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Aktuell unvorstellbar: Die Chöre der Concordia singen im November 2019 in der evangelischen Kirche Nieder-Wöllstadt zusammen. ARCHIVFOTOS: UDO

Das alte Repertoire und neue Ideen

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal/Wöllstadt (udo). Seit einem Jahr proben die Chöre nicht mehr und treten nicht mehr auf. Es stellt sich die Frage, wie sich ein »Wiederanfahren« des Betriebs vorstellen lässt. Werden die Aktiven das Repertoire noch im Griff haben? Und: Werden die Gesangvereine zwei Jahre ohne Einnahmen überleben? Wir haben in Niddatal und Wöllstadt nachgefragt.

Daniel Sans dirigiert die Chorgemeinschaft der Gesangvereine Einigkeit und Eintracht Kaichen. Er hofft, dass die Proben wieder starten können, wenn die Inzidenzwerte unter 35 gefallen sind und die Bürgerhäuser freigegeben werden. Dann sollte es ein strenges Hygienekonzept geben und die Mehrheit der Mitglieder geimpft sein. Der Erfolg von Konzerten hänge von den Proben und vom Übungsstand der Teilnehmer ab, aber er hoffe auf ein reges Interesse aller Beteiligten und würde sich ein Adventssingen wünschen, gegebenenfalls im Freien. Passend zu diesem Anlass gelte es, das Repertoire zu gestalten. Er hoffe sehr, dass es ein Proben wie früher geben wird, sei aber nicht davon überzeugt. Sans betont, er sei besorgt, dass wegen der Länge der Pause ältere Sänger fernbleiben werden. Außerdem habe er Angst, dass das Singen in großen Gruppen ein negatives Image bekommen habe, wegen der möglichen Übertragung der Coronaviren durch Aerosole.

Wie die Proben in Bönstadt wieder beginnen, kann Ortland Kretz, Vorsitzender der Germania Sängerlust, noch nicht sagen. Die Formation »BönCanto« habe den Probenbetrieb eingestellt und sich vom Dirigenten trennen müssen. Durch mehrere Abgänge von Sängern und fehlende Einnahmen aus Veranstaltungen sei der Verein zu diesem Schritt gezwungen worden. Nach der Pandemie werde es einen Neustart geben müssen - mit neuer Chorleitung und hoffentlich vielen neuen Sängern. Inwieweit dann wieder ein Konzert geplant werden könne, müsse sich zeigen. Ganz sicher werde es nicht reichen, das alte Repertoire aufzufrischen. Dazu, wann er erwarte, dass das meiste wie früher sein werde, da könne er »keine Prognose abgeben, da meine Glaskugel blind geworden ist«.

Heger will nicht zu früh beginnen

Bernhard Heger ist der Vorsitzende der Concordia Nieder-Wöllstadt. Er kann sich zurzeit einen Probebetrieb nicht vorstellen. Die Gesundheit der Vereinsmitglieder gehe dem Vorstand über alles. Der Verein mit seinen verschiedenen Chören sei bisher kein Risiko eingegangen und werde dieser Maxime treu bleiben. Mit dem Neustart werde man warten und nicht zu früh wieder beginnen.

Das vorhandene Repertoire sei innerhalb kurzer Zeit aufgefrischt und werde für ein Konzert aufführungsreif sein. Er beruhige die Sänger mit dem Spruch, dass die Concordia als »Leistungschor« mit dem Neustart keinerlei Probleme bekommen werde. Heger blickt voraus: »Wir werden, wie auch schon vor der Pandemie, in Zukunft neue Lieder einstudieren, aber auch ab und an altes Liedgut ausgraben.« Er sei sich sicher, »dass wir, wenn wir loslegen können, mit Ideen, die wir uns überlegt haben, gestärkt sein werden«.

Martin Bauersfeld dirigiert den Männerchor, den Kinderchor und die Kolibris der Concordia. Er sieht »eine schwere Zeit für alle«, in der es ihn störe, »dass sich scheinbar niemand von offizieller Seite um die Probleme von Vereinssängern schert«. Er hofft, dass die Chöre der Concordia, sobald das Wetter besser wird und die Inzidenzzahlen heruntergehen, in irgendeiner Weise starten können, »wahrscheinlich erst einmal im Freien und mit viel Abstand«. Er würde zuerst auf Werke zurückgreifen, die der Chor vor der Corona-Krise konnte. Dann würde er kleine Auftritte planen und dafür alte und neue Stücke einstudieren. Man wisse noch nicht, wann wieder Konzerte »indoor« möglich seien, daher würden sich zuerst kleine Straßenkonzerte anbieten. Es komme darauf an, Veranstaltungen zu finden, an denen die Vereine Einnahmen erzielen können. »Die Chöre haben, wenn sie nicht ohnehin schon pleite waren, keine finanzielle Unterstützung bekommen und brauchen Einnahmequellen.«

Bauersfeld blickt gleichwohl positiv in die Zukunft: »In der Hoffnung, dass die Impfkampagne wirkt und es keine neuen Virusvarianten geben wird, bei denen der Impfstoff nicht wirkt, denke ich, dass es 2022 wieder halbwegs normal werden kann.«

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