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Immer weniger Kröten machen sich auf den Weg zum Laichgewässer.

"Dramatischer Rückgang"

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Niddatal/Friedberg(pm). Seit 2004 sammeln freiwillige Helfer unter der Anleitung von Matthias Jockers zweimal täglich im Zeitraum von Februar bis April (je nach Witterung) am Krötenzaun an der K 239 zwischen Assenheim und Bruchenbrücken Kröten ein - in diesem allerdings nicht mehr annähernd so viele wie damals. Die Amphibienschützer schlagen Alarm.

Bis 2011 waren die Amphibienfreunde überaus erfolgreich, konnten sie doch in Spitzenjahren über 2000 Kröten so einen sicheren Weg in das Laichgewässer, den Angelteich von Bruchenbrücken, ermöglichen. Trotz größerer Schwankungen blieb die Population gut sieben Jahre mit über 1000 Tieren recht stabil. Seit 2011 sei jedoch ein kontinuierlicher Rückgang zu beklagen, heißt es in einer Pressemitteilung des NABU-Ortsverbands Niddatal/Florstadt. Zunächst habe man den Rückgang mit einer natürliche Populationsschwankung erklärt, die mit der Anzahl der Feinde, der Nahrung und der jeweiligen Witterung korreliere.

Mittlerweile aber müsse "ein Zusammenbruch der gesamten Population" befürchtet werden. "In den letzten beiden Jahren blieben von 2078 Tieren im Jahre 2006 nur noch 169 (2017) und 150 (2019) übrig. Es ist zu vermuten, dass es sich hier nicht mehr um natürliche Populationsschwankungen in größeren Zeitabschnitten, sondern um einen dramatischen Rückgang der Erdkrötenpopulation handelt." Frank Uwe Pfuhl vom NABU Wetterau sieht insgesamt einen Rückgang der Amphibien von 50 bis 80 Prozent in den vergangenen 15 Jahren - auch wenn es einzelne Abschnitte und Regionen gebe, in denen sich die Populationen noch recht stabil zeigten.

Über die Gründe des Rückgangs der Amphibien im Allgemeinen können die Umweltschützer nur spekulieren. Sicher spielten der Klimawandel und der Rückgang der Insekten eine Rolle. Auch die intensive Landwirtschaft könnte eine Bedeutung haben. Pfuhl deutet auch an, dass sich die Zunahme der Fressfeinde Waschbär und Wildschwein negativ auf die Erdkrötenpopulation auswirken könnte.

Die Amphibienschützer wollen jedenfalls nicht aufgeben und auch im nächsten Jahr einen Zaun aufstellen und den wenigen ankommenden Erdkröten einen sicheren Weg weisen. Die Entwicklung des Baugebiets "Auf dem Gollacker", das auf der Route der einwandernden Erdkröten liegt, werde es den Erdkröten nicht leichter machen. "Dass dann diese Population aufgegeben werden muss, kann schon jetzt als sicher gelten - achselzuckend sollte dies nicht hingenommen werden. Wenn die Erdkröte verschwindet, könnte dies eine tiefgreifende Veränderung der Ökosysteme bedeuten."

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