Mit dem Protest gegen den "Gollacker" hat für Dr. Ralf Binsack alles angefangen. Jetzt will er Bürgermeister werden und Niddatal zu einer Stadt für alle Generationen machen.
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Mit dem Protest gegen den »Gollacker« hat für Dr. Ralf Binsack alles angefangen. Jetzt will er Bürgermeister werden und Niddatal zu einer Stadt für alle Generationen machen.

Bürgermeisterwahl

Bürgermeisterwahl Niddatal: Dr. Ralf Binsack will eine »Stadt mit Zukunft« schaffen

Durch sein Engagement in der BI Gollacker hat Dr. Ralf Binsack zur Lokalpolitik gefunden. Jetzt will er Bürgermeister von Niddatal werden. Das geplante Neubaugebiet ist nicht das einzige Thema, das dem 53-Jährigen am Herzen liegt.

Dr. Ralf Binsack drückt auf die Klingel des Einfamilienhauses. Er ist etwas nervös. Als sich die Tür öffnet, lächelt er. »Guten Tag, am 15. März ist Bürgermeisterwahl. Ich bin einer der Kandidaten und möchte mich vorstellen.« So oder so ähnlich hat sich der 53-Jährige Assenheimer in den vergangenen Wochen und Monaten an zahlreichen Haustüren in Niddatal vorgestellt. Denn im Gegensatz zu den beiden anderen Kandidaten, die bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag antreten, ist er noch kein bekanntes Gesicht.

Binsack ist Sprecher der Bürgerinitiative Gollacker, die sich dafür einsetzt, dass auf dem Acker zwischen Assenheim und Bruchenbrücken kein Baugebiet entsteht. »Mit Lokalpolitik hatte ich davor wenig am Hut«, sagt Binsack, während er entspannt auf einer hellen Ledercouch in seinem Wohnzimmer sitzt. Durch sein Engagement gegen die Bebauung des Gollackers, der kurz hinter seinem Haus beginnt, habe er vermehrt Sitzungen der Stadtverordneten besucht. »Dabei habe ich gemerkt, dass es in Niddatal noch an vielen anderen Stellen Fragezeichen gibt.« Deshalb trete er am Sonntag zur Wahl an, als parteiloser Kandidat.

Bürgermeisterwahl Niddatal: Dr. Ralf Binsack tritt als parteiloser Kandidat an

Neben dem Gollacker will sich Binsack auch für andere Themen stark machen. Seine Ziele formuliert er klar: »Ich bin aktuell gegen jedes weitere Neubaugebiet in Niddatal«, sagt er. Schon jetzt gebe es zu wenige Kindergartenplätze. »Viele Familien stehen auf der Warteliste.« Das habe er bei seinen Hausbesuchen erfahren. »Bevor die Stadt neuen Wohnraum schafft, sollte zunächst die nötige Infrastruktur da sein.«

Dazu hat Binsack schon konkrete Ideen: Die Ganztagsbetreuung an Schulen müsse ausgebaut werden, in Assenheim könnte ein Jugendzentrum entstehen. »Wenn Familien nach Niddatal ziehen, sollen sie sicher sein, dass ihre Kinder hier gut betreut werden.« Die Kita in Ilbenstadt müsse daher so schnell wie möglich gebaut werden, auch wenn er nicht mit dem Standort zufrieden sei. Man brauche zusätzlich eine kurzfristige Lösung, etwa eine weitere Container-Kita.

Wie für die jungen Niddataler will Binsack sich auch für Senioren einsetzen. »Damit sie zu Hause alt werden können, braucht es eine bessere medizinische Versorgung.« Er wolle aber auch mit den Supermärkten sprechen, ob die einen Lieferdienst einrichten könnten. Zusätzlich müssten Straßenbeiträge abgeschafft werden, damit niemand wegziehen müsse, weil er die Beiträge nicht zahlen könne.

Bürgermeisterwahl Niddatal: Dr. Ralf Binsack will Solarpark und Städtepartnerschaft

Die Stadt brauche aber auch neue Einnahmequellen, etwa durch einen Solarpark. Einen Teil des dort produzierten Stroms könne die Stadt weiterverkaufen. Ein Vorbild sei der Solarpark in Wölfersheim. Er wolle außerdem prüfen, welche Gelder und Fördermittel Niddatal noch beantragen könne. »Ich hätte gerne einen Mitarbeiter in der Verwaltung, der sich nur darum kümmert.«

Die EU würde zum Beispiel eine internationale Städtepartnerschaft unterstützen. »Ich finde es bedauernswert, dass Niddatal nach 70 Jahren keine Partnerstadt hat«, sagt Binsack, der in seinem Job selbst viele Ziele im Ausland bereist hat. Dadurch würden sich viele Möglichkeiten ergeben, etwa für einen Jugend-Austausch oder Bildungsreisen.

Den Austausch mit den Bürgern, den er schon bei seinen Hausbesuchen erfahren habe, will Binsack beibehalten, sollte er Bürgermeister werden. »Ich möchte Abläufe und Entscheidungen transparenter machen. Zur Zeit geschieht viel hinter verschlossenen Türen«, sagt er. Dazu soll es zwei Mal im Jahr eine Veranstaltung für Bürger geben. »Dabei wird es darum gehen, was wir bereits erreicht haben und wo wir in den kommenden Monaten hinwollen.«

Eine Frage, die ihn in diesem Zusammenhang beschäftigt: Wie sieht Niddatal in 20 oder 30 Jahren aus? Stichwort Stadtentwicklung. Binsack könnte sich vorstellen, dass Niddatal zum Testgebiet für autonom fahrende Elektrobusse wird, die die Stadtteile miteinander verbinden. »Es wäre schön, wenn künftig neue Ideen aus Niddatal kämen und wir uns nicht nur bei anderen Kommunen etwas abschauen«, sagt Binsack. »Ich möchte, dass Niddatal eine Stadt mit Zukunft wird.«

Bürgermeisterwahl Niddatal: Dr. Ralf Binsack ist Doktor der Biologie

Dr. Ralf Binsack wohnt seit 2011 in Niddatal. Der 53-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach dem Biologie-Studium in Berlin und der Promotion in Heidelberg war er zunächst in der Grundlagenforschung tätig - unter anderem in Israel, Japan, USA, Brasilien und China. Heute arbeitet er beim Medizintechnikhersteller Abaxis in Darmstadt. Sollte er die Wahl gewinnen, werde er die Stelle sofort kündigen, sagt er.

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