Zum Ende des Monats verlässt Rita Mick-Solle die Gemeinde und damit auch das evangelische Dekanat Wetterau. In wenigen Wochen bricht die 64-Jährige zu einer neuen Reise auf: Es geht nach Ungarn. FOTO: PM
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Zum Ende des Monats verlässt Rita Mick-Solle die Gemeinde und damit auch das evangelische Dekanat Wetterau. In wenigen Wochen bricht die 64-Jährige zu einer neuen Reise auf: Es geht nach Ungarn. FOTO: PM

Abschied nach 32 Jahren

  • vonred Redaktion
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Niddatal(alh). Im Wohnzimmer des Assenheimer Pfarrhauses stapeln sich Dutzende Umzugskartons und kleine Kisten. "Ich habe ordentlich ausgemistet", sagt Rita Mick-Solle. Die meisten Regale sind leer, nur das Nötigste steht noch draußen. In den Kartons sind viele Gegenstände, die die Pfarrerin während ihrer 19 Dienstjahre in Assenheim begleitet haben.

Zum Ende des Monats verlässt sie die Gemeinde und damit auch das evangelische Dekanat Wetterau. Ihren Dienst im Dekanat hat Pfarrerin Rita Mick-Solle vor 32 Jahren begonnen, im Juni 1988, als Pfarrvikarin in der Burgkirchengemeinde Nieder-Rosbach. In wenigen Wochen bricht die 64-Jährige zu einer neuen Reise auf.

Obwohl ihr der Ruhestand zusteht, hat sich Rita Mick-Solle für eine neue Herausforderung entschieden. Sie geht nach Ungarn, genauer nach Hévíz am Balaton (Plattensee). Dort übernimmt sie in den kommenden vier Jahren die deutschsprachige, evangelische Tourismusseelsorge. "Ich kümmere mich um die Menschen, die einige Monate im Jahr oder ganz dort leben. Aber auch um deutschsprachige Urlauber, die Anschluss suchen." Ziel der durch die Evangelische Kirche Deutschland geschaffenen Auslandspfarrstelle sei es, eine eigenständige Gemeinde aufzubauen.

"Ich wollte schon immer mal eine gewisse Zeit im Ausland leben und arbeiten", sagt Rita Mick-Solle. Oft seien aber andere Dinge dazwischengekommen. Umso größer ist die Vorfreude jetzt. Das Land habe sie bei einer Studienreise kennengelernt und sich gleich verliebt. Dank eines Sprachkurses vor Ort könne sie schon vieles verstehen und lesen. "Nur das Sprechen fällt mir noch schwer." Durch die Corona-Pandemie würden weniger Touristen die Region besuchen, auch dort arbeite man mit veränderten Gottesdienstkonzepten und -angeboten.

Bevor es losgeht, gab und gibt es aber noch einiges zu tun. Die Corona-Pandemie hat die Pfarrerin in ihrem letzten halben Jahr in Assenheim noch einmal herausgefordert - mit täglicher Video-Andacht und einer verschobenen Konfirmation, zu der sie im nächsten Jahr extra aus Ungarn anreisen wird.

Außerdem stand vor wenigen Wochen der Umzug des Gemeindebüros ins frisch sanierte Gemeindehaus an. Ihr letztes Projekt. "Jetzt habe ich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe", sagt Rita Mick-Solle. In Assenheim hat sie zahlreiche Baumaßnahmen begleitet. Von der Sanierung des Pfarrhauses über die Gestaltung der Kirchplätze und die Renovierung der Kirche bis zum Kindergarten-Anbau. "Ich habe mich gefreut, wenn es mal ein Jahr ohne Baumaßnahmen gab", sagt Rita Mick-Solle und lacht. Das macht sie oft. "Ich erzähle gerne Witze", sagt sie. Auch auf der Kanzel.

"Fröhlichkeit gehört in die Kirche." Ein Leitsatz der Pfarrerin, die den Gottesdienst zu Fasching mit Federboa und Narrenkappe gehalten hat. Gut angekommen sind auch die Märchengottesdienste oder die irischen Abende in der Kirche. Rita Mick-Solle hat damit neue Wege eingeschlagen, denn sie findet, "auch das Leben gehört in die Kirche". Wichtig ist ihr, einfach, aber gehaltvoll zu predigen. "Die Menschen sollen etwas aus dem Gottesdienst mitnehmen."

Einige Umwege genommen

Auf dem Weg zur Pfarrerin hat Rita Mick-Solle einige Umwege genommen. Zunächst studierte sie Kirchenmusik in Heidelberg, ihrer Geburtsstadt. Das Studium beendete sie 1974 mit C-Examen, allerdings fühlte sie sich im Berufszweig nicht wohl. Sie schloss deshalb ein Gemeindepädagogik-Studium in Darmstadt und anschließend ein Theologie-Studium in Marburg an. Das habe sie zwar viel Zeit gekostet, sei aber die richtige Entscheidung gewesen, sagt Mick-Solle. Von 2002 bis 2018 gehörte sie dem Dekanatssynodalvorstand an. Eine spannende Zeit, wie sie sagt, in der aus damals noch drei Dekanaten in der Wetterau gerade eins geworden war.

Die Jahre seien arbeitsreich und voller Herausforderungen gewesen. Dennoch blicke sie mit großer Freude zurück. "Wir haben viele Feste gefeiert und Spaß gehabt", sagt Mick-Solle. "Ich habe gute Freunde und Mitstreiter gefunden, die mir den Rücken gestärkt und mich unterstützt haben." Sie sei mehr als zufrieden. "Aber alles hat seine Zeit."

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