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An Klangfarben reicher

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt (udo). Am vergangenen Wochenende sollte die Onymus-Orgel von 1735 nach der aufwendigen Restaurierung und der Abnahme von Bischof Dr. Peter Kohlgraf geweiht werden, im Anschluss sollte ein festlicher Orgelgottesdienst stattfinden. Da sich derzeit jedoch pandemiebedingt nur 70 Menschen in der Basilika aufhalten dürfen, wurde die Weihe auf den 8.

Mai des kommenden Jahres verschoben. Doch die Orgel erklingt in den Gottesdiensten.

Orgelbauer Martin Müller, dessen Firma Förster und Nicolaus in Lich in den zurückliegenden zwei Jahren die Restaurierung durchgeführt hat, stellt fest, dass die Spielart, also der Kraftaufwand beim Drücken der Tasten, deutlich leichter und präziser geworden sei. Dies fördere die Spielfreude und die Möglichkeiten der Phrasierung. Die Gelenke würden entlastet. Der Klang habe sich »von einem hellen obertönigen Klang zu einem warmen, singenden, grundtönigen Klang gewandelt, wobei die Einzelregister charakterlich verschieden wurden bei hoher Verschmelzungsfähigkeit«. Hierdurch biete die Orgel heute mehr Klangfarben.

Der Diözesankirchenmusikdirektor Lutz Brenner stimmt zu. Er beobachtet eine wesentlich leichtere Spielbarkeit durch die Restaurierung der Spieltraktur. Er stellt fest, dass sich die Orgel vor der Restaurierung durch die Schwergängigkeit der Trakturen nur bedingt im künstlerischen Sinne spielen ließ. Der Klang sei wesentlich tragfähiger und homogener geworden. Brenner fasst zusammen: »Die Orgel kann die Basilika jetzt füllen, ohne laut oder aufdringlich zu klingen.« Dieses erfreuliche Ergebnis sei auf die Überarbeitung der Windversorgung und die neu rekonstruierten Keilbälge zurückzuführen.

Rainer Walter spielt in Jazzbands, sitzt aber auch am Spieltisch der Onymus-Orgel. Er befindet: »Die Orgel klingt nun sehr viel voller.« Mit wenigen Registerzügen könne man jetzt einen festlichen Klang erzielen. Im Bassbereich böten im Basspedal die Acht- und 16-Fuß-Register einen runden und klaren Klang. Die Onymus-Orgel höre sich viel voller an. Walter resümiert: »Selbst die 16-Fuß-Posaune klingt wieder klar.«

Entspricht dem Ideal der Erbauungszeit

Der Orgelgutachter Krystian Skoczowski weist auf die rekonstruierte Spielanlage hin, die wieder dem Neuzustand von 1735 entspricht. Alles sei neu einreguliert, und die Orgel spiele sich wesentlich leichter und feiner als vor der Restaurierung, das sei »überhaupt kein Vergleich«. Es handele sich nicht nur um eine Frage des Empfindens, das Ergebnis sei messbar. Der Tastendruck sei erheblich leichter und gleichmäßiger als vorher.

Der Klang der Orgel entspreche nun wieder dem Ideal der Erbauungszeit der Orgel, nachdem er über 170 Jahre verändert und überformt war. Dabei sei die Klangvorstellung von Onymus sehr individuell: Er ermögliche eine faszinierende Farbenvielfalt vor allem im mittleren Lautstärkebereich. Der Klang der Orgel sei edel und elegant, es fehle aber nicht an Kraft für majestätische Festlichkeit.

Pfarrer Bernd Richardt bekennt: »Der Klang der Orgel begeistert mich.« Zum einen seien die Register voller in ihrem Klang geworden, »nicht lauter, aber aus einer größeren Tiefe heraus sich aufbauend«. Und das neue Register der »Vox humana«, das ursprünglich bei Onymus in der Orgel eingebaut war, dann aber verloren gegangen sei, habe einen wunderbaren Klang für die Begleitung bei Sologesängen. Richardt fasst zusammen: »Ich freue mich immer wieder, wenn ich unsere Orgel hören kann, und bin überrascht, wie viele verschiedene Klänge die Organisten aus der Orgel herausholen.« Nun warten alle auf die Weihe am 8. Mai 2022. Der neue Klang der Orgel ist bereits heute in den Gottesdiensten zu hören.

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