Helmut Koppe malt auf einer Streuobstwiese bei Ilbenstadt einen blühenden Apfelbaum. FOTO: UDO
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Helmut Koppe malt auf einer Streuobstwiese bei Ilbenstadt einen blühenden Apfelbaum. FOTO: UDO

Abgeschiedenheit schadet der Kunst nicht

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Der Kunstmaler Helmut Koppe unterhält ein Atelier im Nonnenhof südöstlich von Ilbenstadt. Er malt Porträts, Stillleben, Kopien nach alten Meistern, experimentelle Arbeiten und "Streifenbilder" im Studio. Bei gutem Wetter arbeitet er an Landschaften in der Natur. Er hofft, dass seine Jahresschau im Oktober wie geplant im Atelier stattfinden kann, "aber vielleicht ohne Vernissage". Die Bedingungen werden sich nach dem Verlauf der Pandemie richten. Da Koppe bei seiner Arbeit nicht mit anderen Menschen zusammen sein muss, geht die Krise derzeit noch ohne einschneidende Spuren an ihm vorüber.

In diesem Jahr waren blühende Bäume bislang das wichtigste Thema. Ein blühender Kirschbaum sei in der Kindheit ein prägendes Erlebnis gewesen, erzählt Koppe. Die Landschaftsbeschreibungen in Prousts gegen 3600 Seiten starken Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" hätten ihn wieder zu dem Thema gebracht.

In den Tagen der Pandemie liest Koppe umfangreiche Werke, zu deren Lektüre man in umtriebigen Tagen nicht kommt. Als nächster Roman wird Tolstois Monumentalwerk "Krieg und Frieden" an der Reihe sein, dann vielleicht dessen "Anna Karenina".

Erst in der Dämmerung beginnt die Eule der Minerva ihren Flug. Die Philosophie und die kritische Reflexion kommen immer zuletzt, wenn das Tagesgeschehen vorübergerauscht ist. Fragt sich, wie es mit der Kunst ist.

Ist die Seuche ein Thema von Koppes Arbeit? Bislang nicht, aber Koppe meint, dass das noch kommen könne. Wirtschaftliche Einschränkungen machen ihm nach eigener Aussage bis jetzt wenig aus: "Als freischaffender Künstler bin ich an bescheidene Verhältnisse gewöhnt."

Mona Lisa und Peter Handke

Beim Treffen in der Nähe des Wasserhochbehälters oberhalb von Ilbenstadt malt Koppe mitten in einer Streuobstwiese einen blühenden Apfelbaum. Für jedes Landschaftsbild benötige er ungefähr sechs Stunden.

Es gibt aber auch andere Motive: Im laufenden Jahr hat Koppe bereits eine "Mona Lisa" gemalt, die "dem Original sehr nahekommt". Er habe sich diversen Interieurs und Stillleben gewidmet, außerdem einem Auftragsporträt.

Zudem hat Koppe das Porträt des umstrittenen Literaturnobelpreisträgers Peter Handke gemalt. Ihm sei er vor Jahrzehnten mehrmals zufällig in dessen damaligem Wohnort am Rand des Taunus begegnet.

Bei Koppes Arbeit ist der Kontakt zu anderen Künstlern nicht erforderlich. Der Ilbensätdter meint, Anregungen kämen kaum, eher indes Kritik, "die unter Künstlern oft aus selbstgefälliger Nörgelei besteht und nicht weiterführt". Fruchtbare Dialoge würde er durchaus begrüßen. Die durch die Pandemie bedingte Abgeschiedenheit sei der Kunst grundsätzlich förderlich, andererseits lebe er im Nonnenhof weit vor dem Ort ohnehin schon abgeschieden genug. Koppe ist dort umgeben von Wald, von Feldern und Wiesen. Ruhe und Stille seien unbedingt zu empfehlen.

Es ist auch in diesen Tagen möglich, ein Bild zu erwerben. Aufträge nimmt Helmut Koppe gerne entgegen - auch wenn er nach eigenem Bekunden lieber Bilder verkauft, die er von sich aus gemalt hat. Gelegentlich hätten Kunden Wünsche, die zu Konflikten führten. Dabei habe ein Auftraggeber dem Künstler nicht ins Konzept zu reden, betont Koppe. Die künstlerische Gestaltung sei dem Ausführenden zu überlassen.

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