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Damit der Wald überlebt

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal(udo). Mitglieder des Lions Club Wetterau haben 2000 Euro zum Setzen von gleich 525 widerstandsfähigen Bäumen im Wickstädter Wald gespendet. Forstwirtschaftler Wolfram Peppler und seine Mitarbeiter setzten die Bäume am Donnerstag gemeinsam mit Schülern und Studenten, die von "Plant for the planet" inspiriert sind. Die Aktion will auf der ganzen Welt Bäume pflanzen, um die Klimakrise zu bekämpfen. Sie wurde 2007 vom damals neunjährigen Felix Finkbeiner gegründet.

Die Pflanzen, die zwischen der Wallfahrts-kirche Maria Sternbach und der Landesstraße 3188 gesetzt wurden, sind vergleichsweise teuer, jedes Exemplar kostet um die 8 Euro. Dazu kommen bei einer großflächigen Aktion die Kosten für den Einzelschutz der Bäume.

Wie Peppler erläuterte, wurden unterschiedliche Pflanzen verschieden gesetzt. Hybridnussbäume, die ein großes Wurzelwerk haben, werden in gebohrte Löcher gesetzt. Die Jungpflanzen werden mit Einzelschutzhüllen versehen. Wenn keine Hüllen zum Einsatz kommen, werden Zäune benutzt.

Die Helfergruppe bestand aus Schülern, Studenten, deren Freunden, einer Kinderärztin und einem Bootsbauer und kommt weitgehend aus Pepplers großfamiliären Umfeld, doch er ist überzeugt: "Bei etwas Werbung hätte ich leicht 50 oder mehr Akteure motivieren können - unsere jungen Leute sind bereit, etwas zu tun."

Waldeigentümer Philip Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim hatte die Akteure und die Sponsoren zu einer Gulaschsuppe in seine Schutzhütte eingeladen. Gemütlich blubberte dort der Kanonenofen beim Gulaschverzehr und regte den Appetit an. Außen rundeten Crepes die gute Stimmung ab.

Kastanien für heiße Sommer

Peppler erläuterte dort, weshalb Esskastanien, Rosskastanien, Elsbeeren, Speierlinge, Walnüsse und Hybridnüsse gesetzt wurden. Hybridnüsse sind eine Kreuzung der amerikanischen Schwarznuss und der Walnuss. Elsbeere und Speierling sind in der Wetterau heimisch, aber selten. Sie sind trockenheitsresistent und gelten als ideal für flachgründige Böden. Fast reife Speierlingfrüchte werden verwendet, um den Geschmack von Apfelwein zu verbessern und um das Getränk haltbar zu machen. Der delikate Geschmack überreifer, schrumpeliger Früchte, sogenannter "Drecksäcke", erinnert an den von Pfirsichen.

Peppler erklärte: "Mit der Esskastanie und der Walnuss werden zwei wärmeliebende Baumarten aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient eingebracht, um das hiesige Baumartenspektrum zu erweitern." Unangebracht sei "Baumartenrassismus", da schon immer die Arten gewechselt hätten.

Man beabsichtige, den aktuellen Klimaereignissen mit einem breiten Baumartenspektrum zu begegnen. Weiße und rote Rosskastanien würden eine blühende Bienenweide in der Nähe der Wallfahrtskirche bilden. Hybridnüsse seien für die zu erwartenden heißen und trockenen Sommer gut geeignet.

Rentkammerdirektor Welf Bücken, der den Wickstädter Privatwald des Grafen Solms verwaltet, und Forstwirtschaftler Wolfram Peppler hatten Anfang November in einem Vortrag beim Lions Club ausgeführt, dass die Eigentümer von Privatwäldern in ihrem Kampf gegen die Folgen des Klimawandels, für die sie nicht verantwortlich seien, von der Gesellschaft unterstützt werden müssten. Schließlich nutzen zahlreiche Bürger als Spaziergänger, Jogger oder Radler Privatwälder.

Deren Unterhalt sei teuer. Man könne grob sagen, dass sie Sanierung von einem Kilometer Waldweg um die 30 000 Euro kostet.

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