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So soll es mal wieder werden: Die Gruppe »Generation B« des Turnvereins hofft, irgendwann wieder auf der Karnevalsbühne stehen zu dürfen. ARCHIVFOTO: UDO

»Das Konfettiherz blutete«

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal (udo). Was machen Karnevalisten, wenn der Fasching ausfällt? Geraten sie in eine existenzielle Krise oder wissen die Brüder sich zu helfen? Die Fastenzeit beginnt, aber in diesem humorlosen Jahr war bereits der Fasching nur eine Fastenzeit. Fragt sich, wie die örtlichen Karnevalisten die zurückliegenden Wochen überstanden haben.

Dieter Dallwitz steht seit Jahrzehnten auf der Bühne der Assenheimer Karnevalgesellschaft Verein Humor (AKG). Er gehört dem Elferrat an, leitet die Trompetertruppe, welche mit einer Fanfare die Sitzungen eröffnet, entwickelt darin mit Ehefrau Ursula Ehefragen und singt mit Gunther Kraft über den Zustand der Intimbehaarung. Sohn Mirko Dallwitz stand schon als Kind mit seiner Schwester Lara auf der Bühne, war im Jugendmännerballett tätig und ist heute während der Sitzungen von der Empore aus für die Technik zuständig.

Dieter Dallwitz antwortet für die ganze Familie, sowohl die eigene Kleinfamilie als auch die ganze Faschingsfamilie hätten zusammengestanden und versucht, das Beste daraus zu machen. Alle hätten immer unter Einhaltung der Vorgaben per Telefon oder Video in Kontakt gestanden: »So konnten wir einiges für die Mitglieder unter dem Motto ›Wir stehen zusammen und halten durch‹ im Verein tun.«

Hoffen auf Saison 2022

Die Beiträge »Virtuelles Wine Tasting«, »Fasching-at-home-Package« und verschiedene Videostücke einzelner Gruppen seien möglich gewesen. Das Vereinsleben habe alle Beteiligten gut durch die Krise gebracht. Das zeige, wie wichtig das Vereinsleben in solchen Krisenzeiten sei.

Achim Bohn ist seit Jahrzehnten Sitzungspräsident der AKG und trompetet wie Dallwitz die Sitzung ein. Er habe die Saison überstanden wie den Rest der pandemiebedingten Beschränkungen auch, mit einem Akzeptieren der Situation, mit dem Pflegen von Kontakten durch andere Medien und mit der Hoffnung auf die Saison 2022.

Es habe zum Glück Alternativprogramme gegeben wie die Aktion der verteilten Geschenktaschen an alle Mitwirkenden und Helfer. »Online-Fastnachts-Fever« habe die Onlineshow des Männerballetts erzeugt: »Trotzdem blutete das Konfettiherz jedes Mal, wenn ich meinen Präsidentensakko anzog, um Grußworte zu sprechen.« Bohn fasst zusammen: »Vielleicht ist die ausgefallenen Saison ebenso wie der komplette Lockdown die Chance, mehr Dankbarkeit in Zukunft zu zeigen, nichts ist mehr selbstverständlich.«

Ortland Kretz steht selber auf der Bühne, ist Ortskartellchef in Bönstadt und Vorsitzender der Germania Sängerlust. Deren Faschingsabteilung hat derzeit keinen Vorsitzenden. Trotzdem hätten die »Wissegickel« mit Sitzungspräsident Lukas Kretz und seinem Vorgänger Jan Frische eine virtuelle Sitzung durchgeführt. Zu sehen seien Grußworte befreundeter Vereine sowie aus früheren Jahren Büttenreden, Tänze und andere Auftritte, darunter des Männerballetts. Gebeten worden sei um Spenden für den Kinderkarneval und die Hochwasserhilfe. Ansonsten hätten keine Aktivitäten stattgefunden: »Wir hoffen, dass die nächste Kampagne wieder in gewohnter Weise stattfinden kann.«

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