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Große Literatur auf der Bühne: Aus Goethes Faust hat die Theatergruppe Assenheim 2019 eine ganz eigene Inszenierung gemacht. »Das war der bisher größte Erfolg«, sagt Gesamtleiter Norbert Deforth.

Aus kleinen Anfängen zum großen Erfolg

Der Theatermacher

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
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»Theater ist ein Lebensentwurf«. Das sagt Norbert Deforth, Gesamtleiter der Theatergruppe Assenheim. Wie Theater im und fürs Leben helfen kann, erlebt er seit über 40 Jahren.

Wer Theater machen will, kann bei der Theatergruppe Assenheim alles lernen: Schauspiel, Musik, Regie, Bühnenbild, Lichttechnik: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene arbeiten zusammen und lernen nicht nur für die Bühne, sondern fürs Leben.

So ging und geht es Norbert Deforth, der seit 42 Jahren Gesamtleiter der Theatergruppe Assenheim (TGAss) ist. Was als relativ kleinen Idee für den Kindergarten der eigenen Töchter begann, hat sich zu einem beachtlichen Kulturprojekt in der Wetterau entwickelt. So erfolgreich, dass sich die Beteiligten in einem Gästebuch des Bad Nauheimer Dolce sogar neben Schauspieler Mario Adorf eintragen durften.

Unermüdliches Team

Wie viel Zeit Norbert Deforth in die TGAss investiert hat, kann er gar nicht mehr zählen. Etliche Stunden hat er sich zusammen mit seiner Frau Uschi und seinen beiden Töchtern Saskia und Miriam engagiert. »Doch alleine kann man so etwas nicht schaffen«, betont er.

Nur mit einem unermüdlichen Team kann man Projekte in dieser Größenordnung, wie sie sich bei der TGAss entwickelt haben, stemmen. Außerdem ist es Deforth wichtig, mit »seiner« Gruppe hohe Standards auf die Bühne zu bringen.

Dieser Anspruch zahlt sich aus. Seit Jahren sind die Aufführungen für ihre Qualität bekannt, sind immer rasch ausverkauft und ziehen Zuschauer nicht nur ins Bürgerhaus nach Assenheim, sondern auch ins Jugendstiltheater nach Bad Nauheim. Der bisher größte Erfolg: die Inszenierung von Goethes Faust 2019.

Anfänge im Kindergarten

Mit so einem Erfolg hätte Deforth in den Anfängen nie gerechnet. Alles fing im Kindergarten Assenheim an, den 1979 seine beiden Töchter besuchten. Als junger Vater hatte Deforth wenig Zeit für Kultur und Theater, setzte sich im Kindergarten aber für ein Projekt ein: »Eltern spielen für Kinder«.

Acht Leute machten damals mit, das Interesse wuchs. Aus dem Kindergarten-Projekt wurde ein Theaterprojekt, das schnell über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt wurde. Darum gründetet Deforth 1989 einen eingetragenen Verein - die Theatergruppe Assenheim, dessen Vorsitzender er wurde und die heute über 250 Mitglieder zählt.

1989 war ein ganz besonderes Jahr für die TGAss: Angefangen hat Deforth mit Kindermärchen, sich aber rasch »größerem« Stoff und Musicals für die Bühne gewidmet. Also kam ein Orchester hinzu - die erste Einladung zur Aufführung im Bad Nauheimer Dolce folgte.

Ehrfurcht vor der großen Bühne

»Ehrfurchtsvoll standen wir vor dieser großen Bühne, da gab’s Gänsehaut«, erinnert er sich. Diese Gänsehaut haben alle Beteiligten, wenn sie auf oder hinter der Bühne stehen. Ein Gefühl, das seit der Pandemie verloren gegangen ist.

Doch auch dafür hatte Deforth schnell eine Lösung: Es wurde fortwährend per Zoom geprobt und schließlich auch »aufgetreten«. Jedes (Kinder)-Zimmer wurde zur Bühne: 20 Haushalte haben virtuell »Emil und die Detektive« gespielt. 850 Menschen haben sich zugeschaltet.

»Das war alles nicht nur wichtig für den Zusammenhalt der TGAss, sondern auch eine finanzielle Rettungsinsel«, sagt Deforth. Über 4000 Euro an Spenden sind zusammengekommen. Ähnlich, wie bei Deforths 70. Geburtstag dieses Jahr. Statt Geschenken für ihn selber hat er sich Spenden für die TGAss gewünscht.

»Die Pandemie hat in Sachen Kultur und Theater viel verändert. Ohne Veränderungen geht es aber nicht im Leben, und auch nicht bei der TGAss», sagt er.

Ständige Veränderungen

Die Gruppe verändert sich ständig: Einige gehen nach dem Abitur zum Studium, verlassen Niddatal, neue Theaterinteressierte kommen dazu. Eine Team von fünf bis sechs Leuten bringt hauptsächlich Ideen ein.

Deforth möchte auf keinen Fall alles in die Hand nehmen und alleine entscheiden, was und wie gespielt wird. Er hat sich ein Zitat von Wolfgang Ambros zum Lebensmotto gemacht: »Der Weg zu dir selber hört nie auf, hinter dir geht’s abwärts und vor dir steil bergauf«.

Diesen steilen Hügel nimmt er mit »seiner Gruppe« gerade jetzt: Er blickt nach vorne: Anfang Juli soll das Stück »Die Schneekönigin« endlich vor Publikum nachgeholt werden. Da können alle Beteiligten zeigen, was sie vom Theatermachen und Theaterspielen fürs Leben gelernt haben.

Im Theater hat Norbert Deforth das gefunden, was ihn lebenstüchtig und lebensfroh macht. Tüchtig ist er für etliche Ehrenämter. Von 1976 bis 1979 war er bei der KSK-Bönstadt im Vorstand tätig. Ab 1979 hat er sich ehrenamtlich ausschließlich dem Theaterspiel gewidmet. Federführend für die Stückentwicklung und Regie hat er 1989 den Verein »Theatergruppe Assenheim« (TGAss) gegründet. Das Herz aller TGAss-Aktivitäten ist die alljährliche Inszenierung eines abendfüllenden, nahezu professionell produzierten Musicals für alle Altersgruppen. 17 Aufführungen im Bürgerhaus Assenheim und im Dolce Bad Nauheim absolviert die TGAss jährlich. »Theater für alle« wurde zum Leitsatz. So entstanden viele weiter Projekte: Seit 2010 gibt es eine Kinder- und Jugendtheatergruppe (YMC). 2010 wurde die Gesangsformation »Foyer-Singers« gegründet. Seit 2015 besteht eine Kooperation mit der Geschwister-Scholl-Schule Assenheim, mit der die TGAss ganzjährig eine Theaterwerksatt anbietet. Den Kostümfundus mit über 600 Kostümen bietet die TGAss seit vielen Jahren der Öffentlichkeit und Schulen an. Deforth leitete von 2009 bis 2020 als Präsident den »Verband Hessischer Amateurtheater e.V.« Er gehört seit 1979 dem Vereinsring Assenheim an und leitet ihn seit 2005 bis heute. koe

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