"Die Verwaltung wird sich auch daran gewöhnen müssen, dass der Bürgermeister bereits um 7.30 Uhr seinen Dienst antritt." Michael Hahn will klare Kante zeigen.	 FOTO: NICI MERZ
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»Die Verwaltung wird sich auch daran gewöhnen müssen, dass der Bürgermeister bereits um 7.30 Uhr seinen Dienst antritt.« Michael Hahn will klare Kante zeigen. FOTO: NICI MERZ

Interview

Bald-Bürgermeister Michael Hahn: »Die Leute wissen, wen sie bekommen«

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Seinen Sieg im ersten Wahlgang hatte nicht einmal er selbst erwartet: Michael Hahn (CDU) wird am Montag als Niddataler Bürgermeister vereidigt. Über seine Vorbereitung auf das Amt und die Einhaltung eines Wahlversprechens spricht er im WZ-Interview.

Sie wurden kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gewählt. Inwieweit hat das Ihre Vorbereitung auf das Amt beeinträchtigt.

Natürlich. Ich konnte mich nicht persönlich bei den Mitarbeitern der Verwaltung vorstellen und Gespräche führen oder die Servicepartner, Institutionen sowie Kita-Leitungen besuchen. Das kann ich jetzt erst nachholen.

Wird am Montag bei der Amtseinführung so gefeiert, wie Sie es eigentlich nach dem Wahlabend tun wollten?

Es ist ja eine offizielle Stadtverordnetenversammlung, zu der nicht ich, sondern der Stadtverordnetenvorsteher eingeladen hat. Aber ich durfte auch persönliche Einladungen aussprechen und es wird etwas zu essen und zu trinken geben. Natürlich alles mit den gebotenen Abstands- und Hygieneregeln.

Also wird auf den Handschlag zur Gratulation verzichtet?

Wenn mir einer die Hand reicht, werde ich das nicht ablehnen. So habe ich es am Wahlabend auch gemacht.

Ist es für das Bürgermeisteramt ein Manko, dass man Sie in Niddatal so gut kennt?

Ich empfinde es als Vorteil. Die Leute wissen, wen sie bekommen und wen sie ansprechen können. Erst am Sonntagmorgen wurde ich beim Brötchenholen in Assenheim in politische Gespräche zum Gelben Sack verwickelt.

Werden Sie etwas an Ihrer Verhaltensweise ändern?

Ich denke nicht. In der Verwaltung, die Erzieherinnen und der Bauhof einberechnet, habe ich für über 100 Leute die Personalverantwortung. Und als Chef muss man da klare Kante zeigen. Leider haben mehrere Lehrgänge nicht stattfinden können. Der einzige, der stattfindet, ist der Lehrgang zum Standesbeamten Ende Juni. Ab Juli darf ich dann hoffentlich Ehen schließen.

Werden Sie als Bürgermeister in die Bütt gehen?

Es wird bestimmt eine Abschieds-Tour nächstes Jahr geben. Ich werde auch meine anderen Vereinsmitgliedschaften erhalten, aber nicht mehr die vorderen Funktionen übernehmen.

Wie sehr werden Sie die Landwirtschaft vermissen?

Die besten Ideen habe ich beim Traktorfahren. Das wird mir schon fehlen. Aber vielleicht lässt sich da etwas machen (lacht).

Sie übernehmen eine äußerst klamme Stadtkasse. Wird die Corona-Krise dem Haushalt endgültig den Todesstoß versetzen?

Der Haushalt 2021, den ich so schnell wie möglich vorlegen werde, wird vermutlich ein Defizit von knapp zwei Millionen Euro haben. Man muss hoffen, dass die Programme von Bund und Land die Ausfälle einigermaßen auffangen werden. Unser »Vorteil« jetzt ist, dass wir fast kein größeres Gewerbe und daher hier auch keine Steuerausfälle haben. Unsere Handwerker, Metzger und die anderen Kleinunternehmer haben ihre Aufträge zum Glück auch in der Krise.

Als CDU-Bürgermeister haben Sie eine rot-rote Mehrheit gegen sich. Gibt es bis zur Kommunalwahl Stillstand in Niddatal?

Ich werde für gute Kompromisse werben. Es gab bereits Gespräche mit der SPD - aber die sind noch nicht abgeschlossen. In der Stadtverordnetenversammlung hatten wir einen ersten Stresstest mit der Wahl eines Vertreters in den Regionalverband. Vor fünf Jahren hieß es, der Bürgermeister müsse unbedingt in dieses Gremium. Nun wurde SPD-Chef Erhard Reiter gewählt. Da haben die Sozialdemokraten die Muskel spielen lassen. Aber ich bin guter Dinge, die neun Monate bis zur Kommunalwahl durchzustehen. Dann werde ich als Spitzenkandidat auf die CDU-Liste gehen und den Wählern signalisieren: Ein Bürgermeister braucht eine stabile Mehrheit im Parlament.

Es gilt als verpönt, sich als amtierender Rathauschef für ein Amt zu bewerben, das man überhaupt nicht antreten wird.

Bürgermeister Dr. Hertel hat dieses Tabu 2016 gebrochen.

Als Bürgermeister haben Sie die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung zu erfüllen. Also auch eine Kita im Kloster zu bauen und den Gollacker als Energie-Plus-Siedlung zu entwickeln. Mit wie viel Widerwillen werden Sie das tun?

Man muss Beschlüsse immer akzeptieren. Trotzdem will ich versuchen, manche Dinge noch einmal mit gesundem Menschenverstand neu zu betrachten. Wenn das Kasernengelände in Friedberg bebaut werden, wird niemand mehr nach Assenheim ziehen. Wir haben hier keinen Wohnraumbedarf.

Sie würden die Pläne wieder beerdigen?

Das war mein Ziel und ist mein Ziel. Der Gollacker ist kein nachhaltiges Baugebiet. Würde Assenheim dort in der vorgeschlagenen Größe wachsen, bekämen wir Probleme, müssten etwa noch eine Kita bauen. Mein Fokus geht auf die Innenstadtentwicklung und kleinere Baugebiete dort, wo Kindergartenplätze absehbar auch wieder frei werden.

Werden Sie im Rathaus umstrukturieren?

Ja. Die Verwaltung wird sich auch daran gewöhnen müssen, dass der Bürgermeister bereits um 7.30 Uhr seinen Dienst antritt. Es werden alle an einem Strang ziehen und die Kräfte bündeln müssen, um die offenen Baustellen anzugehen. In erster Linie den Haushalt. Dann können wir endlich agieren statt immer nur zu reagieren.

Wo steht Niddatal in sechs Jahren?

Dann werden wir zu den anderen Kommunen aufgeholt haben.

Feier am Sportplatz

Michael Hahn wird am Montag, 22. Juni, ab 19 Uhr auf dem Sportplatz Kaichen (bei Regen im Bürgerhaus) von Stadtverordnetenvorsteher Lutz Sierach als Bürgermeister vereidigt. Unter anderem gratulieren Ministerin Lucia Puttrich und Landrat Jan Weckler. Petra Kremer rückt für Hahn in den Magistrat. Auch sie wird ins Amt eingeführt.

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