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Der Basilika-Chor bei einem Adventskonzert 2019.

160 Jahre Chorgesang in Ilbenstadt

  • vonUdo Dickenberger
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Niddatal-Ilbenstadt (bf). Hier ist das gemeinsame Singen seit langem Tradition: Die Sängervereinigung Heimatliebe feiert 160 Jahre Chorgesang. Anhand von Festschriften der vorherigen Jubiläen schaut sie auf ihre Vereinsgeschichte zurück.

Diese beginnt mit der Gründung des ersten Vereins »Cäcilia« im Jahr 1861. Dazukamen 1893 die »Germania« und 1920 der »Vorwärts«. Weil aber keiner der drei Vereine für sich bestehen konnte, gründeten im Januar 1946 Musikfreunde die Sängervereinigung »Heimatliebe«.

Der Festschrift »90 Jahre Sangeskultur in Ilbenstadt« von 1951 zufolge wurde dieser Name gewählt, weil sich 1946 noch Einheimische in Kriegsgefangenschaft befanden. Jeder Spätheimkehrer sei mit einem Lied begrüßt worden. Zu den ersten Liedern, die einstudiert wurden, zählte die »Hymne an das Feuer«. Von Wertungssingen brachte der Chor gute Kritiken mit nach Hause, zu Weihnachten traten der Männer- und der Kinderchor erstmals gemeinsam auf.

Proben bei jedem Wetter

Laut Festschrift präsentierte sich die Heimatliebe zum 90-jährigen Jubiläum mit Auftritten des Männer- sowie des Kinderchores. Eingeladene Vereine bildeten zur Begrüßung sogenannte »Massenchöre«. Die Verfasser der Festschrift erkannten in der 90-jährigen »Kultur der Sangeskunst« einen klaren Fortschritt.

Der Chorleiter Heinz Marx würdigte zehn Jahre später in der Festschrift zum 100-jährigen Chorgesang zunächst den Idealismus seiner Vorgänger, die sich bei elenden Straßenverhältnissen und jedem Wetter zu den Proben gequält hätten. Fernsehen, Kino, Vermassung und Existenzkampf sah er als die Widersacher des Vereinslebens.

Die Festschrift der 135-Jahr-Feier wirft neues Licht auf die 50er Jahre. Damals sei zwar die Theatergruppe der Heimatliebe erfolgreich aufgetreten, dem Verein sei es trotzdem nicht gut gegangen - einige Mitglieder seien 1952 aus »Gründen der Vereinsordnung und Sauberkeit« ausgeschlossen worden, andere hätten den Verein bereits aus finanziellen Gründen verlassen müssen. Bei einigen Jahreshauptversammlungen sei es daher erst in letzter Minute gelungen, den Untergang des Vereins zu vermeiden.

Zwischen 1983 und 2018 bestand die Erfolgsserie der jährlichen Gemeinschaftskonzerte im Bürgerhaus mit dem Musikzug der Feuerwehr Bönstadt. Außerdem veranstaltete die Heimatliebe ihre Adventskonzerte in der Basilika bis 2018. Dabei oblag die Gesamtleitung Jörg-Alfons Hutter, der Solisten und befreundete Chöre einlud. Vor drei Jahren hat der Basilika-Chor die Tradition der Benefizadventskonzerte in der Basilika übernommen, die Heimatliebe wirkt weiterhin daran mit.

Der neue Basilika-Chor wurde 2013 gebildet, weil der Bedarf an einer musikalischen Begleitung der Gottesdienste sowie der Wunsch nach einem gemischten Chor unüberhörbar geworden waren. In der Faschingszeit stellte sich der Gründungsdirigent Jan Frische vor, Pfarrer Thomas Knedelhans und der Verwaltungsrat der Pfarrei genehmigten das Konzept des neuen Kirchenchors und ab März wurde geprobt. Erstmals trat das Ensemble in einer Ostermesse 2013 in der Basilika öffentlich auf. Es hat Kirchenlieder, Gospeltitel und Popsongs jeder Richtung im Repertoire.

Auch der Basilika-Chor hat Geschichte und blickt auf drei Traditionen zurück. Zunächst auf die »Cäcilia« von 1861, dann auf den »alten« Basilika-Chor, den der Heimatliebe-Dirigent Jörg-Alfons Hutter leitete und der sich Mitte der 90er Jahre auflöste. Zuletzt schaut er auf den 1977 von Pfarrer Dr. Vinko Kraljic gegründeten Kinderchor »Ilbenstädter Nachtigallen« zurück, der sich 1990 auflöste. Als der Geistliche 2012 sein goldenes Priesterjubiläum feierte, kamen frühere Aktive des Kinderchors und einige »Neue« zusammen, um im Festgottesdienst zu singen. Es war nicht zu überhören, dass die »Nachtigallen« erwachsen geworden waren. Als sich die früheren »Nachtigallen« bei weiteren festlichen Gelegenheiten bewährt hatten, war der Schritt zur Wiederbelebung eines Basilika-Chors nicht mehr weit.

In der Basilika: Die Heimatliebe bei einem ihrer letzten Auftritte.

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