Manfred Steidl
+
Manfred Steidl

»Alle warten auf das Ende der Ferien«

  • vonUdo Dickenberger
    schließen

Niddatal/Wöllstadt (udo). Wie werden die Vereine von der Krise getroffen? Wie lange wird es dauern, bis sie sich davon erholen? Zwei Vereinsringchefs erteilen Auskünfte.

Einige Vereine werden von der Krise womöglich nur getroffen, indem keine Zusammenkünfte stattfinden; andere haben keinen Spielbetrieb. Besonders betroffen sind jene Vereine, die ein Jubiläum feiern wollten. Die Vorbereitungen waren umsonst, manchmal kommt noch nicht einmal der Kommers zustande.

Wie schätzt Manfred Steidl, der langjährige Ortskartellchef in Ilbenstadt, die Lage ein? Beim Gespräch bereitet er sich auf eine Wanderung der Ü 60-Gruppe des Turnvereins Vorwärts vor. Einzelne Abteilungen des größten Vereins im Ort funktionieren also noch.

Steidl erläutert, dass das Vereinsleben derzeit zumeist nur aus den Vorstandstreffen bestehe, nur der VdK unterhalte noch seine beliebten Spielenachmittage. Ansonsten stehe alles still. Die Ü 60-Gruppe gehe zum Boßeln auf den Hartplatz. Die Vorstände machten das Beste aus der Sache. »Alle warten auf das Ende der Ferien und eventuelle neue Vorschriften.«

Ob alle Vereine die Krise überleben werden, kann Steidl nicht versprechen. Er weist auf die deutliche Überalterung einiger Clubs hin. Die bekämen ohnehin immer mehr Probleme. Sportvereine könnten zumindest Hilfen beantragen. Unter strengen Auflagen zur Teilnehmerzahl, abhängig von der Sportart, könne die Turnhalle benutzt werden.

Regelmäßige Ilbenstädter Veranstaltungen wie der Martinsmarkt seien in diesem Jahr aus zahlreichen Gründen nicht möglich. Hinzu komme, dass im Herbst ein neuer Leiter im Haus Sankt Gottfried antrete. Dann werde sich zeigen, ob der Martinsmarkt weitergeführt werden könne wie bisher. Öffentlichen Veranstaltungen wie Kerb, Jubiläen, Konzerte fielen aus. Die Frage der Adventskonzerte in der Basilika sei offen.

Heinz Feuerbach ist der langjährige Vereinsringchef in Ober-Wöllstadt. Er hofft, »dass es im ländlichen Raum leichter sein wird, die Krise zu meistern«. Hilfen gebe es oft nicht, da keine Trainingskosten für die Vereine anfielen.

Das Dorfleben sei in Niddatal wie in Wöllstadt verbunden mit den Angeboten der Vereine. Ohne Veranstaltungen oder Übungsstunden der Vereine sei eine Dorfgemeinschaft nicht denkbar. Vereine und die Kirchen stünden in der sozialen Verantwortung. Langsam würden die Kitas und Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb einsteigen. Feuerbach: »Ich denke, wir auf dem Land haben es verhältnismäßig gut; wir können in die Natur, laufen, Fahrrad fahren.«

Für Familien, die mit Kindern in kleinen Wohnungen ohne Garten oder Balkon lebten, sei es eine schwere Zeit gewesen.

Auch der Verlust der Arbeitsstätte, die Kurzarbeit oder dass man nicht in die Alten- und Pflegeeinrichtungen gehen konnte, habe das familiäre Umfeld sehr belastet. Er als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft leide nicht nur mit den Vereinen, sagte Feuerbach. Gerade Vereine, die ihr Jubiläum oder Veranstaltungen über einen längeren Zeitraum geplant hatten, stünden vor Problemen.

Aber das Wichtigste sei, dass »wir alle gesund bleiben und uns an die Regeln halten«.

FOTOS: DICKENBERGER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare