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Beim Gottfriedsfest am ersten Sonntag im September zieht auch heute noch die Lichterprozession zu Ehren des Heiligen und Patrons der Wetterau durch Ilbenstadt.

Das Fest um Gottfrieds »Haupt«

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt (udo). Vor 110 Jahren wurde die Reliquie des Heiligen Gottfried, Patron der Wetterau, nach Ilbenstadt zurückgebracht. Seine Schädelschale war 1806 nach der Aufhebung seines Klosters vom letzten Ilbenstädter Abt Kaspar Lauer gerettet worden. Die Geschichte reicht aber etliche Jahre weiter zurück.

Der Gründer des Klosters

Gottfried von Cappenberg hatte 1122 im Alter von 25 Jahren zusammen mit seiner Frau Jutta und seinem Bruder Otto allem irdischen Besitz entsagt und seine Besitzungen in Cappenberg, Varlar und Ilbenstadt in Klöster verwandelt. Schon 1127 starb er in Ilbenstadt.

Über die Geschichte der Reliquie und den Verlauf der Überbringung berichtet Pfarrer Heinrich Kissels »Chronik von Ilbenstadt«. Sie bildet die Fortsetzung des von Abt Kaspar Lauer verfassten ersten Teils. Ausführlich dokumentiert Kissels den Einzug des Mainzer Bischofs Dr. Georg Heinrich Kirstein am Samstag, 2. September 1911 und die darauffolgenden Feierlichkeiten.

Der Abt von Strahov, wo sich Gottfrieds »Haupt« von 1806 an befunden hatte, war mit den Äbten von Tepl und Neureisch angereist. Eine Reiterschar geleitete die Besucher von Nieder-Wöllstadt nach Ilbenstadt. Am Dorfeingang hatten sich 4000 Katholiken aus der Wetterau aufgestellt. Pfarrer Kissel bezeichnete in seiner Begrüßungsrede den Tag als »Markstein für alle Zeiten« in der Ortsgeschichte.

Die vergoldete Tragbahre für die Reliquie, die von vier Priestern getragen wurde, war für 1000 Mark eigens angefertigt worden. Sie zeigt die Kirchenpatrone Peter und Paul, die Heiligen Gottfried und Norbert sowie das Wappen von Mainz und das Gottfrieds. Die Prozession, die vom Freialtar zur Kirche zog, wurde von 500 weiß gekleideten Mädchen angeführt. Dazu spielte die Musikkapelle Ober-Wöllstadt. Die hohen Gäste wurden anschließend im Pfarrhaus und in Wohnungen angesehener Familien untergebracht. Am Abend veranstaltete die Gemeinde einen Fackelzug, nach dem alle Beteiligten zu einer »Ovation« am Pfarrhaus zusammenkamen. Wiederum musizierte der Musikverein Ober-Wöllstadt, der Gesangverein Cäcilia sang »Schäfers Sonntagslied«, und der Chor Germania schloss sich an.

Am Sonntag sollen bei »echtem Festtagswetter« etwa 10 000 Pilger nach Ilbenstadt gekommen sein. Von 5 Uhr morgens an wurden Messen gefeiert. Beim Pontifikalamt sang der Kirchenchor aus »Bürgel bei Offenbach« mit 70 Aktiven eine fünfstimmige Messe. Zur Mittagstafel im Pfarrhaus fanden sich 40 Geistliche ein.

Höhepunkt des Festes war die »sakramentalische Prozession« mit dem Haupt Gottfrieds und dem Allerheiligsten, an der neben dem Bischof und den Äbten Delegationen der Pfarreien der Wetterau teilnahmen. Neun Ehrenpforten wurden passiert, eine Andacht bildete den Abschluss. In der Kirche waren, um mehr Platz fürs Publikum zu schaffen, die Bänke entfernt worden, und draußen wurde ebenfalls ein Gottesdienst gefeiert. Trotzdem fanden viele Pilger keinen Platz mehr. Eine Lichterprozession führte durch die geschmückten Straßen. Am Montagmorgen erhielten die Äbte kleinere Reliquien, ehe sie samt des Bischofs mit zwei Messen verabschiedet wurden.

Gottfrieds Reliquie nach Prag gerettet

Doch warum hatte Gottfrieds Haupt nach seinem Tod Ilbenstadt überhaupt verlassen? Bischof Kirstein gibt in seinem Hirtenbrief an die Katholiken von Ilbenstadt und der Wetterau vom 2. August 1911 einen Überblick über die Geschichte: Demnach habe Papst Paul V. zu Beginn des 17. Jahrhunderts dem Propst Georg Konradi ein Fest zu Ehren des Heiligen bewilligt und Papst Benedikt XIII. einen vollständigen Ablass dazu. 1639 fand unter Propst Georg Laurenzi die erste Erhebung der Gebeine statt. Das Hochgrab im Chor wurde damals geöffnet und das »Haupt« von den übrigen Gebeinen getrennt. Es wurde auf einem Seitenaltar ausgestellt und beim Gottfriedsfest durch die Straßen getragen. Nach der zweiten Erhebung im Jahr 1731 wurden Teile der Gebeine an andere Prämonstratenserklöster abgegeben, das »Haupt« blieb jedoch in Ilbenstadt. Bei der Aufhebung des Klosters im Jahr 1803 nahm es der letzte Abt Kaspar Lauer zu dessen Schutz mit, er sandte es 1806 vor seinem Tod in die Abtei Strahov, wo sie sich bis 1911 befand.

Die Folge: Die Verehrung Gottfrieds und der Reliquien in Ilbenstadt und der Wetterau ging zurück. Erst Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler setzte sich in seinem Hirtenschreiben von 1862 wieder dafür ein. Er ordnete an, das Hochgrab wiederherzustellen, und wünschte, das Haupt wieder zurückzubringen - mit Erfolg. Das Provinzialkapitel in Böhmen stimmte der Rückführung zu und am 2. September 1911 - zufällig auch der 100. Geburtstag Kettelers - war es soweit. Das Fest des Heiligen Gottfried wird heute am ersten Sonntag im September gefeiert.

Das Hochgrab des Heiligen Gottfried heute.

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