Instrumente reparieren - eines der Dinge, für die Christian Braica nun viel Zeit hat. FOTO: UDO
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Instrumente reparieren - eines der Dinge, für die Christian Braica nun viel Zeit hat. FOTO: UDO

Abgesagte Konzerte und viel Zeit

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt(udo). Für andere mag es nach einem ungewöhnlichen Hobby klingen, doch Christian Braica aus Ilbenstadt macht es gern: Kontrabässe reparieren. Und dazu hat der Musiker gerade etwas mehr Zeit als sonst. "Als Kind war ich dabei, als eine Stradivari-Geige geöffnet wurde", sagt Braica. "Das hat mich sehr beeindruckt."

Als er selbst einmal einen seiner Bässe zum Reparieren geöffnet hat, habe er feststellen müssen, dass die Decke nicht echt war. "Leider passiert es oft, dass Instrumente von Laien und dann nur notdürftig in Ordnung gebracht werden." Darum mache er es lieber selbst. Doch er repariert sie nicht nur, er spielt sie auch: Gottesdienste, Tangos oder Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion - Braica nutzt am liebsten seine eigenen Instrumente.

Kontrabassist in rumänischer Oper

Braica ist seit 2001 Vorspieler der Kontrabassgruppe im HR-Sinfonieorchester. Er stammt aus Rumänien, studierte bei Liviu Moga in Klausenburg, war Kontrabassist im Orchester der Rumänischen Oper und im Philharmonischen Orchester "Transilvania" in Klausenburg. Von 1997 bis 2001 musizierte Braica als Solokontrabassist in der "Philharmonie der Nationen" und war von 1998 bis 2001 als Dozent an der Musikhochschule Klausenburg tätig.

Braica gewann zahlreiche Preise. Als Solist spielte er in Augsburg, Bistrita, Klausenburg, Dessau, Maspalomas, Pécs und Bukarest. 2009 war er Dozent und Solokontrabassist des "Festival Internacional de Inverno de Campos do Jordão" in Brasilien und im Jahr 2010 musizierte er in Enoch zu Guttenbergs Auswahlorchester "Klangverwaltung" vor Papst Benedikt.

"Das erste Mal vom Virus erfuhren wir auf einer Tournee Ende Januar auf Teneriffa", sagt Braica. Die ersten Bedenken habe man dann bei einem Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle vor großem Publikum bekommen. "Damals wurden in der Schweiz bereits Konzerte abgesagt", sagt Braica. "Dann wurde uns mitgeteilt, dass die Europa-Tournee mit Berlin und Wien nicht mehr stattfinden konnte."

Zunächst sei zu Hause geprobt worden - mit Videos und per Live-Stream. Später habe man auf der Videoplattform Youtube das Format "Stage at seven" gestartet. Mit einem kleinen Orchester wurden dafür Werke von Beethoven gespielt. In der größten Besetzung wurden vier Kontrabässe eingesetzt. In der Basilika des Klosters Eberbach wurde ohne Publikum musiziert. Bei Auftritten im Sendesaal dann konnten wieder Besucher eingeladen werden, das geplante Open-Air-Konzert in Frankfurt aber musste abgesagt werden.

Braica konnte in der Krise zwar nicht viel musizieren, dafür aber eigene Vorhaben in Angriff nehmen, so etwa das Sortieren seiner Bibliothek. "Wie es weitergeht, ist noch nicht ganz klar", sagt er. Das ältere Publikum traue sich nicht mehr ins Konzert. Freien Musikern gehe es schlecht. Nur zu der Reihe der Neuen Musik kämen jüngere Leute. Auch das Online-Format habe wahrscheinlich seinen Teil dazu beigetragen. "Die Krise stellt viele Menschen vor die existenzielle Frage", sagt Braica. "Künstlern stellt sich überraschend die Sinnfrage."

Die Kunst komme in der Krise zuletzt

"In der Not kommt die Kunst zuletzt", sagt Braica. Das sei ihm während der Krise deutlicher denn je vor Augen geführt worden. "Vieles hat seinen Wert." Obwohl er selbst auf Konzerte verzichten musste ist er froh, eine sichere Stelle zu haben. "Ich hoffe, dass alles bald wieder etwas normal wird", sagt er. Vielleicht könne man die Krise als Chance sehen, sich auf sich selbst zu besinnen. Er täte das: "Musiker zu sein ist kein Beruf, sondern Schicksal."

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