Verkündigung auf vier Ebenen: Barbara Keindls Krippe versammelt über 140 Figuren aus Ton. FOTO: UDO
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Verkündigung auf vier Ebenen: Barbara Keindls Krippe versammelt über 140 Figuren aus Ton. FOTO: UDO

Blickfang im Wintergarten

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Die Krippe von Barbara Keindl steht im Wintergarten, erstreckt sich über vier Ebenen und versammelt über 140 schwere Tonfiguren. Hinzu kommen Akteure aus Wolle und aus Holz, die das Großensemble arrondieren, und weitere, kleinere Krippen, die parallele Handlungen zum Heilsgeschehen abbilden.

Über die gesamte Wohnung hat Keindl mehr als 20 Krippen versammelt. Eine davon kommt aus Ungarn und wurde aus Mais gebaut. Die Hauptkrippe zeigt anbetende und musizierende Hirten. Ein Landmann scheint die Geburt des Messias zu verschlafen. Das Heilige Paar ist hellwach. Der Verkündigungsengel musiziert an der Harfe. Mehrere Schafherden ziehen ihre Kreise und fühlen sich pudelwohl. Dass die Tierwelt in das Erlösungswerk einbezogen ist, zeigt sich sinnfällig darin, dass einen Steinwurf von Maria und Josef entfernt in einem abseits gelegenen Stall Lämmer zur Welt kommen. Hierin erweist sich die Harmonie der Sphären und die Spiegelung des kosmischen Geschehens im Kleinen.

Heilige Drei Könige fehlen noch

Die Heiligen Drei Könige fehlen noch und werden aller Voraussicht nach erst rechtzeitig zu Epiphanias eintreffen. Mönch Georg, der heute 85-jährige Bruder Keindls, hat die Krippe aus seinem slowenischen Kloster geschickt. Ein verstorbener Mitbruder Georgs hat die Figuren entworfen und gebaut.

In Ilbenstadt kamen dann Figuren und Gebäude hinzu, darunter die Engel aus Holz, welche die Kolpingfamilie bei den Martinsmärkten anbot. Peter Zöller, der handwerklich begabte und tief religiöse Leiter der Kolpingfamilie, baute eine große Kirche aus Holz. Kindergarten- und Sternsingergruppen besuchen in jedem Jahr die Krippe.

Krippen dienen der Verkündigung. Sie führen Menschen, die dem Kirchenbetrieb ablehnend gegenüberstehen, an die Heilsbotschaft und bewirken Versöhnung. Schließlich ist Religion, wie Friedrich Daniel Schleiermacher (1768 bis 1834) deutlich machte, nicht nur eine Angelegenheit des Verstandes, sondern des Gemüts. Die Sprecherin der katholischen Altengemeinschaft, Marita Schulmeier, machte auf die Krippe aufmerksam, die "phänomenal" sei und dass dergleichen "man noch nicht gesehen" habe. Keindl kam 1948 nach Ilbenstadt und leitete dort 1964 und 1965 den katholischen Kindergarten. Sie lebte und arbeitete in Frankfurt, bis sie von 1969 an bei ihrem Bruder in Goddelau Pfarrsekretärin war.

Von 1975 bis 2009 leitete sie die Kindertagesstätte in Nieder-Eschbach. 2009 kehrte sie zu den Ilbenstädter Ursprüngen zurück und führte zeitweilig die dortige Kindertagesstätte kommissarisch. In den vergangenen zehn Jahren erlebte sie mit Dr. Vinko Kraljic, Thomas Knedelhans und Bernd Richardt drei Pfarrer.

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