“

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Stellen Sie sich vor, Sie machen ein Schläfchen, bis Sie von einem Krach geweckt werden. Einbrecher machen sich an Ihrer Terrassentür zu schaffen. Diesen Alptraum hat eine Frau aus Niddatal erlebt.

  • Die dunkle Jahreszeit hat begonnen, erfahrungsgemäß die Zeit der Einbrüche.
  • Einer Familie aus Niddatal im Wetteraukreis wurde Opfer von Einbrechern.
  • Die Familie erzählt von ihren Erfahrungen – und wie sie damit umgehen.

Wetteraukreis – Es war der letzte Tag vor dem erneuten Lockdown. Das Ehepaar aus Niddatal ging nochmal essen, bevor die Restaurants zumachten. Die beiden kamen nach Hause, legten sich in unterschiedlichen Räumen für einen verspäteten Mittagsschlaf hin. Die Müllers, die nicht wirklich so heißen und lieber anonym bleiben wollen, wohnen in einem 1949 erbauten Haus. Vor einigen Jahren sind sie eingezogen, haben damals Sylvia Jacob von der Polizei zu Gast gehabt. Jacob ist Präventionsberaterin, hilft Menschen, ihr Zuhause vor Einbruch zu schützen. »Ich bin eine totale Schisserin«, sagt Frau Müller. »Ich habe viel Angst und lange gebraucht, dass ich mich behüteter fühle.« 

Wetteraukreis: Mit dem Werkzeug der Bewohner hantiert

Das war lange vor dem 31. Oktober 2020 um kurz vor 19 Uhr, als die Müllers unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. »Ich habe einen ziemlich lauten Krach gehört, habe das aber im Schlaf nicht richtig zugeordnet«, erinnert sich Frau Müller. Erst habe sie gedacht, es klopfe jemand an die Terrassentür. »Ich habe es nicht direkt mit einem Einbruch in Verbindung gebracht.« Es war 18.49 Uhr, als ihr Mann das Licht anmachte und die Treppe hinunter kam. Die alte Holztreppe ist laut. »Da müssen die geflüchtet sein«, sagt Frau Müller. 

Am und um den Tatort lagen eine Axt und eine Forke, die sich die Einbrecher genommen haben müssen – es waren Müllers Werkzeuge. Beide müssen zum Hebeln an der Tür benutzt worden sein. Die Axt war kaputt gehebelt. An der Terrassentür blieben Hebelspuren zurück, die Dichtung war kaputt, die Tür verzogen. Figuren auf der Terrasse und Blumentöpfe waren umgeworfen.

Sie und ihr Mann seien sich relativ sicher, dass es sich um zwei Einbrecher gehandelt haben muss, auch wenn sie es nicht beweisen könnten, sagt Müller. Aber sie gingen davon aus, dass einer das Werkzeug herbei geschleppt und der andere an der Tür gehebelt habe. Die Täter seien nicht durch den Hof abgehauen, denn dann hätten sie, so die Einschätzung, das Hoftor nicht noch zu gemacht.

Wetteraukreis: Die Einbrecher drangen nicht nur in das Haus ein

Bei ihnen zu Hause sei alles offen, sagt die Niddatalerin, man könne dort überall auf die Grundstücke gehen. »Man muss hier nichts überwinden, um reinzukommen.« Die Polizei glaube, dass die gescheiterten Einbrecher von hinten zum Haus gelangt seien. Das heißt: durch den Garten. Dort seien potenzielle Einbrecher nicht gut sichtbar, erläutert Müller. Zumal die Nachbarn, die sie hätten sehen können, zur Zeit des Einbruchversuchs bereits den Rollladen unten gehabt hätten.

»Sie sind in meinen Kopf eingedrungen«, sagt Müller über die Menschen, die versucht haben, in ihr Haus zu gelangen. Ihre erste Reaktion sei das Verlangen gewesen, bloß weg von hier, ausziehen aus diesem Haus. Dann habe sie Mauern errichten wollen. »Ich fühle mich nicht mehr sicher hier.« Seit dem Vorfall habe sie keine einzige Nacht durchgeschlafen. »An den ersten Abenden, wenn es dunkel geworden ist, habe ich stumpf auf die Terrassentür geguckt und gewartet, dass sie kommen.« 

Die Müllers aus dem Wetteraukreis ergreifen Maßnahmen

Zur Angst, die schon vor dem Einbruch da gewesen war, gesellte sich das Gefühl, das Haus beschützen, da sein zu müssen, sollten die Einbrecher wiederkommen. In den ersten Tagen habe sie das Haus nicht verlassen wollen, da sie es habe beschützen wollen, sagt Müller. Das gleiche Dilemma mit dem Schlaf: Wenn sie schläft, kann sie nicht aufs Haus aufpassen.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass die Täter es erneut versuchen? Kripo-Beamte kamen nach dem Einbruch zu den Müllers. Da stellte sie ihnen diese Frage. So richtig beantworten könne man das nicht, sei ihr gesagt worden. Aber die Erfahrungswerte würden zeigen, dass eine Wiederholung wenig wahrscheinlich sei.

Frau Müller aus dem Wetteraukreis: „Mann muss ja auch funktionieren“

Doch warum haben es die Täter überhaupt einmal versucht? »Bei uns gibt es nichts zu holen«, sagt Müller. »Es lohnt sich einfach nicht.« Das ist in Sachen Einbruch aber kein Ausschlusskriterium, schließlich weiß der Einbrecher vor der Tat in der Regel nicht, was sich im Haus befindet. Also werden die Müllers bei Türen und Fenstern aufrüsten. Nach der ersten Präventionsberatung hatte das Ehepaar einige Dinge umgesetzt, aber nicht alles, schließlich ist das Aufrüsten auch eine Kostenfrage. Sylvia Jacob war nachdem Einbruch nochmal bei den Müllers, hat sie beraten,

Unterdessen rücken die schlimmsten, durch die Tat versuchten Gefühle weiter weg, sagt Müller. »Man muss ja auch funktionieren, zur Arbeit gehen.«

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